Minden (dpa). Hoch oben auf Dächern und Schornsteinen fühlt sich Adebar am wohlsten. Dort baut er sein riesiges, oft tonnenschweres Nest. Die Horste sucht man heute aber meist vergeblich, denn Weißstörche sind selten geworden im Land. Im Kreis Minden-Lübbecke allerdings siedeln sich die majestätischen Vögel langsam wieder an.
Nirgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen gebe es so viele Störche, sagt Lothar Meckling. 2009 hat der Geschäftsführer des Aktionskomitees "Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" 29 Paare gezählt. "Und in diesem Jahr sind schon überraschend viele Störche zurück." 15 Nester seien trotz der frostigen Witterung wieder besetzt.
Die Vögel kämen inzwischen früher als noch vor einigen Jahren aus ihrem Winterquartier zurück, erklärt Kai-Michael Thomsen, Storchenexperte vom Naturschutzbund (Nabu) Deutschland. Ursache sei das veränderte Zugverhalten. Viele Störche flögen heute nicht mehr bis nach Westafrika, sondern nur noch bis nach Spanien. "Dort finden sie reichlich Futter, zum Beispiel auf Mülldeponien oder Reisfeldern." Und weil die Tiere nicht mehr 6000, sondern nur noch 2000 Kilometer zurücklegen müssten, seien sie entsprechend früher zurück in Deutschland.
Außerdem überlebten mehr Störche die Reise in den Süden, weil ihr Weg nicht mehr so weit und beschwerlich sei. "Die Population der sogenannten Westzieher nimmt zu", sagt Thomsen. Noch aber haben die großen Vögel eher Seltenheitswert in Deutschland: 2008 gab es nach Angaben des Nabu knapp 4500 Paare gut 40 davon in Nordrhein-Westfalen. Zahlen aus dem vergangenen Jahr gibt es noch nicht. "Aber da waren es wohl ähnlich viele", meint Thomsen.
Nicht so viele Störche wie im Osten Deutschlands
Richtig wohl fühlen sich die Störche vor allem in Brandenburg (1300 Paare), Mecklenburg-Vorpommern (860 Paare) und Sachsen-Anhalt (540 Paare). "Dort gibt es viele Auen und Überschwemmungsgebiete, wo die Vögel genug Nahrung finden."
So viele Störche wie der Osten Deutschlands hat der Kreis Minden- Lübbecke zwar nicht zu bieten. Die Naturschützer sind aber trotzdem zufrieden mit der Entwicklung. Vor 20 Jahren habe es im Kreisgebiet nur noch drei Paare gegeben die letzten drei in ganz Nordrhein- Westfalen, sagt Meckling. Seither habe der Kreis viel getan, um den Storch wieder anzulocken. Rund acht Millionen Euro vor allem Mittel der NRW-Stiftung seien geflossen, um mehr als 450 Hektar Wiesenfläche anzukaufen.
Denn genau das ist es, was die Vögel brauchen viel Grünland und feuchte Flächen, wie Ernst Günter Bulk vom Nabu im Kreis erklärt. Und das Nahrungsangebot für Störche müsse noch reichhaltiger werden. Daher dürften beispielsweise die Randstreifen kleinerer Flüsse nicht mehr bewirtschaftet werden, fordert er: "Dann könnten Frösche dort ablaichen." Für Störche ein echter Festschmaus.