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10.07.2010
BIELEFELD
Hitze: Schüler kollabieren im ICE
Panik nach Ausfall der Klimaanlage
VON THOMAS GÜNTTER

Geschwächt | FOTO: A. EICKHOFF

Bielefeld. Großeinsatz am Bielefelder Hauptbahnhof für Notärzte und Rettungskräfte. Weil aufgrund der hohen Außentemperaturen die Klimaanlage im ICE 846 von Berlin nach Köln ausgefallen war, kollabierten insgesamt 44 Personen. Neun Schüler aus Willich und Remscheid kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus.

Der Bahnsteig 4 des Bielefelder Hauptbahnhofs glich am Samstagabend einem mobilen Lazarett. Auf zahlreichen Krankentragen lagen erschöpfte Reisende, die mit Infusionen stabilisiert werden mussten. Helfer schleppten Kästen mit Wasser und Apfelsaftschorle, ein Feuerwehrmann verteilte Süßigkeiten gegen Unterzuckerung. Auf dem Bahnhofsvorplatz drängten sich die roten Einsatzfahrzeuge. Um 19.07 Uhr war bei der Feuerwehr der Alarm eingegangen. Das Codewort lautete: "Massenanfall von Verletzten".

Der Höllentrip hatte für die Schüler um 13.45 Uhr in Berlin begonnen. Sie hatten gleich doppelt Pech. Erst fiel die Klimaanlage im ersten Zug bis Hannover aus und dann auch noch die im ICE 846 von Hannover nach Bielefeld. In diesem überfüllten Zug sollen Temperaturen bis 50 Grad geherrscht haben. "Das war wie in einer Sauna. Ich konnte mein Hemd auswringen. Fünf Minuten später wären bestimmt alle kollabiert", sagt Schüler Bastian Fronhoffs (16) aus Willich.

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Bei zahlreichen Fahrgästen versagte der Kreislauf, andere klagten wegen Übelkeit. Menschen drängten sich in den Gängen. Einige ältere Leute seien zusammengebrochen und hätten sich auf den Boden legen müssen. Eine Mutter habe fast die Nerven verloren und in Panik und Verzweiflung versucht, ein Fenster mit dem Nothammer einzuschlagen, weil ihr kleiner Sohn nach Atem rang. So die Schilderungen von Schülern und Lehrern.

Bahnsprecher Jürgen Kornmann sprach von drei ICE, die in Hannover oder Bielefeld aus dem Verkehr gezogen wurden. Wie heiß es in dem Zug mit den Schülern gewesen sei, wisse er nicht. Unklar sei auch, wie viele Fahrgäste betroffen gewesen seien. "Es tut uns aber in jedem einzelnen Fall leid", sagte Kornemann. Auch Bahnchef Rüdiger Grube entschuldigte sich gestern bei den Fahrgästen. Unterdessen prüft die Bundespolizei den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung.

Rekord

Deutschland hat am Wochenende mit Temperaturen von bis zu 38,8 Grad in Koblenz den Hitzerekord des Jahres aufgestellt. Der Rekord aus dem Jahr 2003 von 40,4 Grad wurde aber nicht geknackt. Und das große Schwitzen geht weiter, heute sollte es wieder 37 Grad heiß werden. Abkühlung ist erst für morgen vorhergesagt. Die "Kaltfront" des Mittelmeertiefs "Mae" lässt die Temperaturen abstürzen – auf immer noch sommerliche 25 Grad.

Fahrgastverband: ICE-Generalüberholung "dringend" nötig

Berlin (dpa). Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die gehäuften Defekte von Klimaanlagen in ICEs für ein hausgemachtes Problem. "Es waren alles Züge des Typs ICE II. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind", sagte Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Verbandes, am Montag. Eine Generalüberholung der Züge sei "dringend" nötig.

"Die kommen jetzt auch in die Revision, vielleicht hätten sie doch etwas früher reingemusst." Fatal sei nach wie vor der Umgang der Bahn mit Problemen. "Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen", kritisierte Naumann. "Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen."

In den konkreten Fällen vom Wochenende hätte man die Reisenden aussteigen lassen müssen. "Das geht nicht anders." Erste Reaktionen der Bahn gebe es bereits. Es sei etwa dafür gesorgt worden, dass mehr Getränke an Bord sind, die verteilt werden können. "Das ist schon mal ein richtiger Schritt."

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Kommentare
Alle schreiben über die Bahn hoffendlich wird da jetzt mal richtig aufgeräumt sowas darf nicht passieren das ist unverantwortlich . Ein ganz großes Danke schön an die Bielefelder Feuerwehr die schnell vor Ort war und schnell geholfen hat . Da sollte sich die Bahn mal ne scheibe von abschneiden was Organisation und Hilfe bedeutet !

Ich erlaube mir zusammen zu fassen:

Die DEUTSCHE BAHN - Denn sie wissen nicht, was sie tun (sollen).

Und:
Habe eben einen O-Ton unterlegten Bericht per WDR 2 gehört. Darin berichteten Augenzeugen/Zeuginnen das das Ziehen der Notbremse kurz vor Minden nichts ausgelöst habe, zudem fruchteten Versuche mit dem Nothämmerchen Scheiben einzuschlagen nicht.

Nur gut das die Bundespolizei den betreffenden Zug beschlagnahmt hat. All das wird sich nachweisen lassen und dann wir auf die DB eine Welle von Klagen wegen vorsätzlicher Körperverletzung zukommen. Richtig so!

Notbremse auf freier Strecke wäre mit Sicherheit das dümmste - und gefährlichste -, was man hätte tun können. Zur Gefahrenabwendung wäre das einzig Notwendige und Sinnvolle gewesen, den Zug schon in Minden zu stoppen und alle Türen zu öffnen, dann wären mit Sicherheit nicht soviel Menschen kollabiert.

Ich lese hier immer wieder von kalten Getränken zur Abkühlung. Mal abgesehen davon, dass in so einem Zug nichts lange kalt bleibt, sollte doch bekannt sein, dass kalte Getränke nicht zur Abkühlung geeignet sind. Der Körper muss die Flüssigkeit dann nämlich auf Körpertemperatur bringen, was Energie kostet und noch mehr aufheizt. Das ist in etwa genauso schlau, wie bei Hitze den Kühlschrank zu öffnen, um die Wohnung zu kühlen.

Dass man sich keine Lösungen erarbeitet hat, was in einem solchen Notfall solche Situationen ohne Zugstop verhindert, ist unverantwortlich! Die Fenster in den Zügen sollten zumindest so geändert werden, dass sie zur Not vom Personal od. elektronisch gekippt werden können. Da brauch man sich nicht wundern, dass Reisende zu Nothämmern greifen, wenn ihre Kinder kollabrieren.



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