Gütersloh. Annett Schneegaß, stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte "Adventure Kids" am Bachschemm, ist entsetzt. "Das ist widerwärtig und abstoßend, was hier passiert ist." Drogensüchtige waren in der Nacht zu Sonntag auf das Gelände der Kita eingedrungen, hatten die beiden Kaninchen aus dem Gehege geholt, sie abgezogen, gegrillt und aufgegessen.
Appell der Eltern
Die Eltern der Einrichtung haben einen Brief aufgesetzt, den Kita-Leiterin Marion Keßler am Donnerstag Bürgermeisterin Maria Unger überreichte. "Als Eltern und Bürger dieser Stadt fühlen wir uns nicht unterstützt und geschützt vor solchen Ereignissen", heißt es darin. Die Täter gehörten zu einer stadtbekannten Gruppe, die jederzeit wieder ähnliche Täten verüben könnten. "Wir appellieren an das Bewusstsein, diese Gruppe stärker kontrollieren zu lassen." Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg betonte, dass die Täter, 23 und 28 Jahre alt, nicht einfach ungeschoren davon kämen. "Gegen sie wurde Anzeige erstattet, gegen sie wird wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung ermittelt." Auch wenn er die Empörung über den Vorfall gut verstehe, mehr könne die Polizei nicht machen. (ost)
Die Täter waren gezielt vorgegangen. Sie hatten nicht nur Alkohol und Drogen mitgebracht, sondern auch drei Beutel Kartoffeln, Pepperoni und ein langes Schlachtermesser. Um ihr makabres Grillfest ungestört feiern zu können, zerschlugen sie die Bewegungsmelder. Alles weitere fanden sie auf dem Gelände vor: Vom Sommerfest der Kita standen noch Bierzeltgarnitur, Grill und Grillkohle im Garten. Die Täter mussten lediglich das Schloss vom Gehege knacken.
Das Gehege war von den Kita-Eltern letztes Jahr in Eigenarbeit gebaut worden. "Man wollte den Kindern eine Freude machen, Tiere sind was Schönes, und vielen Familien ist es nicht möglich, eigene Haustiere zu halten", sagt Schneegaß. Die letzten Monate hatten es das Zwergkaninchen "Hoppel" und "Lieselotte" dort schön gehabt.
Die Täter machten kurzen Prozess mit den Kaninchen. Sie zogen Hoppel und Lieselotte das Fell ab, weideten sie aus und packten die Innereien in eine Plastiktüte, die sie an den Kita-Zaun hängten. Das Fell ließen sie auf der Gartenterrasse liegen, ebenso die Knochen. Ihre Notdurft verrichteten sie in den Beeten, aber auch auf den Bierzeltgarnituren und im Schuppen.
Doch ihr Treiben blieb nicht unbemerkt. Vom Seniorenzentrum Am Bachschemm rief jemand die Polizei an, die kam und fand die Täter schlafend vor. Die beiden Drogenabhängigen, der Polizei nicht unbekannt, hatten sich nach ihrer Mahlzeit neben dem Piratenschiff schlafen gelegt.
Die Erzieherinnen fanden ein Schlachtfeld im wahrsten Sinne des Wortes vor. Auf der Terrasse trocknete eine Blutlache, aus den Beeten waren Kartoffeln, Möhren und Radieschen herausgerissen. "Wir sind schockiert von solcher Brutalität und solchem Vandalismus", sagt Erzieherin Marseela Broadnax.
"Adventure Kids" hat Anzeige erstattet, hofft, dass die Täter bestraft werden. Die Kinder indes wissen wenig von dem Vorfall. "Wir haben ihnen erzählt, dass Hoppel und Lieselotte weggelaufen sind", sagt Annett Schneegaß. "Alles andere wäre viel zu brutal."