Bielefeld. Mit einem großen wundgelegenen Druckgeschwür (Dekubitus) kam die 73-jährige Mutter von Petra Uppmann am 13. August 2009 auf die chirurgische Station C3 des Franziskus-Hospitals an der Kiskerstraße. Die Behandlung des Geschwürs lief eigentlich gut. Am 25. August meldete der behandelnde Arzt, dass die Heilung sehr gut voranschreite. Einen Tag später erhielt Petra Uppmann die Nachricht vom überraschenden Tod ihrer Mutter. Bis heute kämpft die Tochter seitdem darum, endlich die Umstände dieses Todes zu erfahren.
Private Suche nach Zeugen
Nach Einstellung der Todesermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat sich Petra Uppmann selbst auf die Suche nach Zeugen des Todes ihrer Mutter gemacht. Am Grab stellte sie deshalb eine Suchmeldung auf, um eine bestimmte Bettnachbarin zu finden, die möglicherweise vergeblich versucht hat, Hilfe zu holen.
Daraufhin erhielt sie zahlreiche Rückmeldungen, viele andere Patienten der Franziskus-Station C3 meldeten sich, weil sie ebenfalls mit den Verhältnissen unzufrieden waren. Aus Insiderkreisen heißt es, dass auf der Station zeitweise Ärztemangel herrsche.
Mit Hilfe dieser Zeitung fand Petra Uppmann die gesuchte Bettnachbarin. Sie habe zwar den Tod ihrer Bettnachbarin gar nicht bemerkt, eine Notfallklingel habe sie aber auch nicht besessen. (jr)
Petra Uppmann hatte sich schon während des 13-tägigen Krankenhausaufenthalts ihrer Mutter bei den Schwestern, später auch beim Pflegedienstleiter und dem Qualitätsmanagement des Krankenhauses beschwert. Ihre Vorwürfe sind vielfältig: unfreundliches Personal, zu wenig Notfallklingeln für die Patienten, und wenn dann ein Patient geklingelt habe, sei lange Zeit keine Hilfe gekommen. "Außerdem hatte meine Mutter eine Herzschwäche und sollte wegen möglicher Wassereinlagerungen regelmäßig gewogen und untersucht werden. Ich musste aber drei Tage lang darum betteln, als ihre Beine immer dicker wurden, bis man endlich ihr Herz untersucht hat", sagt die Angehörige.
Als nach all diesen Querelen ihre Mutter auch noch unvermutet starb, wollte die Tochter die ganze Wahrheit erfahren. Doch bisher fühlt sie sich von den Verantwortlichen im Hospital allein gelassen, sogar belogen.
In der Kopie der übersandten Krankenakte ihrer Mutter fand Petra Uppmann missverständliche, teilweise unlogische Eintragungen und zu allem Übel auch noch Datenblätter einer anderen Patientin ("OP verlief wegen Laktose-Allergie problematisch"), die erst Monate nach dem Tod der Mutter im Klösterchen gelegen hatte.
Herzinfakt als Todesursache
Der Tochter platzt spätestens jetzt der Kragen: Wegen des Verdachts auf Behandlungsfehler und unterlassene Hilfeleistung schaltet sie die Staatsanwaltschaft Bielefeld ein, und die stellt bei der angeordneten Obduktion einen etwa 5 bis 7 Tage alten Herzinfarkt als Todesursache fest.
Petra Uppmann findet daraufhin in der Krankenakte ihrer Mutter am 20. August den Eintrag: "krampfartige Schmerzen re./li. Bauch" (Pflegebericht Seite 127). Gerade Frauen klagen bei einem Infarkt seltener über Brust-, dafür häufiger über Oberbauchbeschwerden, heißt es in zahlreichen Symptom-Beschreibungen für Herzinfarkte. "Ich habe die Schwester auf diese Krämpfe hingewiesen", sagt Uppmann. "Doch die ging von Blähungen aus. Ob ein Arzt darüber informiert wurde, wage ich zu bezweifeln." Die Anklagebehörde stellt das Verfahren trotzdem ein.
Auch Eva-Maria Meyer-Zajonz vom Qualitätsmanagement des Klösterchens weist den Großteil der Vorwürfe zurück. "Es gab jeden Tag eine Visite, auch die hinzugezogenen Internisten haben nach der Herzuntersuchung der Patientin die Therapie der Kollegen bestätigt", so Meyer-Zajonz. "Medizinisch ist alles überprüft worden. Allerdings ist offensichtlich beim Kopieren der Krankenakte ein Fehler passiert." Zwar fänden sich in der Originalakte keine falschen Papiere, trotzdem dürfe so etwas nicht passieren. "Dafür müssen wir jetzt eine Lösung finden", so Meyer-Zajonz
Beschwerde bei der Generalanwaltschaft
Petra Uppmann ist mit dieser Reaktion nicht zufrieden: "Wenn der Staatsanwalt sich diese Krankenakte angesehen hätte, hätte er weiter ermittelt." Sogar ihr Hausarzt bestätigt, dass manche Eintragungen Grund zur Beunruhigung geben – möglicherweise wurden nachträglich Korrekturen vorgenommen. Uppmann legt deshalb Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Hamm ein. Seit dem 9. Juni werde der Fall dort akribisch geprüft, bestätigte Oberstaatsanwältin Elke Adomeit.
Der Oberarzt der Station wollte laut Meyer-Zajonz ohne die Obduktionsakte, die derzeit in Hamm liegt, keine Stellungnahme abgeben. Die Vermutung der Qualitätsmanagerin: Die Tochter habe möglicherweise ein schlechtes Gewissen, weil sie sich als Arbeitnehmerin nicht ausreichend um ihre pflegebedürftige Mutter kümmern konnte. Dafür lenke sie jetzt den schwarzen Peter auf das Krankenhaus. "Ich will einfach nur die Wahrheit wissen", entgegnet Petra Uppmann entrüstet. "Ich kann sonst mit dem Tod meiner Mutter nicht abschließen."
Eine Schuldzuweisung in einem öffentlichen Forum, wegen einer Berufstätigkeit der Tochter und einem interpretiertem Schuldgefühl, werden die Kunden(Versicherten und Kostenträger) nur als Hinweis einer falschen Unternehmenspolitik deuten können und ein anderes Krankenhaus aufsuchen. Es gibt wirklich Häuser und Geschäftsführer, die diesen Wandel längst erkannt haben. Diese würde ich dem Franziskus Hospital auch wünschen............