Am Bundeswehrstandort in Augustdorf gibt es immer noch keinen Psychiater für Betroffene
Augustdorf. Viele Soldaten der Bundeswehr, die von einem Auslandseinsatz nach Deutschland zurückkehren, haben schlimme Erfahrungen gemacht und schreckliche Bilder im Kopf. Manche können das nicht verkraften. Sie sind nachhaltig traumatisiert. Am Bundeswehrstandort Augustdorf, dem größten in Nordrhein-Westfalen, gibt es für die Betroffenen auch nach mehreren Jahren aber immer noch keine fachärztliche Hilfe.
Eine Stelle für einen Traumaspezialisten ist dort nun schon seit vielen Monaten vakant. Nach Recherchen der Neuen Westfälischen findet sich kein geeigneter Psychiater oder Psychotherapeut, der sich in den Dienst der Bundeswehr stellen möchte. Von einer neuen "Trauma-Ambulanz", die von politischer Seite bereits vor langer Zeit großspurig angekündigt wurde, ist am Standort Augustdorf weit und breit noch nichts zu sehen.
"Einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie gibt es bei uns noch nicht", sagt Ruppert Sautter, Leiter des Augustdorfer Bundeswehr-Fachsanitätszentrums, "ich finde das alles sehr bedauerlich". Dabei haben mehrere hundert Soldaten aus Augustdorf in Afghanistan bereits ihren Dienst verrichtet – und etliche von ihnen auch Traumata erlitten. Laut Sautter versucht die Bundeswehr, diesen Opfern durch die Behandlung bei externen Psychiatern zu helfen.
270.000 deutsche Soldaten in Auslandseinsätzen
Doch das Angebot reiche bei weitem nicht aus, kritisiert Andreas Timmermann-Levanas. Der Oberstleutnant a. D. (45) war selbst in Afghanistan stationiert. Er hat die "Deutsche Kriegsopferfürsorge" gegründet, um den Interessen von Soldaten, die im Dienst physische und psychische Beschädigungen erlitten haben, bessere Geltung zu verschaffen.
Mittlerweile hätten mehr als 270.000 deutsche Soldaten einen Auslandseinsatz geleistet. "Nach seriösen wissenschaftlichen Schätzungen gibt es bei uns 20.000 traumatisierte Soldaten", sagt Timmermann-Levanas. Offiziell anerkannt ist nur ein Bruchteil. Nach jüngsten Angaben des Bundeswehr-Psychiaters Peter Zimmermann hat sich die Zahl der Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen in den letzten drei Jahren verdreifacht – von 145 auf 466 Fälle. Die Anzahl der Fachärzte, die Traumata behandeln, sei "viel zu gering", sagt Timmermann-Levanas. Soldaten, die sich bei externen Psychiatern in Therapie begeben wollen, müssten dort "drei bis sechs Monate Wartezeit" in Kauf nehmen.
Wenn ein seelisch kranker Soldat seinen Beruf wechseln wolle und der Übergang ins Zivilleben anstehe, klaffe eine "massive Versorgungslücke", kritisiert der ehemalige Oberstleutnant. So werden nach Informationen der Neuen Westfälischen in den acht Trauma-Ambulanzen des Landesverbandes Westfalen-Lippe keine Soldaten behandelt. Die Ambulanzen betreuen zivile Opfer – die Abrechnung erfolgt dort nach dem Opferentschädigungs- und nicht nach dem Soldatenversorgungsgesetz.
Aufruf mit Beigeschmack
"Leider gibt es mehr freie Stellen als qualifizierte Ärzte", sagt Ruppert Sautter. Dass die Bundeswehr in Augustdorf bislang keinen eigenen Traumaspezialisten gefunden hat, mag aber auch noch an einem anderen Sachverhalt liegen. Voriges Jahr hatte das Verteidigungsministerium externe Therapeuten zwar offiziell aufgerufen, sich an der Behandlung von traumatisierten Soldaten zu beteiligen. Dem Aufruf beigelegt war aber ein Formblatt, auf dem sich der Therapeut mit seiner Unterschrift dazu bereit erklären sollte, "den Aufgaben der Bundeswehr in ihren Auslandseinsätzen nicht ablehnend" gegenüberzustehen. Prompt hagelte es Proteste. Psychiater und Psychotherapeuten wiesen das Ansinnen zurück, sich "für die Kriegsführung der Bundeswehr instrumentalisieren zu lassen".
Akute wie Chronische Trauma Soldaten. SO geht es nicht wie die Bundesregierung das macht. Es braucht schnelle Hilfe.
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