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12.02.2010
PADERBORN / WERL
Erzbistum Paderborn bestätigt Missbrauchsfälle
Erzbischof Becker bestürzt

Bestürzt | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn (lnw). Im bundesweiten Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche hat auch das Erzbistum Paderborn mehrere Fälle eingeräumt. Ein Fall sei jahrelang verschwiegen worden, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Am 4. Juli 2002 sei ein Geistlicher des kirchlichen Jungen- Internats Collegium Aloysianum in Werl (Kreis Soest) "kurzfristig von seinen Aufgaben entpflichtet" worden, sagte Bistumssprecher Ägidius Engel am Freitag und bestätigte weitgehend den Bericht. 2003 und 2009 wurden zudem zwei Geistliche wegen Missbrauchs rechtskräftig verurteilt. Beide sind nicht mehr im Kirchendienst.

Erzbischof Hans-Josef Becker äußerte sich bestürzt: "Das in den vergangenen Tagen bundesweite Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle macht mich betroffen und fassungslos. Missbrauch und Pädophilie verletzten die Würde, Intimität und Integrität eines Kindes oder Jugendlichen schwer."

Der Geistliche aus dem Jungen-Internat sei sowohl mit Blick auf seine gesundheitliche Situation, als auch aufgrund eines Gesprächs am 1. Juli 2002 mit dem damaligen Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt entpflichtet worden. Der Vorwurf lautete, an einem minderjährigen Jungen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben, hieß es beim Bistum.

"Der uns im Jahre 2002 erstmals bekanntgewordene Tathergang datiert nach unserer Kenntnis auf Spätherbst 1980 und stellt sich uns bis heute als Einzelfall dar." Das Bistum begründete sein Schweigen damit, dass das Opfer, mit dem 2002 und 2003 Gespräche geführt worden seien, weder Öffentlichkeit noch eine Anzeige gewünscht habe. Das Internat wurde 2005 geschlossen.

Vikar zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Info
Beratung für Missbrauchsopfer

Vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hat das Bistum Paderborn eine Anlaufstelle für die Opfer eingerichtet. Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen ist Manfred Frigger, der Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Dem Beauftragten stehe ein Arbeitsstab aus Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzten, Juristen und Theologen zur Seite.

Telefon: (05 25 1) 26 07 1
manfred.frigger@erzbistum-paderborn.de
www.erzbistum-paderborn.de


Seit 1995 seien im Bistum zwei Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden, sagte Engel. 2002 wurde ein Fall angezeigt, der sich auf Taten aus dem Jahr 1998 in einer Gemeinde bezog. Ein Dortmunder Vikar wurde im April 2003 zu sechs Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem wurde er auch durch die kirchliche Gerichtsbarkeit rechtskräftig verurteilt und strafweise laisiert, das heißt, er ist kein Priester mehr. Der Mann erhalte keine Anstellung mehr im Erzbistum.

Im September 2009 verurteilte das Dortmunder Landgericht einen ehemaligen Geistlichen des Erzbistums wegen Missbrauchs von Minderjährigen zu zwei Jahren auf Bewährung. Der Geistliche war bereits im Oktober 2002 wegen Ungehorsams vom Bistum suspendiert worden und trat im Dezember 2008 aus der Kirche aus. Danach soll er dem Urteil zufolge minderjährige Jungen aus der Szene am Dortmunder Bahnhof für Sex bezahlt haben. Er wurde am 19. März 2009 exkommuniziert.

In den vergangenen Jahren gab es nach Angaben des Bistums zudem drei staatsanwaltschaftliche Verfahren gegen Priester des Erzbistums, die Kinderpornografie auf ihren Computern gehabt haben sollen. Die Geistlichen wurden beurlaubt. In einem Fall wurde das Verfahren 2008 gegen Geldauflage eingestellt, in einem weiteren wurde im gleichen Jahr ein Strafbefehl mit Geldstrafe verhängt. Das dritte Verfahren laufe noch.


Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Ich möchte hier und heute nicht gegen eine bestimmte Einrichtung oder Gruppe sprechen. Auch andere Institutionen behandeln Missbrauch, auch den von Schutzbefohlenen, als Betriebsunfall des Lebens, siehe Link unterdrückt. Ich denke aber dieses ist falsch. Hier geht es nicht um 10 EURO, die in der Portokasse fehlen. Hier geht es um die seelische und körperliche Unversehrtheit von Menschen, von Kindern. Für viele von ihnen wird das weitere Leben eine Qual und sie straucheln. Dieses kann und darf nicht die interne Angelegenheit einer Gruppe oder Institution sein, schon gar nicht wenn genau diese Institutionen bei vielen anderen Gelegenheiten immer wieder den moralischen Zeigefinger erheben und Gerechtigkeit fordern. Missbrauch muss von der gesamten Gesellschaft, also dem Staat bestraft werden und die Menschheit muss langfristig vor den Tätern geschützt werden. Natürlich frage auch mich heute ob ich nicht mitschuldig an möglichen weiteren Taten meines Vergewaltigers bin. Genau dieses raubt mir gerade in der aktuellen Situation jede Nacht den Schlaf. Ich bin ja scheinbar nicht besser als die Menschen, die vor und nach mir solche Taten unter den Teppich gekehrt haben. Mir ist die Tatsache des Missbrauchs erst Jahre nach der Tat während der Pubertät bewusst geworden. Da habe ich begonnen zu verdrängen, den Kontakt zum Vergewaltiger plötzlich abgebrochen, worüber sich mein Umfeld auch gewundert hat. Heute ist die Tat verjährt, der Täter war zum Zeitpunkt der Tat noch nicht strafmündig und beweisen, beweisen könnte ich es heute ebenso wenig wie ich es zu dem Zeitpunkt gekonnt hätte als es mir bewusst wurde. Mit dieser möglichen Schuld muss ich nun für den Rest meines Lebens fertig werden. Verdrängen klappt auf Dauer nicht und nach 40 Jahren ist es auch kaum mehr möglich diese Dinge aus den Kopf zu bekommen, wie ich es jetzt jede Nacht erlebe. Grundsätzlich ist entstandener Schaden nur schwer gutzumachen. Aber vielleicht würde eine Anzeigenpflicht für Missbrauch, die gibt es in Deutschland nach meinem Wissen nicht, zukünftig den einen oder anderen Täter frühzeitig hinter Gittern bringen und somit weitere Taten verhindern. Eine schnelle Unterstützung für das Opfer wäre dann ebenfalls möglich. Auch und gerade die Opfer haben ein Recht auf Menschenwürde, auf die so mancher Täter pocht wenn es um seine nachträgliche lebenslange Sicherheitsverwahrung geht. Heute kann ich den Eltern nur raten, dass sie ihre Kinder für diese Dinge sensibilisieren, ihren Kindern glauben und sie diese Taten anzeigen, auch wenn es der liebe Onkel oder vielleicht eine sogenannte Respektsperson war. Denn die Täter verdienen keinen Respekt.

Zu Krakele: Die Kirche will doch gar nicht aufwachen. Was meinst Du was sich unter dem Deckmantel der Kirche alles für schöne Geschäfte machen lassen. Lern Orgelspielen oder Trauerreden zu verfassen und tue dich mit einem Bestatter zusammen. Mehr (richtiges) Geld kannst Du gar nicht verdienen. Was Du noch werden kannst ist Presbyter dann hast Du absolute Narrenfreiheit.

@ ichglaubesnicht: Die Statistik soll kein Schlag ins Gesicht der Opfer sein. Aber sie zeigt, dass Kommentare wie von "Krakele" oder der Spiegelartikel auf der Ebene unsachlicher Polemik geführt werden.

Wenn hier jemand mit Statistiken kommt und damit die Taten von einzelnen Missbrauchstätern bagatellisiert, schlägt er damit allen Opfern, und damit meine ich alle Opfer sexueller Gewalt, ins Gesicht. Jedes Opfer ist ein Opfer zuviel.

Es ist richtig, dass die Kirche mit Laisierung und Exkommunikation gegen die Täter vorgeht. Statistisch gesehen ist ein Sexualdelikt eines Geistlichen im Zölibat 36-fach geringer. Das, und viele andere ausgewogene Wahrheiten, werden im Spiegel leider auch verschwiegen.



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