Herford. Die W.Westerwelle GmbH+Co KG in Elverdissen hat nach Angaben der Betroffenen und der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt am frühen Freitagnachmittag überraschend und ohne Begründung drei Arbeiter entlassen, die sich für die Wahl eines Betriebsrates und die Einführung von Tariflöhnen eingesetzt haben. Am späten Nachmittag wurden außerdem zwei angestellten Frauen gekündigt. Um 17.10 Uhr traf es den technischen Leiter. Die Geschäftsführung nahm auf Anfrage keine Stellung zu der Auseinandersetzung.
Die Entlassung erfolgte offenbar fristgemäß, aber mit sofortiger Freistellung von der Arbeit. Urlaubsansprüche und Arbeitszeitkonten sollten damit allerdings abgegolten sein.
Betroffen waren zunächst der 37-jährige Betriebsleiter des Betonwerkes, Mischa Amonath, der seit 14 Monaten bei Westerwelle arbeitet, der 52-jährige Führer der Mischanlage, Jürgen Stümer, der seit acht Jahren im Betrieb ist und der 27-jährige Staplerfahrer Alexander Kirjanow, der sieben Jahre im Betonwerk arbeitet.
Polizei rückte wegen angeblicher Randalierer an
"Sie haben sich vor Ostern bei uns gemeldet, weil die Arbeiter sich mit den gezahlten Löhnen nicht mehr abfinden wollten", schildert Gewerkschaftssekretär Bodo Matthey. Der Arbeitslohn für ungelernte und selbst einige gelernte Arbeiter soll rund acht Euro pro Stunde betragen. Tarif wären nach Angaben Mattheys 13 bis 14 Euro. "Der Lohn ist sittenwidrig", sagt Matthey. "Die Entlassungen sollen Angst bei den 45 Beschäftigten erzeugen."
Bodo Matthey ist gestern sofort nach Elverdissen geeilt, um zunächst die drei zuerst Entlassenen vor dem Werkstor zu beraten. Eine Polizeistreife erschien gegen 15 Uhr bei den vier Männern, da ein Anrufer gemeldet haben soll, es werde randaliert. Die Beamten überzeugten sich vom Gegenteil.
Die Gewerkschaft hatte das Unternehmen am 31. März schriftlich aufgefordert, mit Frist von acht Tagen Verhandlungen über den Abschluss eines Haustarifvertrages aufzunehmen. Im Arbeitgeberverband ist die Firma nach Angaben Mattheys nicht. Eine Antwort sei ausgeblieben. Am 7. April hat die IG Bau das Unternehmen von der Einleitung einer Betriebsratswahl in Kenntnis gesetzt und auf die gesetzlich geforderte "vertrauensvolle Zusammenarbeit" hingewiesen. Wieder habe es keine Antwort gegeben.
"Wir wollen weiterarbeiten zu fairen Bedingungen," sagt Maurer- und Betonbaumeister Mischa Amonath. Für ihn war, wie auch für manchen Kollegen, nach Arbeitslosigkeit die Stelle bei Westerwelle eine Chance. Doch das Klima zwischen Geschäftsführung und Arbeitern sei schlimmer, als er schon vorher gehört habe.
Nach Angaben Mattheys hat das Unternehmen so viel Arbeit, dass sogar samstags gearbeitet wird: "Der Laden brummt.""So eine Art und Weise, mit Arbeitnehmern umzugehen, habe ich im Kreis Herford noch nicht erlebt", sagt Matthey. "Montag sollen die Kollegen ihre Arbeitskraft wieder anbieten. Wenn die nicht angenommen wird, werden wir eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht beantragen."