Minden/Lübbecke/Rahden. Bei Raumtemperaturen von derzeit bis zu 38 Grad sind gerade mehrere Schwestern im Mindener Klinikum kollabiert – Patienten in Überwachungsräumen der Intensivstation müssen sich mit Ventilatoren und nassen Tüchern selbst kühlen. Auch in Lübbecke und Rahden gibt es Probleme.
"Überregionale Spitzenversorgung", "geplant nach modernsten medizinischen und betriebsorganisatorischen Konzepten", "ausgestattet mit aktuellstem Stand der Technik" – so wirbt das Johannes-Wesling-Klinikum für sich. Intensiv-Behandlungsstation, Operationssäle und Arbeitsräume mit Großgeräten seien gut gekühlt, sagt die Personalratsvorsitzende Christina Weng. Ansonsten gelte flächendeckend, dass die Luft nicht nachhaltig gekühlt werden könne, weshalb Schwestern bereits kollabiert seien. Weng: "Die Raumtemperatur erreicht in der Spitze 38 Grad."
Die Lübbeckerin Dagmar Schäfer, deren Lebensgefährte mit einem Herzinfarkt in einem Zimmer auf der Intensiv-Überwachungsstation liegt, schildert die Situation so: "Es gibt keine Klimaanlage. Die Temperatur ist kaum auszuhalten. Den Schwestern laufen Schweißperlen von der Stirn. Andere Angehörige und ich versuchen, den Patienten mit nassen Tüchern und Tischventilatoren etwas Abhilfe zu verschaffen. Das soll ein modernes Krankenhaus sein? Ein unmöglicher Zustand."
Klinikum erwägt Nachrüstung
Die genannte Intensivstation I 15 in Minden verfüge tatsächlich über keine Klimaanlage, bestätigt Dr. Gabriele Rolfes, Pressesprecherin der Mühlenkreis-Kliniken. Allerdings erwäge das Klinikum "seit geraumer Weile, dort eine Klimaanlage nachzurüsten".
Bei der Planung des Hauses seien die Bauverantwortlichen offenbar von deutlich geringeren Temperaturen ausgegangen, als man sie seit Anfang Juli in Minden habe. Rolfes: "Vorrangig investiert wurde und wird in beste Medizintechnik und in die exzellente Behandlung der Patienten."
Für die Krankenhäuser in Rahden und Lübbecke gelte: An beiden Standorten würden die Intensivstationen klimatisiert; die Raumtemperatur betrage dort 21,8 Grad. "Die Normalstationen sind nicht klimatisiert, werden aber technisch be- und entlüftet", so Rolfes.
Einige Arbeitsräume geschlossen
Was offenbar nicht ausreicht. Gestern bestätigte Christina Weng auf NW-Anfrage: "In Rahden wurden einige Arbeitsräume geschlossen, weil Patienten dort nicht mehr zu behandeln waren."
Unzufrieden ist der Personalrat zudem mit der jüngsten Entscheidung des Verwaltungsrates. Der hat kürzlich beschlossen, den Vertrag für die Beraterfirma Roland Berger bis Februar 2011 zu verlängern, "bei kontinuierlich sinkendem Auftragsvolumen". Welche Summen dafür gezahlt werden, wollte Sprecherin Rolfes gestern nicht sagen. Das seien "Betriebsinterna".
Roland Berger begleitet den Sanierungsprozess der Mühlenkreis-Kliniken seit eineinhalb Jahren. Das Beratungsunternehmen verfüge auf diesem Gebiet über eine besondere Expertise. Anfänglich habe die Erstellung eines Maßnahmenkataloges für den Modernisierungsprozess im Vordergrund gestanden.
Aufstellung des Wirtschaftsplans
Bei dem Anschlussvertrag jetzt gehe es um eine "kritische Begleitung bei der konkreten Umsetzung der zahlreichen in die Wege geleiteten Maßnahmen", so Rolfes. Ziel der Zusammenarbeit mit Roland Berger sei die Aufstellung des Wirtschaftsplans 2012 für den Klinikverbund und ein "ausgeglichenes operatives Geschäft". Dazu werde es im Herbst 2011 nochmals eine weitere kurzfristige Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und Roland Berger geben.
Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Das Arbeiter an Hochöfen ganzjährig hohen Temperaturem ausgesetzt sind (noch dazu in Schutzanzügen) hat doch mit diesem Thema überhaupt nix zu tun.
Genauso könnten Sie sagen, Polizisten sollten sich nicht darüber beschweren, angeschossen zu werden, denn Soldaten im Irak geht es ja täglich so.