Warburg. Die syrisch-orthodoxe Gemeinde ist geschockt: Erzbischof Mor Julius Hanna Aydin (63) ist in der Nacht zum Donnerstag überfallen, gefesselt und brutal geschlagen worden. Mit erheblichen Kopfverletzungen kam der hohe geistliche Würdenträger ins Warburger Krankenhaus.
Unbekannte waren gegen fünf Uhr morgens in das Kloster St. Jakob von Sarug, dem Wohnsitz des ranghöchsten Vertreters der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, eingedrungen und hatten den Erzbischof mit einem Messer bedroht. Die drei Männer forderten Bargeld, das ihnen der Geistliche nach ersten Angaben der Polizei auch ausgehändigt haben soll. Gegen sieben Uhr hatte ein Bewohner des Kloster aus der ersten Etage, in der die Wohnung des promovierten Theologen liegt, Klopfgeräusche gehört und die Polizei alarmiert. Zusammen mit den Beamten öffneten er den Raum und fand das hilflose Opfer im Schlafanzug, gefesselt an Händen und Füßen, über dem Mund ein Klebeband. "Er wurde massiv geschlagen", so Polizeipressesprecher Peter Schneider. Den Wohnraum fanden die Beamten zerwühlt vor.
Ein Rettungswagen brachte Erzbischof Mor Julius ins Warburger Krankenhaus, wo er stationär behandelt wird. Dem Vernehmen nach wurde bei dem Geistlichen beim Röntgen ein Riss der Schädeldecke festgestellt, der von einem Schlag mit einem harten Gegenstand herrühren könnte. Lebensgefahr besteht nach dem bisherigen Kenntnisstand der Polizei nicht.
Unverschlossene Hintertür
"Der Bischof ist derzeit nicht vernehmungsfähig", sagt Pressesprecher Schneider. Die Polizei ist auf Spurensuche, sichert den Tatort, ermittelt. An den Außentüren des Klosters fanden die Experten keinerlei Aufbruchsspuren. Die Kripo fragt sich, wie die drei Männer unbemerkt ins Kloster gelangten. "Die Täter haben wahrscheinlich eine unverschlossene Hintertür genutzt", vermutet Schneider.
Zwischen dem Bischof und den Beamten fielen bisher nur wenige Worte. Danach klopften die Täter an die verschlossene Tür seiner Privaträume in der ersten Etage. "Der Erzbischof öffnete, da er davon ausging, dass es sich um Bewohner des Klosters handelte", berichtet Schneider. Er sei sofort bedroht und geschlagen worden. Einer der Täter hielt den Bischof im Badezimmer nebenan fest. Die anderen beiden Männer, die untereinander aramäisch sprachen, hätten währenddessen das Zimmer durchsucht. Ihre Beute: neben dem Bargeld aus einer Tasche auch ein Laptop und ein Handy. Über die Höhe der erpressten Bargeldsumme schwieg sich die Polizei gestern aus.
Gegen 6.45 Uhr beobachtete eine Passantin, wie drei Männer die Klostertreppen hinunter zu einem abgestellten Mercedes mit Wiesbadener Kennzeichen (WI) gingen. "Es handelte sich um eine dunkelblaue viertürige Limousine, vermutlich älteren Baujahres", so Schneider. Nach der Beschreibung der Zeugin habe der Mercedes eine eckige Form mit mattem Lack gehabt. Die drei etwa 17 bis 21 Jahre alten Männer normaler Figur sollen nach Angaben der Polizei etwa 1,75 Meter groß sein. Der Fahrer habe helle, kurze Haare und eine dunkle Jacke getragen, der Beifahrer hatte die Kapuze eines Shirts über den Kopf gezogen und sei mit einer grünen Jacke bekleidet gewesen. "Der Dritte war dunkel gekleidet", so Schneider.
In den vergangenen Wochen war die syrisch-orthodoxe Kirche wegen einer drohenden Insolvenz in die Schlagzeilen geraten. Innerhalb der 60 syrisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland tun sich tiefe Gräben auf. Bis hinauf in die Bistumsleitung, zwischen den Laien im Diözesanrat und den Priestern in der Leitung. Seit November lässt der Diözesanrat seine Arbeit ruhen, seit Beginn des Jahres auch der Erzbischof.