Brakel. Der Vorwurf von Kaan Sarp und seinen Geschwistern wiegt schwer: Eine Busfahrerin soll den zehnjährigen Grundschüler am Dienstag auf der Heimfahrt einfach ausgesetzt haben: Wegen zu lauten Lachens. Das Unternehmen Bus Bahn Hochstift (BBH) bestätigte den Vorfall, schildert ihn aber anders.
Carfer Sarp ist aufgebracht. Als er am Dienstagmittag seine beiden Töchter und Sohn Kaan aus der katholischen Grundschule Brakel zu Hause erwartete, kamen nur zwei an. Der dritte, Kaan, musste laufen, weil er unterwegs von der Busfahrerin ausgesetzt worden war.
Gegen 12.35 Uhr war der Schulbus mit der Nummer 553 an der katholischen Grundschule losgefahren. "Unterwegs waren die Kinder sehr laut. Deshalb hielt die Busfahrerin an und ermahnte die Kinder leiser zu sein", schildert Sarp die Berichte seines Filius’ gegenüber der Neuen Westfälischen.
Die Busfahrerin habe sogar gedroht, alle Schüler aus dem Bus zu werfen und sei erst weitergefahren, als es wieder ruhig war. "Solche Einschüchterungen gegenüber Kindern sind nicht in Ordnung, auch wenn es laut war", empört sich der Vater.
Als sein Sohn auf der Fahrt plötzlich laut anfing zu lachen, habe die Busfahrerin abermals angehalten und den Zehnjährigen einfach vor die Tür gesetzt – etwa 700 Meter vom Elternhaus entfernt. "Es geht nicht um die Wegstrecke. Es ist skandalös, überhaupt ein Kind vor die Tür zu setzen. Es hat ja keine Rangelei gegeben, es hat nur laut gelacht", sagt der Vater. Er wirft der Busfahrerin vor, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben – zumal das Kind auf freier Strecke ausgesetzt worden sei.
Stimmt nicht, entgegnet Michael Pölz, Niederlassungsleiter von BBH in Paderborn. "Nach Angaben der Busfahrerin musste das Kind an einer Haltestelle aussteigen. Der Junge habe sie in den vergangenen Wochen des öfteren mit obszönen Bemerkungen beschimpft", sagt Pölz. Deshalb sei der Fahrerin wohl der Kragen geplatzt. "Wir wollen nichts beschönigen, aber so ein Vorfall hat immer zwei Seiten", sagt Pölz.
Der Vater hingegen wirft der Busfahrerin vor, sich mit dieser Version rausreden zu wollen. "Er ist ein Opfer, das sie sich rausgepickt hat", sagt Sarp.
Pölz stellt klar, dass die Busfahrerin, die für ein Busunternehmen der BBH arbeitet, den Zehnjährigen trotz der Probleme nicht hätte vor die Tür setzen dürfen. "Es gibt eine klare Anweisung, dass Kinder nicht aus dem Bus geworfen werden dürfen", so der Niederlassungsleiter. Deshalb sei sie offiziell ermahnt worden. Dienstrechtliche Konsequenten gebe es nicht.
Pölz betont aber auch, dass die Ereignisse in Brakel kein Einzelfall seien. "Geschichten, dass es auf Busfahrten Probleme mit den Kindern gibt, hören wir von unseren Fahrern täglich. Es ist zwar glücklicherweise die Ausnahme, dass Schüler aussteigen müssen, es kommt aber öfter als zweimal im Jahr vor", so Pölz. Eine Statistik darüber führt BBH nicht.
Beim Schulträger, der Stadt Brakel, fühlt man sich für die Vorfälle im Bus nicht verantwortlich. "Wir haben zwar die Aufgabe, den Schülertransport sicher zu stellen, jedoch keine Aufsichtspflicht in den Bussen", sagt Rudolf Schröder, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice. Es sei schließlich auch nicht möglich, für jede Schulbusfahrt eine Aufsichtsperson zur Verfügung zu stellen.
Das weiß auch Michael Pölz. Für ihn liegt aber genau an dieser Stelle das Problem: "Unsere Busfahrer werden mit den Schülern allein gelassen. Und wir alle wissen, dass die Kinder nicht immer lieb und nett sind, gerade in Gruppen, oder wenn sie mit Frust aus der Schule kommen", sagt Pölz. Deshalb werde es immer wieder solche Vorfälle wie in dem Brakeler Schulbus geben.
Liebe/r S.K. sie haben Recht damit, daß man Ruhe bewahren sollte, da diese Diskussion unendlich weitergehen könnte. Vielen Dank für die Klarstellung der Verhaltensregeln im Bus.Ich wünsche allen alles Gute.