Paderborn (lnw). Im bundesweiten Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche hat auch das Erzbistum Paderborn mehrere Fälle eingeräumt. Ein Fall sei jahrelang verschwiegen worden, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
Am 4. Juli 2002 sei ein Geistlicher des kirchlichen Jungen- Internats Collegium Aloysianum in Werl (Kreis Soest) "kurzfristig von seinen Aufgaben entpflichtet" worden, sagte Bistumssprecher Ägidius Engel am Freitag und bestätigte weitgehend den Bericht. 2003 und 2009 wurden zudem zwei Geistliche wegen Missbrauchs rechtskräftig verurteilt. Beide sind nicht mehr im Kirchendienst.
Erzbischof Hans-Josef Becker äußerte sich bestürzt: "Das in den vergangenen Tagen bundesweite Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle macht mich betroffen und fassungslos. Missbrauch und Pädophilie verletzten die Würde, Intimität und Integrität eines Kindes oder Jugendlichen schwer."
Der Geistliche aus dem Jungen-Internat sei sowohl mit Blick auf seine gesundheitliche Situation, als auch aufgrund eines Gesprächs am 1. Juli 2002 mit dem damaligen Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt entpflichtet worden. Der Vorwurf lautete, an einem minderjährigen Jungen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben, hieß es beim Bistum.
"Der uns im Jahre 2002 erstmals bekanntgewordene Tathergang datiert nach unserer Kenntnis auf Spätherbst 1980 und stellt sich uns bis heute als Einzelfall dar." Das Bistum begründete sein Schweigen damit, dass das Opfer, mit dem 2002 und 2003 Gespräche geführt worden seien, weder Öffentlichkeit noch eine Anzeige gewünscht habe. Das Internat wurde 2005 geschlossen.
Vikar zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt
Beratung für Missbrauchsopfer
Vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hat das Bistum Paderborn eine Anlaufstelle für die Opfer eingerichtet. Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen ist Manfred Frigger, der Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Dem Beauftragten stehe ein Arbeitsstab aus Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzten, Juristen und Theologen zur Seite.
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Seit 1995 seien im Bistum zwei Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden, sagte Engel. 2002 wurde ein Fall angezeigt, der sich auf Taten aus dem Jahr 1998 in einer Gemeinde bezog. Ein Dortmunder Vikar wurde im April 2003 zu sechs Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem wurde er auch durch die kirchliche Gerichtsbarkeit rechtskräftig verurteilt und strafweise laisiert, das heißt, er ist kein Priester mehr. Der Mann erhalte keine Anstellung mehr im Erzbistum.
Im September 2009 verurteilte das Dortmunder Landgericht einen ehemaligen Geistlichen des Erzbistums wegen Missbrauchs von Minderjährigen zu zwei Jahren auf Bewährung. Der Geistliche war bereits im Oktober 2002 wegen Ungehorsams vom Bistum suspendiert worden und trat im Dezember 2008 aus der Kirche aus. Danach soll er dem Urteil zufolge minderjährige Jungen aus der Szene am Dortmunder Bahnhof für Sex bezahlt haben. Er wurde am 19. März 2009 exkommuniziert.
In den vergangenen Jahren gab es nach Angaben des Bistums zudem drei staatsanwaltschaftliche Verfahren gegen Priester des Erzbistums, die Kinderpornografie auf ihren Computern gehabt haben sollen. Die Geistlichen wurden beurlaubt. In einem Fall wurde das Verfahren 2008 gegen Geldauflage eingestellt, in einem weiteren wurde im gleichen Jahr ein Strafbefehl mit Geldstrafe verhängt. Das dritte Verfahren laufe noch.