Herford. Seit sie Eltern sind, gehen Kevin und Nele (Namen geändert) nicht mehr häufig aus. Doch am vergangenen Samstag sollte es mal wieder soweit sein. "Wir wollten ein bisschen Spaß haben und sind in den Go Parc gegangen", sagt Kevin. Um 4 Uhr morgens beendeten Türsteher und Polizei den Spaß. Dafür hatten sie ihre Gründe.
"Bis dahin war eigentlich alles super", sagt Nele. "Coole Musik, nette Leute - wir waren gut drauf." Ihr Freund unterhält sich am Rand der Tanzfläche mit einem Cousin, die 22-Jährige selbst bewegt sich keine zwei Meter entfernt zum Rhythmus der Musik.
"Auf einmal stehen vier oder fünf Türsteher da, ziehen mich und meinen Cousin auf den Boden und schleppen uns in Richtung Ausgang", schildert Kevin seine Sicht der Dinge. "Mitkommen" und "Hände aus den Taschen" hätten sie gebrüllt, sonst nichts. Als Kevins Freundin eine Erklärung fordert, wird auch sie zum Ausgang gezerrt. "Dabei haben sie mich sehr hart angepackt", sagt Nele, zeigt auf blaue Flecken an Hüfte und Knien und auf die Gips-Manschette an ihrem Handgelenk.
Am Ausgang findet das Szenario seine Fortsetzung: Während Kevin und sein Cousin breitbeinig und mit erhobenen Händen an der Wand stehen, wird Nele draußen in ein Polizeiauto gesetzt. "Ich wusste nicht, wo meine Freundin war und was die mit ihr machten", sagt Kevin. Man habe ihnen zu keinem Zeitpunkt gesagt, was man ihnen überhaupt vorwarf.
"Die haben nicht mit uns gesprochen, haben uns nicht durchsucht und keinen Drogen-Test gemacht - rein gar nichts", sagt Kevin und schüttelt den Kopf. Irgendwann habe man sie ohne weitere Begründung des Hauses verwiesen. "Ich durfte nicht mal meine Jacke aus der Disko holen, die musste eine Bekannte mir bringen", sagt Kevin.
Am nächsten Tag erstatteten er und seine Freundin Anzeige wegen Körperverletzung.
Die andere Perspektive
André Lindemann ist der Mann, gegen den sich ihre Aussage richtet. Der Security-Chef der Herforder Großdisco, der an dem Vorfall unmittelbar beteiligt war, schildert die Sache anders: "Wir hatten am frühen Morgen einen Gast mit Drogen erwischt." Der junge Mann habe ihnen gesagt, dass er das Rauschmittel kurz zuvor in der Disko gekauft habe. "Und da verstehen wir überhaupt keinen Spaß", macht der Sicherheitsmann klar. Nach anfänglichem Zögern habe der Ertappte den Security-Leuten die Dealer ans Messer geliefert - und dabei auf Kevin und seinen Cousin gezeigt."Daraufhin haben wir die Polizei gerufen und die jungen Leute freundlich gebeten, uns unauffällig zum Ausgang zu begleiten", berichtet Lindemann. Kevin und Nele hätten sich geweigert. "Am schlimmsten war dabei die junge Frau", sagt er, "die hat rumgeschrien, bis alle Leute guckten." Etwas später, so der Security-Chef, habe sie sogar damit gedroht, ihm eine Sektflasche "über den Kopf zu ziehen".
Schließlich hätten eine Kollegin und eine Polizistin sie in besagten Streifenwagen gesetzt, um sie zu beruhigen. Da sich die Dame auch hier vehement zur Wehr gesetzt habe, sei eine rücksichtsvollere Behandlung schwierig gewesen. So könne es durchaus zu blauen Flecken gekommen sein.
Für Lindemann belegt ein "derartig hysterisches Verhalten, dass die Leute unter massivem Drogeneinfluss standen". Von der Polizei sei diese Einschätzung bestätigt worden. Kevin und Nele beteuern hingegen, nur ein wenig angetrunken gewesen zu sein.
Ob bei den beiden tatsächlich Drogen gefunden wurden, weiß Lindemann nicht. Die Polizei spricht von einer "etwas verworrenen Angelegenheit" und "einigen Dingen, die noch in der Schwebe sind". Sie möchte sich aus "ermittlungstechnischen Gründen" noch nicht zu dem Fall äußern.















