Minden (nw). Zwei international agierenden Betrugsbanden aus Minden und Hamburg haben die Staatsanwaltschaft Bielefeld und die Polizei in Minden das Handwerk gelegt. Die Täter hatten seit Mitte 2009 über das Internet zum Schein Nutzfahrzeuge wie Radlader, Muldenkipper und Bagger zum Verkauf angeboten.
Kaufinteressenten aus dem gesamten Bundesgebiet wie auch aus dem Ausland gingen den Betrügern auf den Leim. Auf mindestens eine halbe Million Euro beläuft sich der Schaden. Zu den Opfern zählen in erster Linie Geschäftsleute die glaubten, per Internet ein Schnäppchen zu machen. Sie stammen aus Polen, Litauen, Rumänien, Bosnien, Griechenland sowie der Ukraine und der Schweiz.
Eine Ermittlungsgruppe der Mindener Kripo war seit Oktober 2009 damit beschäftigt, den Tätern auf die Spur zu kommen. Schließlich nahmen die Beamten mit Unterstützung von Spezialeinsatzkräften der Polizei NRW im Februar acht Männer im Alter von 29 bis 47 Jahren in Minden, im niedersächsischen Hehlen sowie im Raum Kassel (Hessen) fest. Fünf von ihnen sitzen in Untersuchungshaft.
Bei insgesamt 16 Wohnungsdurchsuchungen, unter anderem auch in Minden, beschlagnahmten die Beamten Computer, Laptops, Mobiltelefone, Kameras, "Geschäftsunterlagen" sowie mehrere Pistolen.
Scheinbar unschlagbar günstige Angebote
Zu den Banden gehörten auch so genannte Finanzagenten. Diese Personen waren über Mittelsmänner angeheuert worden, um mit deren Kontodaten die Geldzahlungen abzuwickeln. "Die Haupttäter boten tatsächlich existente Nutzfahrzeuge anonym über Internetcafes bei der Verkaufsplattform Mobile.de zum Kauf an", erklärt der Leiter der Ermittlungsgruppe, Kriminalhauptkommissar Thomas Unruh.
30 beschlagnahmte Handys | FOTO: POLIZEI
Dabei standen die Fahrzeuge niemals im Eigentum der Betrüger. Als Erreichbarkeit war stets eine Handy-Nummer angegeben und eine Mailadresse hinterlegt. Es folgten Verkaufsgespräche, bei Einigkeit wurden gefälschte Rechnungen per Mail oder per Fax dem potentiellen Kunden übersandt.
Die Angebote lagen fast ausnahmslos unter dem marktüblichen Preis. Die Opfer sollten das Geld schließlich auf das Konto eines der Finanzagenten überweisen. Danach folgte eine SMS mit dem angeblichen Standort des Fahrzeuges für die Abholung. Das gekaufte Nutzfahrzeug bekamen die Opfer jedoch nie. Die Betrüger hoben das Geld bei Zahlungseingang sofort in bar ab.
Handys und Autos ständig gewechselt
Die Männer traten aber auch als Vermittler direkt mit den Käufern in Kontakt. Sie verleiteten ihre Opfer bei den Besichtigungen der Nutzfahrzeuge, welche von den wahren Eigentümern tatsächlich zum Kauf angeboten wurden, geschickt zur Übergabe einer Anzahlung oder der Gesamtsumme in bar. Danach verschwanden sie.
Aus Angst vor Entdeckung bedienten sich die beiden Gruppen verschiedenster Internetcafes, auch in Bad Oeynhausen, Minden und Paderborn. Handys wurden ständig gewechselt, gleiches geschah mit den von ihnen benutzten Autos.