Bielefeld/Berlin. Der Präsident der "Islamischen Religionsgemeinschaft", Abdurrahim Vural (41), sitzt in Untersuchungshaft. Wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, auf Anfrage bestätigte, wurde Vural wegen Betruges und anderer Delikte festgenommen. So soll der Beschuldigte beispielsweise in einem Kaufhaus Waren für 6.800 Euro bestellt und nicht bezahlt haben. Außerdem soll er unter Angabe von falschen Personalien mehrere Konten eröffnet haben.
Nach Informationen der Neuen Westfälischen wird Vural zudem beschuldigt, eine Staatsanwältin bedroht sowie großflächige Zeitungsanzeigen, die er in überregionalen Magazinen geschaltet hatte, nicht bezahlt zu haben. Im Zusammenhang mit der Erlangung von öffentlichen Fördergeldern war Vural schon einmal in das Visier der Berliner Justiz geraten. Zu einer Verurteilung kam es aber nicht.
Vural, der sich in der Vergangenheit vehement für islamischen Religionsunterricht und gegen das Kopftuchverbot an Schulen einsetzte, figuriert als "Professor" und als "Präsident der Islamischen Religionsgemeinschaft - Körperschaft des Öffentlichen Rechts". Erst unlängst hatte die Berliner Senatskulturverwaltung jedoch darauf hingewiesen, dass die Islamische Religionsgemeinschaft keine Körperschaft des Öffentlichen Rechts sei.
Bielefelder fühlte sich bedroht
In Ostwestfalen-Lippe ist Vural kürzlich durch seine Attacken gegen den Bielefelder Soziologieprofessor Heinz Gess (65) bekannt geworden. Gess hatte in einem Beitrag für das Internet-Forum
www.kritiknetz.de geschrieben, dass "der Islam in seiner gegenwärtigen Verfassung überwiegend eine universelle Zwangsneurose" sei. Die Worte des Bielefelder Wissenschaftlers zielten dabei ersichtlich nicht auf Personen, sondern auf Religion als Herrschaftsform. Gess wollte einen Beitrag zum kritischen wissenschaftlichen Diskurs liefern. Doch prompt wurde er von der "Islamischen Religionsgemeinschaft" unter Beschuss genommen. Sie forderte seine "Bestrafung".
Der Bielefelder Hochschullehrer fühlte sich ernsthaft bedroht. Er schaltete den Staatsschutz und die Staatsanwaltschaft ein. Die Islamische Religionsgemeinschaft erstattete Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Durch die neue Entwicklung sieht sich Professor Gess in seiner Einschätzung bestätigt, dass Vural eine zweifelhafte Figur sei.
Von der Fachhochschule Bielefeld (FH) habe er in der Auseinandersetzung mit Vural keine Unterstützung erhalten, beklagt Gess. Dort "gibt es keine Ohren, die hören, und keine Augen, die sehen, sondern nur völlige Blindheit". Die FH wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen.