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18.04.2010
PADERBORN
Paderborner St.-Vincenz-Krankenhaus verbietet Muslima-Kopfbedeckung
Wegen Kopftuchs entlassen
VON JUTTA STEINMETZ

Nicht ohne Kopftuch | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Sara T. (Name geändert) ist eine aparte junge Frau. Sie unterscheidet sich von anderen Frauen in Paderborn äußerlich eigentlich nur darin, dass sie ein Kopftuch trägt. Aus Gottesfurcht, wie sie sagt. "Außerdem fühle ich mich total wohl damit." Im Paderborner St.-Vincenz-Krankenhaus sorgte Sara T., die auf das Tragen ihrer Kopfbedeckung besteht, für Unwohlsein. Und das war so groß, dass sie als Praktikantin in der Klinikapotheke gehen musste.

Die 24-jährige gebürtige Afghanin, die seit 1994 in Deutschland lebt, will pharmazeutisch-technische Assistentin werden. Mit dem dreimonatigen Praktikum in der Krankenhausapotheke wollte sie sich auf die im August anstehende Prüfung vorbereiten. Prächtig sei das Vorstellungsgespräch gelaufen, sagt Sara T. Ihr Kopftuch sei da kein Thema gewesen und auch nicht während ihrer ersten vier Arbeitswochen.

Doch dann habe sie erstmals in der Apotheke die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Schwester Katharina Mock, getroffen, die "geschockt" reagiert und sie mit einem in der Klinik für Mitarbeiterinnen geltenden Kopftuchverbot konfrontiert habe.

Nach einer Woche und vielen Gesprächen musste Sara T. gehen. Entgegen der Anweisung aus der Chefetage hatte sie ihr Kopftuch zusammen mit ihrem Arbeitskittel nicht nur in der Abgeschiedenheit der Labors, sondern auch in der öffentlich zugänglichen Cafeteria der Klinik getragen.

"Mit Politik habe ich nichts am Hut"

Sara T., die sich anfangs sogar ihre berufliche Zukunft in der Krankenhausapotheke vorgestellt hatte, ist enttäuscht. "Wir leben doch in Deutschland, wo jeder leben darf, wie er möchte", sagt sie. "Weil hier Freiheit herrscht, haben meine Eltern mich und meine Geschwister hierhergebracht." Für das Kopftuch habe sie sich vor zwei Jahren bewusst entschieden. "Der Islam ist das Richtige für mich." Und so ist das Kopftuch für sie ein religiöses, kein politisches Symbol. "Mit Politik habe ich nichts am Hut."

Im St.-Vincenz-Krankenhaus beurteilt man den Sachverhalt anders. "Es ist intern dumm gelaufen", konstatiert Schwester Katharina Mock. Denn ganz im Gegensatz zu den üblichen Gepflogenheiten sei Sara T. vor ihrer Einstellung nicht auf einen grundlegenden Gesellschafterbeschluss hingewiesen worden. Dieser lege fest, dass das Kopftuch der Muslimas nicht zur Dienstkleidung in den Ordenseinrichtungen gehört.

Aus gutem Grund, sagt Schwester Katharina. "Wir sind ein Tendenzbetrieb, ein katholisches Krankenhaus, und vertreten so ein christliches Menschenbild", erklärt sie und führt aus: "Jeder Mensch hat seine von Gott gegebene Würde in seiner eigenen Person. Und da ist das Kopftuch ein Problem." Schließlich sei die Kopfbedeckung der Muslimas ein Symbol der Unterdrückung der Frau. Und genau diese Vorstellung will sie keinesfalls in den Einrichtungen des Ordens repräsentiert sehen. Die Kopfbedeckung der Vincentinerinnen hingegen gehöre zu ihrer Ordenstracht "und ist damit ein Zeichen für den gewählten Weg in der Nachfolge Christi".

"Keine Probleme mit Muslimas"

"Wir haben nur unsere Arbeitgeberrechte wahrgenommen", sagt die Ordensfrau. Und dazu gehöre eben auch zu bestimmen, was zur Dienstkleidung gehört und was nicht. "Das möchte ich festhalten: Wir beschäftigen Muslimas in unserem Krankenhaus", sagt Schwester Katharina. Zwischen 12 und 18 Frauen, die islamischen Glaubens sind, seien zurzeit allein im Pflegebereich beschäftigt. Aber eben ohne Kopftuch.

"Ich habe keine Probleme mit Muslimas", betont sie und will keinesfalls einen Dialog zwischen den Religionen ablehnen. Aber die Unterschiede, die will Schwester Katharina doch erkannt und akzeptiert wissen.

Anwalt sieht Diskriminierung

Rechtsanwalt Wolfgang Weigel, der die Interessen von Sara T. vertritt, fordert jetzt von der Leitung des St.-Vincenz-Krankenhauses eine rechtsverbindliche Freistellung und eine Bescheinigung über die geleistete vierwöchige Praktikantenzeit. "Ich bin gespannt, was darin zu lesen sein wird", sagt Weigel. Denn seiner Ansicht nach ist der Umgang mit der Muslima nicht in Einklang zu bringen mit den in Deutschland gültigen Antidiskriminierungsvorschriften, die eine Gleichbehandlung aller Menschen gewährleisten sollen. Außerdem sei zwischen Sara T. und dem Krankenhaus ein gültiger Vertrag geschlossen worden. "Pacta sunt servanda", sagt Weigel, "Verträge sind einzuhalten."JS


Kommentare
@Muslima. Ich verstehe Ihre Frage (Zitat: Welche "Rechte anderer verletzt" sie, wenn sie Kopftuch trägt?) nicht. Habe ich davon gesprochen, dass durch das Tragen eines Kopftuchs Rechte verletzt werden? Ich erwähne ein Kopftuch noch nicht einmal. Ich nehme Stellung zu einer bestimmten Aussage der Muslima: "Wir leben doch in Deutschland, wo jeder leben darf, wie er möchte". Diese Aussage ist schlicht falsch. Nicht mehr und nicht weniger habe ich in meinem Beitrag gesagt. Jeder darf das tun darf was im Rahmen geltender Gesetze (insbesondere dem Grundgesetz) und geltender Vorschriften *erlaubt* ist. Wenn Sie dies auf das Kopftuch beziehen wollen, können Sie das gerne tun. Ich habe es nicht getan.

Hallo Muslima, danke für Ihren Beitrag. Sie schreiben an mich gerichtet: "@Ingo: Meine Arabisch-Lehrerin in Kairo (...) hat immer einen Kreuz-Anhänger in der Sprachschule (...) getragen. Was ist dabei?" Was sollte dabei sein? habe ich in einem meiner Beiträge gesagt, dass etwas - aus religiösen Gründen - dabei ist? Nein. Es ist mir absolut egal, ob Sie aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen oder nicht. Es gibt aber Situationen, in denen Sie kein Kopftuch tragen dürfen, weil es der z.B. der Arbeitgeber vorschreibt, da es der Dienstkleidung nicht entspricht (was mit dem Beispiel "Banker" geschildert wurde). In einem produzierenden Betrieb regt sich auch niemand darüber auf, dass der Maschinenbediener kein Kopftuch, keine Kette, keinen Schal etc. tragen darf, da diese "Gegenstände" u.U. in die Maschine geraten können. Lassen wir die Religion doch endlich mal außen vor. Die Muslima darf in dem Krankenhaus kein Kopftuch tragen, da es nicht der Dienstkleiderordnung entspricht. Punkt. Ich möchte aber auch noch Stellung zu einer anderen Aussage von Ihnen nehmen. Sie schreiben: "Christen haben in den meisten islamischen Ländern sogar Kirchen". Ja, das ist in der Tat so. Moslems haben in den meisten christlichen Ländern sogar auch Moscheen. Moscheen gibt es in der Region OWL z.B. auch mehr als eine. Weiter schreiben Sie: "ich habe nie einen Protest von einem Muslim dagegen gehört, wenn ein Christ einen Kreuzanhänger trägt.". Dazu möchte ich nur kurz den Artikel "Das schwere Los der Christen im Islam", Die Welt, Dezember 2009, nennen. Da Sie auch explizit schreiben, Sie hätten noch nichts "von einem Protest eines Muslims gehört, wenn ein Christ einen Kreuzanhänger trägt", möchte ich kurz noch auf einige Ereignisse der jüngeren Vergangenheit in der Türkei hinweisen, nur damit Sie davon auch mal etwas gehört haben: Im türkischen Malatya haben am 18. April Extremisten einen 46-jährigen Deutschen und zwei zum Christentum übergetretene Türken getötet. Grund laut Gerichtsverhandlung (in der Türkei!): Die zwischen 19 und 20 Jahre alten Verdächtigen haben angegeben, sie hätten den "Feinden" (die ermordeten Mitarbeiter haben christliche Literatur und Kreuze verkauft) des Islams eine Lehre erteilen wollen. Ich will damit nicht pauschalisieren, aber Ihre Aussage relativieren, Sie hätten noch nie etwas von Problemen mit christlichen Symbolen in islamischen Ländern gehört. Und noch mal klar gestellt: *mir persönlich* ist es völlig egal, ob Sie oder jemand anderes ein Kopftuch trägt. Nur müssen Sie - wie auch ich - anderen auch das Recht zugestehen anderer Meinung zu sein.

@peter & "burgerfreund": So Integration heißt, dass man die Religion ablegen muss? Mal was vom Artikel 4 der Grundrechte im deutschen Grundgesetz gehört? Ich denke, diese Rechte sollen gewahrt werden! @"burgerfreund": Wessen Freiheit wird eingeschränkt, wenn eine Frau Kopftuch trägt? "anonym" kann ich nur zustimmen. "Atheist" und "oli" haben die Widersprüchlichkeit der Aussagen von Frau Mock gut erkannt. @"beobachter": Was passieren würde, wenn ich in einer muslimischen Einrichtung als Praktikant ein Kreuz oder Symbole des Judentums tragen würde? Ich kann Ihnen sagen was passieren würde, nämlich gar nichts! Warum sollte jemand das verhindern? Ich habe es nicht so genau observiert, ob jemand das tut, aber es würde mich nicht wundern, ob es bereits vorkommt. Warum auch nicht? @"Johannes", "Herbert" und alle anderen Hasser: diese Geschichte könnte genauso um eine deutsche Muslima handeln. Sollen denn alle deutsche Muslimas auswandern? @"otto": In Deutschland sollten die deutsche Grundrechte gelten und dass die Kopfbedeckung ein göttliches Befehl ist, erkennt ja Frau Mock, wenn es um die Vincentinerinnen geht. Anscheinend hat sie aber kein Wissen darüber, dass die muslimische Frau ihr Kopf aus genau demselben Grund bedeckt und will es auch nicht wissen (ansonsten hätte sie wohl der Praktikantin zugehört). @"Tom Langer": erst mal: Danke, dass Sie sich für unsere Religion interessieren und nicht nur nachlesen, sondern auch uns fragen. Ich beantworte Ihre Frage gerne. Khumur (oder hmar, wie Sie es schreiben) heißt aber Kopfbedeckung. In Hans Wehrs Wörterbuch steht sogar dafür: "Kopf- und Gesichtsschleier der Frau". Hans Wehr ist allerdings kein Qur’ankommentator und in einem Hadith in der Hadithsammlung Sunan Abu Dawud steht: "Asma bint Abi Bakr kam zu Allahs Gesandten (Allahs Segen und Friede auf ihm), als sie durchsichtige Kleider trug. Da wandte sich Allahs Gesandter (Allahs Segen und Friede auf ihm) von ihr ab und sagte: "Asma, wenn eine Frau die Pubertät erreicht, schickt es sich nicht, dass irgendetwas von ihr zu sehen ist, außer diesem und diesem"; und er zeigte auf sein Gesicht und seine Hände." Ob es sich bei 33:52 um die Schönheit des Gesichts, der Augen, oder die innere Schönheit handelt, weiß ich nicht. @Chris: Und was normal ist, oder nicht, entscheiden Sie? @AgenK: Erstens ist es gut möglich, dass jemand am Tag der offenen Moschee eine Moschee mit einem Kreuz-Anhänger oder ähnliches betreten hat. Ich denke nicht, dass das irgendjemandem etwas ausmachen würde. Zweitens hat sie sich nicht in einer katholischen Kirche, sondern in einer Apotheke beworben. @Guy Inkognito: Was sagt Ihnen, dass das Kopftuch nicht genauso sauber ist, als alles andere in der Krankenhausapotheke? "Brian Griffin" hat schon gut darauf geantwortet. "..." kann ich nur zustimmen. @"Hatem" & "besserwisser": Wo habt ihr diese Idee her? Wenn Islam die Unterdruckung der Frau wäre, dann wäre nicht ich und auch nicht alle Tausende von Frauen aus der ganzen Welt aus freien Willen zum Islam übergetreten. @"besserwisser": Es nur privat zu tragen macht ungefähr so viel Sinn, als würdest du nur privat Klamotten tragen dürfen. @"Bernd Rossa": Ja, genau, und in Deutschland sollen dir Grundrechte im deutschen Grundgesetz gelten. Oder? @"Cees van der Dui": Wer behandelt hier Muslim und Nichtmuslim ungleich? Ich denke das Krankenhaus. Das Kopftuch steht keineswegs für "Verheiratung elfjähriger Mädchen". Und wenn der Mann eine Hose trägt und die Frau einen Minirock, dann ist es weil die nicht "ungleich zu behandeln" sind? Dass jemand ein religiöses Gebot folgt, heißt nicht, dass man jeden verurteilt, der oder die es nicht macht. Was verstört und ärgert Sie denn so sehr daran, wenn jemand die Gebote Gottes befolgt, genauso wie sie in der Bibel beschrieben werden und die Nonnen daher auch tun? @"Martin K": Jeder folgt seiner Überzeugung und wenn jemand davon überzeugt ist, dass das Kopftuch nicht nur ein Tuch, sondern ein göttliches Gebot ist, dann legt man es auch nicht wegen einem Job ab. Das hätten die Nonnen bestimmt auch nicht gemacht, wenn sie in der gleichen Situation wären. Und was am Anfang des Kommentars nur "ein Tuch" ist, wird im nächsten Satz als "Mittel der Abgrenzung" und etwas, was gegen die Integration ist, beschrieben? Jeder zieht sich hier so an, wie er möchte, hat irgendjemand hier je Artikeln gelesen, wo es Probleme wegen andere Arten von Kleidung gab? Warum dann so viel Stress, wenn jemand aus religiösen Gründen Kopftuch tragen will? @"Toleranz": Hat sie irgendwas gegen die Kleidung von irgendjemandem gesagt? Wären Sie genauso "tolerant", wenn jemand von Ihnen verlangen würden, dass Sie auf etwas, was sie im öffentlichen Bereich immer tragen, weil Sie sich ohne das nackt fühlen, "wenigstens im öffentlichen Bereich verzichten"? @"Aschewolke-Surfer": Kopftuch hat NICHTS mit Politik zu tun. @"Zara": Welche "Rechte anderer verletzt" sie, wenn sie Kopftuch trägt? @"Ingo": Meine Arabisch-Lehrerin in Kairo (koptische Christin in einem "überwiegend islamisch geprägten Land") hat immer einen Kreuz-Anhänger in der Sprachschule (und höchstwahrscheinlich auch draußen) getragen. Was ist dabei? @"Werner": Was heißt "nach christlichen Werten"? Ist Ihnen bewusst, dass wir auch an Jesus, Moses und alle die früheren Propheten glauben und dass viele Gebote im Qur’an auch in den heutigen Bibelversionen vorhanden sind? @"anpetau": Beschneidung ist nur für den Mann, nicht für die Frau (aus biologischen Gründen, nicht dass jemand jetzt meint, das wäre Diskriminierung). Zwangsheirat ist ein kulturelles Problem, das es bereits zur Zeit des Propheten Muhammad gab. Daher gibt es in den islamischen Quellen auch eindeutige Regelungen gegen diese Praxis. Leider ist aber manchen die Kultur lieber als die Religion, daher kommt es noch in manchen Familien vor. Sogenannter Ehrenmord hat auch keine Grundlage im Islam. Christen haben in den meisten islamischen Ländern sogar Kirchen und ich habe nie einen Protest von einem Muslim dagegen gehört, wenn ein Christ einen Kreuzanhänger trägt.

das Kopftuch war nie ein unschuldiges Stück Stoff, sondern steht für Unterdrückung und Unterordnung der Frau im Islam - damit ist es ein politisch-religiöses Symbol, das die besagte Dame gerne privat tragen darf aber nicht im Dienst. Ich finde es lustig, wie sie der Öffentlichkeit ihre politische Naivität verkauft. Aber so doof sind wir hierzulande nicht mehr um darauf herein zu fallen.

Islamophilie, ist das jetzt der neue Trend in NRW? Einfach nur lächerlich!



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