Paderborn. Die Stadtbibliothek müht sich wacker um ein modernes, frisches Auftreten. Schon lange ist es möglich, die Ausleihfristen via Internet zu verlängern und seit kurzem kann man sogar Medien herunterladen. Doch mit dem neuen Katalog ist die städtische Einrichtung wohl über ihr Ziel hinausgeschossen.
Bei erfolgreicher Suche im Online-Katalog der Bibliothek bekommt der Nutzer nämlich nicht nur Titel und Signatur, sondern seit einiger Zeit auch das Buchcover zu sehen. Keine schlechte Idee – wenn nicht hier ein Klick zum Internet-Buchhändler-Riesen Amazon führen würde. Als Stadtbibliothek wolle man den größtmöglichen Service anbieten, sagt Leiterin Katrin Stroth. Und da spiele eben die Visualisierung eine wichtige Rolle. Wenn der Leser den Einband sehe, dann könne er sich schneller ein Bild vom Buch selbst machen, ist sie überzeugt. Die Rechte der Coverdarstellungen lägen aber zumeist bei den Verlagen und genau das würde hohe Kosten bedeuten, weiß Stroth. Folglich greife ihr Haus auf den Service von Amazon zurück. Der Internetbuchhändler stelle nämlich die Datensätze kostenlos dem Softwareanbieter BOND zur Verfügung, der seinerseits die Paderborner Bibliothek betreut.
Dass Amazon seine Datensätze öffentlichen Büchereien sogar überaus gern zur Verfügung stellt, liegt für Stroth auf der Hand. Schließlich sind in der Paderborner Bücherei rund 20.000 Nutzer registriert. Und da verspreche sich Amazon eben ein beträchtliches Käuferpotenzial. Für die Leiterin der Stadtbibliothek ist das kein Problem. Andere Anbieter könnten ja schließlich gleichfalls über BOND diesen Service offerieren.
Der heimische Buchhandel ist über die Online-Verstrickung der städtischen Einrichtung alles andere als begeistert. "Irritierend" findet Thilo Fuhrmann von der Bonifatius-Buchhandlung die Verlinkung. Es sei schließlich nicht die Aufgabe einer Stadtbibliothek, auf letztlich private Anbieter zu verweisen, sagt er und fragt sich, warum in dem Katalog nicht auf die Internetangebote des örtlichen Buchhandels verwiesen wird.
Währenddessen gehen den Bücherexperten im Hause Linnemann die Hüte hoch. "Damit wird uns quasi das Wasser abgegraben", sagt Birgit Hohmann empört. Ohnehin sei der heimische Buchhandel nicht so gut aufgestellt, da immer mehr Menschen auf das Internet zurückgriffen. "Es wird schwerer und schwerer, Kunden in die Läden zu bekommen."
Das Argument der Bibliothekschefin, dem Leser mit Hilfe der Coverdarstellung die Auswahl zu erleichtern, kann sie nur teilweise akzeptieren. Sicher sei die Optik wichtig, aber viel wichtiger seien für die Bücherfreunde bei der Suche nach dem passenden Lesestoff persönliche Empfehlungen, weiß Birgit Hohmann aus Erfahrung.
Alldieweil ist ihre Chefin bitter enttäuscht. Schließlich leiste ihre Buchhandlung jede Menge für das Kulturleben an der Pader, sagt Katharina Linnemann, die zurzeit mitten in den Vorbereitungen für die elfte Kinderbuchwoche steckt. "Man wird komplett übergangen", sagt sie traurig.
Wovor Antonius Linnemann Angst hat
Währenddessen hat ihr Mann Antonius fast ein bisschen Angst um die Zukunft seiner Heimatstadt Paderborn. "Das Internet höhlt die Innenstädte aus, macht sie im Grunde überflüssig", meint er nachdenklich, befürchtet mit dem wachsenden Ausbau des Online-Shoppings ein weiteres Ausbluten der Kernstädte. "Es ist unverständlich, dass die Stadtbibliothek aufs Internet verweist."
Dabei bestehe doch keine Konkurrenz, sondern eine "wertvolle Symbiose" zwischen Stadtbücherei und heimischem Buchhandel, denn begeisterte Bibliotheksbenutzer hätten nämlich auch gerne eigene Bücher im Regal. "Es geht doch schließlich um Bildung", sagt Antonius Linnemann. "Eigentlich müsste da der Klick kommen: ,Besorgt euch eure Bücher in der Stadt.’"