Bielefeld/Leipzig (dpa). Die Finanznot der Kommunen bedroht die Existenz vieler kleiner Bibliotheken. Die Gefahr sei groß, dass gerade Stadtteilbibliotheken als "Luxusangebote" abgestempelt und auf Streichlisten gesetzt würden, sagte Harald Pilzer, Leiter der Bielefelder Stadtbibliothek, gestern in Leipzig. Bundesweite Zahlen konnte er nicht nennen. In NRW müssten in diesem Jahr im Durchschnitt 10 Prozent der Personalkosten und 15 Prozent des Geldes für Neuerwerbungen eingespart werden.
Die Finanzsituation der Bibliotheken ist eines der Themen des Leipziger Kongresses für Information und Bibliothek, der gestern begann. Rund 3.000 Fachleute wollen sich bis zum Donnerstag über "Bibliotheken im 21. Jahrhundert" austauschen.
Pilzer, Finanzexperte der Bundesvereinigung Bibliothek und Information Deutschland (BID), sorgt sich vor allem um den Fortbestand kleinerer Angebote wie Fahrbibliotheken. Würden sie erst einmal eingestellt, kämen sie so schnell nicht wieder. "In der Regel ist die Dezentralität natürlich die Stärke der Bibliotheken. Aber sie ist auch ein Kostentreiber", sagte Pilzer. Gerade für Kinder und ältere Menschen, die einen Großteil der Büchereibesucher ausmachen, seien Angebote in ihrer Nähe wichtig.
In Deutschland gibt es rund 11.000 Bibliotheken.