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16.03.2010
BIELEFELD
Aqua-Fitness: Bewegung ohne Belastung für die Gelenke
Eine spritzige Angelegenheit
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Und hoch die Nudel | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Mensch, ist das angenehm! Auf 32 Grad Celsius ist das Wasser im Schwimmbecken geheizt. Ich fühle mich fast wie in der heimischen Badewanne. Doch sofort folgt der innerliche Ordnungsruf: Entspannen ist hier nicht angesagt. Aqua-Fitness steht auf dem Programm. Von den Kursteilnehmerinnen, die bereits vollzählig erschienen sind, werde ich mit einem freundlichen "Hallo" und einem Lächeln begrüßt. Ich bin gespannt, ob ich den Anforderungen gerecht werde.

Diplomsportlehrerin Valeria Peters postiert sich am Beckenrand und lacht bei meinen ersten Gehversuchen im Becken. Mir entfährt ein leicht verlegenes "Ich habe das noch nie gemacht", und ich ernte von der Trainerin ein entspanntes "Das macht nix. Du schaffst das schon". Wirklich? 50 Minuten Ungewissheit liegen vor mir, doch die Atmosphäre ist so freundlich, dass ich keine Bedenken habe, mich auf das Unternehmen Aqua-Fitness einzulassen.

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Mit einigen Lockerungsübungen für Arme und Beine geht es los. Es wird gerudert und gestrampelt, was das Zeug hält. Das klingt einfacher, als es in der Realität ist. Das Wasser in dem Nichtschwimmerbecken ist nur 1,30 Meter tief. Bei vielen Übungen muss ich bei meiner Körpergröße von 1,88 Meter darauf achten, dass die Arme auch ganz ins Wasser getaucht sind und der Oberkörper nicht zu weit hinausragt. Denn nur so entsteht das Gefühl der Schwerelosigkeit. Alle Übungen, gleich wie anstrengend, können so ohne Belastung der Gelenke absolviert werden. "Das gesündeste Training der Welt" nennt deshalb Hans-Werner Requardt diesen Sport. Er ist Inhaber der gleichnamigen Praxis für Physiotherapie, bei der ich zu Gast bin.

Gesund fühlt es sich tatsächlich sofort an. Zur Begleitung von Diskomusik geht es schnell richtig zur Sache. Ich muss unter Wasser laufen, ohne den Beckenboden zu berühren. Mit speziellen Handschuhen gibt es Übungen, mit denen man mit den Armen gegen den Wasserwiderstand arbeitet. Doch das Schöne: Trotz aller Anstrengung und Konzentration wird das Training nicht zur Qual.
Die Damen um mich herum, die zumeist schon seit Jahren Aqua-Fitness betreiben, lachen hier und da ob meiner mitunter etwas ungelenken Bewegungsabläufe. Aber das Lachen ist nicht kritisierend, sondern eher aufmunternd gemeint, und so kämpfe ich weiter tapfer gegen das nasse Element.

Im Kreis einmal rund ums Becken

"Setzt euch jetzt mal auf die Nudel", kommt die Anweisung. Klingt drollig, aber niemand lacht. Der Griff der Kursteilnehmerinnen geht zum Beckenrand, wo die besagten "Nudeln" – biegsame Stangen aus Kunststoff – liegen, die als Sportgerät in keinem Aqua-Fitness-Kurs fehlen dürfen.Ich tue es den Damen gleich und setze mich auf die 1,60 Meter lange Poolnudel. In Kreisformation sollen wir einmal rund ums Becken paddeln, ohne mit den Füßen den Beckenboden zu berühren. Doch meine Armtechnik ist zu unkoordiniert, ich komme nicht von der Stelle. So entfährt mir ein "Meine Nudel hat keinen Rückwärtsgang" – und nun ertönt doch noch schallendes Gelächter.
Was würden Schwimmstars wie Franziska van Almsick oder Michael Phelps sagen, wenn sie mich so sehen könnten? Ich verdränge diesen unpassenden Gedanken, denn schon geht’s weiter mit der nächsten Partnerübung. Wieder auf der Nudel sitzend, soll ich die Balance mit den Armen halten, die Beine gerade ausstrecken und um die ebenfalls ausgestreckten Beine meiner Partnerin kreisen lassen, die sich mir gegenüber abmüht. Ich will nichts sagen, aber: Bis ich diese Einheit einwandfrei hinter mich bringe, werden wohl noch einige Schwimmbäder komplett geflutet werden.

So arbeite ich mich mit höchst unterschiedlichem Erfolg durch ein munteres Programm, das wirklich Spaß macht. Das Schönste: Als ich aus dem Becken steige, fühle ich mich zwar beansprucht, aber keineswegs am Boden zerstört. Mein Kreislauf ist angeregt, ich bin bester Stimmung. Ein feiner Weg, im Frühling auf Touren zu kommen – auch für Männer.

Fakten zum Trainingsprogramm

Wofür nutzt es? Aqua-Fitness ist ein hervorragendes Training für Herz und Kreislauf. Daher gilt es als Präventionsmaßnahme.
Für wen ist es geeignet? Im Grunde für jeden. Aqua-Fitness eignet sich für jedes Alter. Es gibt spezielle Angebote für Gruppen wie Schwangere oder Übergewichtige.

Wo gibt es Angebote? Aqua-Fitness kann man in den meisten Schwimmbädern und Kureinrichtungen betreiben.

Was kostet es? Die Kosten liegen etwa bei 85 bis 115 Euro für einen Kurs mit 10 Terminen. Sie sind abhängig davon, ob der Termin je 30 oder 50 Minuten dauert. Bei regelmäßiger Teilnahme erstatten die gesetzlichen Krankenkassen deshalb in der Regel auch ohne Rezept 85 Prozent der Kursgebühr. Pro Kalenderjahr wird zumeist ein Kurs mitfinanziert, manche Kassen übernehmen aber auch bis zu drei. Eine Nachfrage lohnt sich.(bth)


Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Was tun mir die Knochen weh.

Hallo Ch. Sackewitz, sicherlich gibt es preislich günstigere Alternativen zur Gewichtsreduktion oder um sich einfach nur fit zu halten. Trotzdem sollte man bedenken, das zB Rad fahren für viele nichts ist, da es sehr auf die Gelenke geht, im Wasser ist das alles einfacher.Ausserdem werden solche Kurse je nach Krankenkasse zwischen 80 und 100% der Kosten gefördert. Also ebenfalls preiswert....

Das Ganze kann man auch preiswerter haben: Weniger essen und runter vom Sofa! Und statt mit dem "SUV" zum Metzgerzu fahren, um Kalbsleber fürs Kätzchen zu holen, einfach mal das Rad(falls vorhanden) benutzen!


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