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21.07.2010
OWL
Hitzewelle: Kliniken lassen Patienten schwitzen
Kompetenzstreit von Bürokraten / Träger verweigern Investitionen
VON PETER STUCKHARD

Minden. 38 Grad Celsius und mehr: Patienten in den Kliniken der Region sind zum Schwitzen verurteilt. In Minden kollabieren bereits Krankenschwestern bei der Arbeit, wie die Neue Westfälische exklusiv berichtete. Es existiert offenbar keine Vorschrift, die angesichts dieser Hitzewelle das Wohlbefinden Genesender und des Personals im Krankenhaus regelt.

Auf der Suche nach Schutzvorschriften in Zeiten des Klimawandels stößt man auf einen bizarren Kompetenzstreit zwischen zwei wichtigen Normenproduzenten: dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dem Deutschen Institut für Normung (DIN). 1999 erschien erstmals ein Entwurf der DIN 1946-4, die "Lüftungsregeln für raumlufttechnische Anlagen in Krankenhäusern" vorstellte. Der VDI zog 2004 nach mit der Technischen Regel 2167 für "Heizungs- und Raumlufttechnik in Krankenhäusern".

Das NRW-Bauministerium erhob gegen beide Entwürfe Einspruch mit dem Wunsch, sie "zu einer für alle beteiligten Kreise angemessenen Lüftungsregel" zusammenzuführen. Das passierte aber nicht. 2007 veröffentlichte der VDI seine technische Regel 2167 mit dem Hinweis, es sei "die einseitige Beschlussfassung im Normungsausschuss", die die Zusammenführung verhindert habe. Das Bauministerium stellte per Erlass 2008 klar, dass für die Krankenhausbauverordnung, maßgeblich für alle Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die VDI-Regeln gelten sollten. In denen steht zwar jede Menge zum Thema Klimaanlagen in Operationssälen und Hygiene, einen Hinweis auf das Wohlbefinden von Patienten findet man jedoch nicht.

Bauministerium weist Verantwortung von sich

Das Bauministerium wies Verantwortung von sich: "Soweit aus medizinischen Gründen Anforderungen an die technische Ausstattung, Bemessung und Gestaltung von Lüftungsanlagen ergänzend zu stellen sind, hat dieses durch die zuständigen Gesundheitsbehörden" zu erfolgen. Damit lag der Schwarze Peter bei den Gesundheitsämtern der Kreise und der Stadt Bielefeld. Nur: Die gesetzliche Grundlage ist inzwischen auch diesen Behörden abhandengekommen: Die Krankenhausbauverordnung ist mit dem 31. Dezember 2009 automatisch ungültig geworden.

Die Träger der Krankenhäuser haben auch kein Einsehen und sorgen nicht von sich aus dafür, dass sich Patienten wie Personal auch bei großer Hitze wohl fühlen. Im Gegenteil, Experten lassen wissen: Für die Kosten der Nachrüstung einer Klimaanlage für Patientenzimmer könne man gleich neu bauen. Schlimmer noch: Wie könne man den erheblich höheren Betriebskosten entsprechende Erlöse gegenüberstellen?

Auch ein funkelnagelneues Klinikum wie das in Minden wird im Hochsommer zur Sauna, Patienten auf der Intensivstation werden mit Ventilatoren und Tüchern gekühlt. Sogenannte Rückkühlwerke der Klimaanlage für die Operationssäle müssen gar mit Rasensprengern temperiert werden.


Klimaanlagen sind Energiefresser

In den OWL-Kliniken gibt es kaum klimatisierte Patientenzimmer, wie die Bezirksregierung Detmold sagt. Josef Düllings, Geschäftsführer des St.-Vincenz-Krankenhauses in Paderborn (ca. 560 Betten): "Die Ausrüstung aller Patientenzimmer mit Klimaanlagen würde Energiekosten von gut einer Million Euro pro Jahr bedeuten." In seinem Haus sieht Düllings allerdings keine größeren Probleme durch das hochsommerliche Wetter. In allen Räumen, "wo es medizinisch erforderlich ist", gebe es Klimaanlagen. Dazu zählen Operationssäle, Intensiv- und Schlaganfallstation sowie der Bereich Intermediate Care.

Wie in Paderborn, wird auch im Klinikum Bielefeld-Mitte (2.500 Beschäftigte) für Mitarbeiter wie Patienten kostenlos Mineralwasser bereitgestellt. "Es ist nicht so, dass durch die Hitze hier irgendjemand in Gefahr gerät", sagt die Betriebsratsvorsitzende Elisabeth Rinawi. (bth)

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Der Klimakollaps droht! Alle haben es so gewollt!

Sorry, aber allein die Überschrift "Krankenhaus lässt Patienten schwitzen" ist mir schon zu reißerisch. Die Temperaturen sind nicht von den Häusern gemacht! Was erwarten wir denn? Vollklimatiesierte Gebäude? Haben sich die Kritiker tasächlich einmal überlegt, wie das gehen soll? An meinem Arbeitsplatz herrschen z. Z. auch Temperaturen um die 40° ! Und an den Arbeitspältzen "draußen" sehr warscheinlich auch. Bitte, scheinbar ist es en vogue nun gegen alles zu protestieren. Aber das Wetter ist nun mal nicht zu beeinflussen. Und langfristig, bei den Einstellungen vieler Menschen (Klimanalage auf jede Toilette), leider auch nicht!

Hallo ich muss echt sagen das, dass Klinikum Minden echt der reinste Backofen ist meine 2 Wochen alte Tochter lag eine Woche auf im Klinikum und es waren teilweise über 38 C in den Zimmern.

@Frank J. natürlich habe ich mir den Beruf freiwillig ausgesucht - ich will mich mit meinem Bericht auch nicht beschweren, sondern lediglich die Arbeitsbedingungen aufzeigen.Mir ist auch bewusst, dass es "heissere" Arbeitsplätze gibt. Dass in Krankenhäusern derartige Zustände herrschen, sollte in der heutigen Zeit ein absolutes "NO GO" sein Mit den kranken Menschen habe ich auch absolutes Mitleid, weil ich selber schon öfter in der gleichen Situation war und im Sommer für mehrere Wochen das Bett im Krankenhaus hüten musste.

@Erich: Mag ja sein, das es auf den Schiffen heißer als sonst normal ist, aber 1. Hast Du dir diesen Beruf unter den Umständen ausgesucht, und zweitens geht es hier um Kranke Menschen, deren Imunsystem eh schon angeschlagen ist*kopfschüttel* Ist ja genau so als wenn jemand der am Hochofen arbeitet sich über Hitze beschwert*g*



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