Die Zerstörung des Viadukts jährt sich am 14. März zum 65. Mal
Im November 1944 werfen die amerikanischen Bomber insgesamt 2.151 Sprengbomben und 33.000 Brandbomben im Bereich der Talbrücke ab. Allein am Totensonntag, dem 26. November 1944, werden in neun Angriffswellen aus östlicher Richtung mehrere hundert Sprengbomben und zwei Phosphorbomben abgeworfen. Knapp eine Stunde dauern die Angriffswellen auf die Talbrücke.
Die Erschütterungen durch die Bomben sind deutlich zu spüren. Mindestens 130 Todesopfer fordert dieser Angriff. Helmut Brockmann erinnert sich: "Als der Angriff vorüber war, lagen auf unserem Grundstück mehrere Tote, denen offenbar die Lunge geplatzt war. Es war grauenhaft." Doch das Viadukt, das Ziel der Bombenangriffe, bleibt unversehrt.
Kurz zuvor bekommt der Brite Barnes Wallis die Aufgabe an seinem bereits verworfenen Plan zur Superbombe weiterzuarbeiten. Im März 1945 legt er mit der "Grand Slam"-Bombe das Ergebnis vor. Die Bombe soll sich durch das hohe Gewicht tief in den Erdboden bohren, aber erst im Boden zünden. Die dadurch entstehenden Druckwellen sollen auch stabile Materialien einknicken lassen wie ein Kartenhaus.
Das Viadukt fällt zusammen wie ein Kartenhaus
Am 14. März 1945 bohrt sich die "Grand Slam"-Bombe in den morastigen Boden am Viadukt und detoniert. Es ist die größte Explosion auf deutschem Boden. In Schildesche bebt die Erde. Nur wenige Sekunden später knicken sechs Pfeiler des Viadukts weg. Der Einschlag hinterlässt ein 18 Meter tiefes und 60 Meter breites Loch. Damit hat die Erfindung von Barnes Wallis ihr Ziel erreicht. Herta Höcker sucht während des Luftalarms am 14. März 1945 im Bunker an der Westerfeldstraße Zuflucht: "Mit einem Male gab es einen dumpfen Knall. [...] Danach kam die Aufsicht hereingerannt und sagte: Jetzt ist der Viadukt kaputt. Jetzt haben wir Ruhe."
Das Buch
Axel Frick, Als in Schildesche die Erde bebte. Die Geschichte des Schildescher Viaduktes. 2. Auflage, Heka-Verlag 1994.
ISBN 3-928700-11-1
Noch 20 Jahre lang dient das Provisorium zwischen Meyer zu Eissen und dem Stellwerk Brake, das unter dem Namen "Gummibahn" bekannt wird, als Umgehungsstrecke. Erst 1984 ist das Viadukt wieder vollständig hergestellt. Die Spuren der Bombardierung sind aber nur an der Oberfläche beseitigt.
Im Erdreich verbergen sich heute immer noch Blindgänger: Reste der 3.600 Sprengbomben die über dem Johannistal abgeworfen wurden. Die Umgebung der Talbrücke hat sich verändert. An der Stelle, wo der Einschlag der "Grand Slam-Bombe" ein riesiges Loch hinterließ, befindet sich inzwischen die Johannisbachtalsperre, besser bekannt als Obersee.
Die gesamte Geschichte zum Schildescher Viadukt gibt es auch auf der DVD "Als die Erde bebte. Die Zerstörung des Schildescher Viaduktes." Erhältlich für 9,90 Euro in Ihren NW-Geschäftsstellen in Bielefeld, Niedernstraße, Brackwede, Hauptstraße und in Herford, Lübberstraße. Weitere Filme aus der Historischen Filmreihe Bielefeld hier.
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