Altenbeken. "Wir spielen nicht - wir machen Betrieb", sagt Gunnar Häberer lächelnd. Für sein Hobby könne man mühelos jährlich den Wert eines Mittelklassewagens ausgeben. Zusammen mit Michael Bahls aus Blomberg organisierte der Potsdamer das erste Treffen der Z-Freunde Europa in der Eggelandhalle Altenbeken.
Spur Z, das sind die kleinsten industriell hergestellten Modellbahnen im Maßstab 1: 220, die auf einer Schienenbreite von 6,5 Millimetern fahren, erklärt Bahls. Ihm liege die Spur Z am Herzen - und Altenbeken auch. Deshalb habe er bei Bürgermeister Hans Jürgen Wessels offene Türen mit seinem Anliegen eingerannt. Auch Häberer kennt die Eisenbahn-Gemeinde in der Egge vom ersten Vivat Viadukt 2003. 2.000 bis 3.000 Besucher erwarteten die beiden zum Treffen ihrer weltweit 900 Mitglieder zählenden Internet-Plattform, die sich alle zwei Jahre sieht. Bislang in Geseke.
Nun in Altenbeken. Auch hier waren Publikum und Aussteller - 70 aktive und 30 kommerzielle - international. Sie alle verbindet die Leidenschaft für eine Art des Modellbauens, bei der man ohne Pinzette und Lupe, ohne Geduld und Kreativität sowie einen großen Schuss Improvisationskunst nicht auskommt. Nur zehn Prozent der Eisenbahn-Modellbauer sind unterwegs auf Spur Z.
Während sich Michael Bahls auf die Dampflokomotiven spezialisiert hat ("eine Nische in der Nische"), hat der Maßstab 1:220 nebenan ganz andere Ausprägungen: Denn auch das Drumherum um die Schienen muss stimmen. Friedrich Scholta vom Stammtisch Untereschbach Z-Club hat ein Fußballstadion in diesem Mini-Maßstab gebaut - zwei Jahre Arbeit und ganz genau 11.128 Figuren. Mit Flutlicht und Blitzlicht, mit Fan-Bannern und voll besetztem Parkplatz davor. "Eine Idee, die beim letzten Treffen vor zwei Jahren in Geseke entstanden ist", verrät er. Nebenan die Kollegen vom Freundeskreis aus Hamburg haben eine Eisenbahn-Kulisse inklusive Landschaft mit vielen kleinen Details gebaut.
Ralf Vermehren sagt: "Ich gönne mir das Hobby" und weist auf die einzelnen Szenerien hin: Da kann man den Blick von oben auf die Duschkabinen mit nackten Minifiguren wagen oder zusehen, wie am Bauernhof zwei Pferde in einen Transporter geladen werden. "Die Pferde gehen sogar in Stricken", erklärt Vermehren: "Das sind Haare des Erbauers." Wirklich: Man muss ganz genau hinsehen, dann erkennt man zwischen den Figuren ganz dünne Verbindungen. "Modelle der Spur Z brauchen wenig Platz. Aber der Teufel steckt im Detail - und im Preis", sagt Bahls und lächelt.
Und wenn das gute, teure Eisenbahn-Stück kaputt geht, ist der "Lok-Doc" Michael Etz zur Stelle: Mit Stirnlampe, Spritze mit dünner Nadel und vielerlei Zubehör sorgt er für neuen Dampf im Kessel der Minis. "Mir werden die guten Stücke anvertraut. Das muss schon was heißen." 27 Aufträge hatte er schon an diesem Tag. Und alles für umsonst. "Ich nehme nichts dafür", sagt er und verweist auf den "Spaß an der Technik".