Paderborn/Rostock. Randalierende Fußball-Fans im Berliner Olympiastadion, zahlreiche Festnahmen bei der Zweitliga-Partie zwischen dem SC Paderborn und FC Hansa Rostock: Auf den ersten Blick fügen sich die Nachrichten vom letzten Wochenende zu einem großen Schreckens- und Krawallszenario zusammen.
Doch es gibt auch einen Ton, der in das Bild nicht passt. Er stammt vom stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Hansa Rostock, Torsten Völker. Der 36-Jährige arbeitet in der Marketingabteilung eines weltweit tätigen Getränkeunternehmens und müsste im Umgang mit anderen Menschen allein schon deshalb gute Manieren an den Tag legen. Am vergangenen Sonntag wurde Völker in Paderborn allerdings gemeinsam mit 35 weiteren Hansa-Fans von Polizeibeamten dreieinhalb Stunden in Gewahrsam genommen. Außerdem hat er nun eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung am Hals.
Polizeisprecher | FOTO: REINHARD ROHLF
Völker versteht die Welt nicht mehr. Um vier Uhr früh sei er am Sonntag zusammen mit etwa 50 Hansa-Fans in Rostock losgefahren. "Das Durchschnittsalter in unserem Bus lag bei 35 Jahren, jeder kannte jeden beim Namen", sagt Völker. Gegen 11 Uhr sei der Bus in Paderborn angekommen. Man habe in der Innenstadt nach einer Kneipe Ausschau gehalten, um in aller Ruhe noch ein Bier zu trinken. Als Zeichen dafür, dass man in friedlicher Absicht komme, habe er schon auf dem Weg in die Gaststätte seine Visitenkarte einem Polizisten gezeigt, sagt Völker.
"Wir fühlen uns völlig ungerecht behandelt"
In der Kneipe habe man sich dann "über Gott und die Welt unterhalten". Es seien "drei Gläser zu Boden gefallen" und "eine Zierleiste am Tresen abgebrochen". Ein "kleiner Versicherungsschaden" - mehr sei wirklich nicht passiert, beteuert Völker. Plötzlich habe die Polizei mitgeteilt, dass für die Fan-Gruppe nun ein Shuttle-Bus für die Fahrt zum Stadion zur Verfügung stehe. "Wir haben anständig unsere Deckel bezahlt und sind in den Bus
eingestiegen". Doch anstatt zum Paderborner Stadion fuhr dieser umgehend zum Polizeirevier. Dort seien die Beamten in den Bus gestürmt, hätten massiv Pfefferspray eingesetzt, die 35 Fans überwältigt und in Zellen gebracht. "Wir fühlen uns völlig ungerecht behandelt", sagt Völker. Es ist nicht das erste Mal, dass Fußball-Fans der Paderborner Polizei mangelndes Fingerspitzengefühl vorwerfen. Auch Anhänger von Union Berlin hatten dies unlängst getan.
Polizeisprecher Michael Biermann macht eine andere Rechnung auf. In der besagten Kneipe sei es am Sonntag zu einer Sachbeschädigung sowie zu Pöbeleien gegenüber anderen Gästen gekommen. Der Aufforderung des Wirtes, das Lokal zu verlassen, hätten die Hansa-Fans ignoriert. Insgesamt seien elf Strafverfahren eingeleitet worden. Die Ingewahrsamnahmen seien alle mit richterlichem Beschluss erfolgt, betont Biermann. Auch gegen das Hansa-Aufsichtsratsmitglied Völker werde ermittelt. "Reiß dich zusammen, du Vogel!" - mit diesen Worten soll Völker einen Beamten angeschrien haben.