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10.04.2010
HERFORD
Streit um Arbeitslohn eskaliert
Betonwerk Westerwelle entlässt Initiatoren von Betriebsratswahlen
VON FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Vor dem Werkstor | FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Die W.Westerwelle GmbH+Co KG in Elverdissen hat nach Angaben der Betroffenen und der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt am frühen Freitagnachmittag überraschend und ohne Begründung drei Arbeiter entlassen, die sich für die Wahl eines Betriebsrates und die Einführung von Tariflöhnen eingesetzt haben. Am späten Nachmittag wurden außerdem zwei angestellten Frauen gekündigt. Um 17.10 Uhr traf es den technischen Leiter. Die Geschäftsführung nahm auf Anfrage keine Stellung zu der Auseinandersetzung.

Die Entlassung erfolgte offenbar fristgemäß, aber mit sofortiger Freistellung von der Arbeit. Urlaubsansprüche und Arbeitszeitkonten sollten damit allerdings abgegolten sein.

Betroffen waren zunächst der 37-jährige Betriebsleiter des Betonwerkes, Mischa Amonath, der seit 14 Monaten bei Westerwelle arbeitet, der 52-jährige Führer der Mischanlage, Jürgen Stümer, der seit acht Jahren im Betrieb ist und der 27-jährige Staplerfahrer Alexander Kirjanow, der sieben Jahre im Betonwerk arbeitet.

Polizei rückte wegen angeblicher Randalierer an

"Sie haben sich vor Ostern bei uns gemeldet, weil die Arbeiter sich mit den gezahlten Löhnen nicht mehr abfinden wollten", schildert Gewerkschaftssekretär Bodo Matthey. Der Arbeitslohn für ungelernte und selbst einige gelernte Arbeiter soll rund acht Euro pro Stunde betragen. Tarif wären nach Angaben Mattheys 13 bis 14 Euro. "Der Lohn ist sittenwidrig", sagt Matthey. "Die Entlassungen sollen Angst bei den 45 Beschäftigten erzeugen."

Bodo Matthey ist gestern sofort nach Elverdissen geeilt, um zunächst die drei zuerst Entlassenen vor dem Werkstor zu beraten. Eine Polizeistreife erschien gegen 15 Uhr bei den vier Männern, da ein Anrufer gemeldet haben soll, es werde randaliert. Die Beamten überzeugten sich vom Gegenteil.

Die Gewerkschaft hatte das Unternehmen am 31. März schriftlich aufgefordert, mit Frist von acht Tagen Verhandlungen über den Abschluss eines Haustarifvertrages aufzunehmen. Im Arbeitgeberverband ist die Firma nach Angaben Mattheys nicht. Eine Antwort sei ausgeblieben. Am 7. April hat die IG Bau das Unternehmen von der Einleitung einer Betriebsratswahl in Kenntnis gesetzt und auf die gesetzlich geforderte "vertrauensvolle Zusammenarbeit" hingewiesen. Wieder habe es keine Antwort gegeben.

"Wir wollen weiterarbeiten zu fairen Bedingungen," sagt Maurer- und Betonbaumeister Mischa Amonath. Für ihn war, wie auch für manchen Kollegen, nach Arbeitslosigkeit die Stelle bei Westerwelle eine Chance. Doch das Klima zwischen Geschäftsführung und Arbeitern sei schlimmer, als er schon vorher gehört habe.

Nach Angaben Mattheys hat das Unternehmen so viel Arbeit, dass sogar samstags gearbeitet wird: "Der Laden brummt.""So eine Art und Weise, mit Arbeitnehmern umzugehen, habe ich im Kreis Herford noch nicht erlebt", sagt Matthey. "Montag sollen die Kollegen ihre Arbeitskraft wieder anbieten. Wenn die nicht angenommen wird, werden wir eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht beantragen."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Der "saubere" Umgang der Herren Westerwelle mit ihren Angestellten ist das Eine. Frage mal jemand Lieferanten wie Stahlhändler, Speditionen etc. wie es um die Zahlungsmoral der Firma bestellt ist? Da ist der Begriff "Gutsherrenart" noch geschmeichelt.

Ja Himmel Arm und Wolkenbruch. Lohndumping in der Öffentlichkeit diskutiert. Und warum zum Henker sieht man nirgends auf den Fotos mal die Damen und Herren Zollfahnder und Steuerfahnder in Aktion wie sie die Geschäftsunterlagen sicherstellen und zur Prüfung abtransportieren?

Ein Armutszeugnis für den Chef. Betriebsrat = Mitbestimmung. Firmen die gegen gerechte Löhne sind sollten von Regierungswegen geschlossen werden um die weitere Ausbeutung der Arbeiter die keine oder kaum Lobby haben zu verhindern. Ich als Arbeitgeber kann nur sagen mit gerechten Löhnen kann man mehr erreichen als mit Lohndumping und wer möchte schon für einen Hungerlohn wie ihn die Fa. Westerwelle in Herford zahlt morgens aufstehen? Hut ab für die Arbeitnehmer die Hr. Kai Uwe Westerwelle die Stirn bieten. Ich hoffe das die Mitarbeiter dieser Firma weitermachen bis Hr. Westerwelle einlenkt und Löhne zahlt die GERECHT sind. Außerdem sollte die Zeitarbeit in Herford umdenken und ihre "Leiharbeiter" umgehend aus dieser Firma abziehen. Die Politik ist gefragt und sollte sich endlich darauf besinnen DEMOKRATISCH zu denken und Fimen wie "Zeitarbeit Herford oder Westerwelle" alle staatlichen Subvensionen streichen ansonsten wird die Talfahrt unserer Wirtschaft weiter anhalten.

Wer hat denn den Billiglohn in Deutschland überhaupt erst gesellschaftsfähig gemacht ? Jetzt vor der Wahl ist doch genau der richtige Zeitpunkt über die unsoziale Politik abzustimmen . Die Einführung der Mini-Jobs und des Niedriglohnes haben doch zu einer Wettbewerbsverzerrung geführt, die kein anständiger Unternehmer überleben kann.Dazu kommt noch, dass diese Biliglohnfirmen aus staatlichen Einrichtungen Aufträge bekommen und die Arbeitnehmerausbeutung aus Steuermittel finanziert wird. Die Politik hat kein Interesse daran diesen Zustand anzugehen. Wozu soll man da noch wählen gehen ? Versprechungen sind doch schon am Wahlabend vergessen.

@JN ein Arbeitgeber kündigt Mitarbeitern weil sie gegen den niedriegen Lohn protestieren und sich für Betriebsratswahlen einsetzen. Das ist sehr böse! Einen Betriebsrat wählen ist deren RECHT. Da braucht man über die Löhne erst garnicht reden. Hierrüber solltest du mal nachdenken!



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