Bielefeld. Die kalten Tage sind endlich gezählt. Und mit dem Frühjahr kommen die guten Vorsätze: Weg mit dem Winterspeck, fit in die Zeit der Fahrradausflüge, Wanderungen, Ausflüge in die Natur. Ab heute präsentieren wir in einer Serie Möglichkeiten, die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern - und dabei Spaß zu haben. Sigrun Müller-Gerbes hat sich von Elke Zimmermann, Sportmedizinerin an der Universität Bielefeld, beraten lassen.
Frau Zimmermann, sind Sie fit für den Frühling?
ELKE ZIMMERMANN: Wir hatten ja einen wunderbaren Winter, bei dem man viel an der Luft sein konnte - aber draußen trainieren, das ging nicht. Also bin ich viel im Fitnessstudio gewesen. Und ich denke, ich bin so fit durch den Winter gekommen.
Fit sein - was heißt das eigentlich?
ZIMMERMANN: Fitness wird aus sportmedizinischer Sicht gemessen an dem Anspruch, den Menschen an sich haben. Sie bedeutet für jeden also etwas anderes, je nach körperlicher Ausgangssituation. Die einen fühlen sich fit, wenn sie wieder ohne zu schnaufen die Treppe raufkommen, die anderen erst, wenn sie den Kilimandscharo bezwingen. Persönliche Fitness ist also für jeden ein erstrebenswertes Ziel, aber für jeden ein anderes. Im Alter sind die Ansprüche vielleicht bescheidener, aufgeben muss - und soll - man sie aber nicht.
Viele gehen mit großem Elan an ihr Frühlings-Fitnessprogramm heran - und geben schon nach kurzer Zeit wieder auf. Was machen sie falsch?
ZIMMERMANN: Meistens setzen sie sich zu hohe Ziele oder messen sich an anderen statt an den eigenen Möglichkeiten. Daran kann man nur scheitern. Schließlich gibt es - außer vielleicht für Weltmeister - immer jemanden, der besser ist.
Wie sollte man am besten starten, um den Winterspeck wegzubekommen? Mit einer Diät?
ZIMMERMANN: Viele Menschen meinen, Sie müssten erst einmal fünf bis acht Kilo abnehmen, und setzen sich auf strenge Diät. Das hat vordergründig auch Erfolg, man wird schlanker, die Hosen passen besser, man ist stolz auf die eigene Disziplin. Nur: Studien belegen eindeutig, dass man dabei nicht nur Fett abbaut, sondern extrem viel Muskelmasse. Das ist später so schwer wieder aufzubauen, dass der Jojo-Effekt fast zwangsläufig ist. Im Grunde ist man nach einer solchen Diät also weniger fit als zuvor.

Info
Die Redaktion hat für Sie getestet, wie man den Winterspeck abtrainieren kann. Am Dienstag steigt Matthias Bungeroth für Sie ins Wasser: "Aqua-Fitness" ist angesagt.
ZIMMERMANN: Zunächst mal ist eine Bestandsaufnahme wichtig: Was kann ich? Wie sieht es mit der Beweglichkeit der Gelenke aus, dem Gleichgewichtssinn, der Kraft in Beinen und Armen? Das kann man alleine testen, am besten aber natürlich mit einem Trainer. Und dann müssen individuelle Ziele gesteckt werden: Was genau will ich verbessern? Und wie viel kann ich schaffen, ohne dass ich mich über meine Grenzen hinweg quäle? Wer überhaupt nicht trainiert ist, sollte sich erst mal mit Muskelaufbau beschäftigen. Muskelgruppe für Muskelgruppe, vielleicht mit den Beinen beginnend und mit der Rumpfmuskulatur. Denn wer kaum Muskeln hat, der kann beim Ausdauertraining nichts erreichen. Nicht schlecht ist dafür zum Beispiel Nordic Walking. Unbedingt aber sollte man dabei die Bewegungen kontrollieren lassen - richtige Bewegungsabläufe bringen viel größere Effekte, falsche können sogar Schäden anrichten. Ein Trainer ist dafür natürlich prima - oder eine Trainingsgruppe mit erfahreneren Sportlern, die Rat und Hilfe bieten können.
Bis zu welchem Alter sind Fitnessprogramme geeignet?
ZIMMERMANN: Für die Sportwissenschaft ist man mit 35 schon alt. Wer bis dahin nie trainiert hat, dessen Gefäße tolerieren nicht mehr jede Belastung. Die gute Nachricht aber ist: Selbst im Alter von 80 oder 90 lässt sich jedes Organ noch schulen, lässt sich die Leistungsfähigkeit wieder deutlich steigern und das Altern gewissermaßen zurückdrehen - oder zumindest bremsen. Nach dem Motto: 20 Jahre lang 40 bleiben. Für Fitnesssteigerung ist es also nie zu spät.
















