Bad Driburg. Der Bann des Erzbischofs traf den 41-jährigen Pastor aus Bad Driburg sofort. Nachdem Michael A. Montag in einem Gespräch eingeräumt hatte, dass er homosexuelle Sexpartys in einem Dortmunder Club organisiert hatte, wurde er mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Paderborn ist eingeschaltet.
Schon Ende Februar hatte das Erzbistum Paderborn anonyme Hinweise auf die privaten Aktivitäten des Geistlichen gegeben, wie Ägidius Engel, Sprecher des Erzbistums Paderborn, auf Anfrage der Neuen Westfälischen bestätigte. A. soll auch eine homosexuelle Homepage im Internet betrieben und zu Workshops eingeladen haben, bei denen den Teilnehmern "der richtige Umgang mit dem Rohrstock" beigebracht worden sein soll.
Der Pastor habe jedoch die Vorwürfe bis zum Montag bestritten, erklärte Engel. Dies habe er erst jetzt eingeräumt. Am 4. März habe der Generalvikar die Staatsanwaltschaft Paderborn eingeschaltet. Deren Sprecher, Oberstaatsanwalt Horst Rürup, bestätigte dies. Er fügte hinzu: "Die Frage, ob da strafbares Verhalten vorliegt, können wir noch nicht beurteilen." Die Hinweise seien diesbezüglich "äußerst vage". Der Hinweisgeber werde auswärtig zeugenschaftlich vernommen. Er erwarte in drei bis vier Wochen eine schriftliche Stellungnahme in dieser Sache.
Michael A. ist ausgebildeter Diplomtheologe und Sozialpädagoge. Er studierte Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn und an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Aber auch kaufmännisch bildete er sich aus, er absolvierte ein kaufmännisches Training "Bildungsmanagement" an der Grundig Akademie Nürnberg und ein betriebswirtschaftliches Seminar bei den Beruflichen Fortbildungszentren (BFZ) der Bayerischen Wirtschaft in München. Er war Heimleiter in zwei Seniorenwohnsitzen im Raum München und Geschäftsführer im Verein für soziale Aufgaben in München. Der in Iserlohn aufgewachsene Theologe war Pastor des Pastoralverbundes Bad Driburg und hier schwerpunktmäßig für die Gemeinde St. Urbanus im Bad Driburger Stadtteil Herste zuständig. Er selbst war Montag nicht erreichbar.
Seelsorger in Altenheimen und Krankenhäusern
Aufgrund struktureller Veränderungen mit einer Verringerung der Priesterstellen hatte Pastor Rath, Leiter des Pastoralverbundes Bad Driburg und stellvertretender Dechant des Kreises Höxter, zu Beginn des Jahres die Versetzung von Michael A. zum Juni 2010 nach Hagen angeordnet. Erzbischof Becker hatte A. unter anderen Aufgaben die kommissarische Leitung des Pastoralverbundes Hagen-West schon ab Mai 2010 angedacht. Schwerpunkt seiner Arbeit lag stark auf seelsorgerischer Tätigkeit in Altenheimen und Krankenhäusern. Innerhalb des Pastoralverbundes Bad Driburg nahm A. neben der Krankenhausseelsorge im St. Josefs-Hospital Bad Driburg auch allgemeine Aufgaben wahr.
Doch nach der Amtsenthebung ist eine Rückkehr des Pastors in eine Gemeinde nun nicht mehr möglich, wie Ägidius Engel betont. Aus dem Umfeld der Gemeinde wurde bekannt, dass die homosexuellen Neigungen des Theologen grundsätzlich bekannt waren. Mit dem Ausleben seiner Sexualität verstößt der Geistliche allerdings gegen seine Standespflichten, die ihm sexuelle Enthaltsamkeit auferlegen. Verstoße er gegen diese, habe er hierfür Rechenschaft abzulegen, wie Engel sagte.
Mit Sicherheit trifft der Fall, unabhängig von seiner strafrechtlichen Relevanz, das Erzbistum Paderborn vor dem Hintergrund jüngster Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche zu einem höchst sensiblen Zeitpunkt.