Paderborn (lnw). Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat in der Debatte über Kindesmissbrauch vor einer weltfremden Überhöhung der Kirche gewarnt. "Der Priester ist kein unangefochtener "heiliger" Außenseiter, kein "Außerirdischer", sondern ein Mensch wie wir alle", sagte Becker einer Mitteilung des Bistums vom Mittwoch zufolge.
Bei aller verständlichen Kritik an den Missständen in der Kirche dürfe man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jesus Christus keine "perfekte und gleichsam göttliche Kirche" gewollt habe. Ziel sei vielmehr eine menschliche Kirche, zu der auch Schwächen, Grenzen und Schuld gehörten, so bitter dies mitunter auch sei.
Der Erzbischof hatte am Dienstagabend in der Pfarrkirche St.
Agatha in Altenhundem gepredigt und von menschlichen Priestern gesprochen. Auch der Priester "muss sich, wie jeder Mensch, den Wachstums- und Reifungsprozessen des Lebens stellen".
Den Widerspruch zwischen den hohen Idealen und der nüchternen Realität gelte es auszuhalten, forderte Becker. In diesen Zusammenhang seien auch die aktuellen "schmerzlichen Entwicklungen" einzuordnen: "Die Missbrauchsdiskussion der letzten Woche hat uns neu die Augen dafür geöffnet, dass wir uns auch den dunklen und schmerzhaften Seiten der Kirche nicht verschließen können und auch nicht dürfen. Nur die Wahrheit macht uns frei!"