Bielefeld (dpa). Sie wollte sich von ihrem herrischen Mann trennen und wurde grausam erwürgt: Wegen Mordes muss sich der 62 Jahre alte Ehemann seit Montag am Landgericht Bielefeld verantworten.
Der Rentner aus Bad Oeynhausen (Kreis Minden-Lübbecke) soll seine 56- jährige Frau in der Nacht zum 16. September 2009 so lange gewürgt haben, bis sie starb. Die Staatsanwaltschaft geht von einem "mehrere Minuten andauernden Todeskampf" aus. Der Angeklagte machte zum Prozessauftakt keine Angaben zur Tat, kündigte aber an, sich im Prozessverlauf äußern zu wollen.
Nach den Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei soll die Ehe des Paares unter dem herrischen und rechthaberischen Benehmen des Mannes gelitten haben. Der Rentner habe nie Widerspruch gegen seine Entscheidungen geduldet. Als die Frau sich von ihm trennen und aus dem Einfamilienhaus ausziehen wollte, soll es zu dem Verbrechen gekommen sein.
Kratzspuren sprechen für langen Todeskampf
Nach der Anklage soll die 56-Jährige nach langen Gesprächen mit ihrer Tochter am Abend vor der Tat den Entschluss gefasst haben auszuziehen. Diese Entscheidung soll sie zunächst der 20-jährigen Tochter, dann ihrem Ehemann mitgeteilt haben. Obendrein soll sie Vorkehrungen getroffen haben, um den 21 Jahre alten behinderten Sohn am folgenden Morgen zunächst bei Verwandten unterzubringen.
In der Tatnacht soll der Rentner das gemeinsame Schlafzimmer betreten und begonnen haben, die Ehefrau mit den Händen zu würgen. Für den langen Todeskampf sprächen die Verletzungen des Opfers, aber auch die Kratzspuren, die der Ehemann erlitten habe.
Der Rentner hatte in der Nacht selbst die Polizei alarmiert. Zur Tatzeit soll er nach Angaben der Polizei einen Blutalkoholwert von 0,72 Promille gehabt haben.
Nach einem vorläufigen psychiatrischen Gutachten ist nicht ausgeschlossen, dass der Mann aufgrund seiner Erregung nur vermindert schuldfähig war. Der Prozess wird Ende März fortgesetzt, weitere Verhandlungstermine sind bis Ende April anberaumt.