Verl (nw/fred). Ein rechtskräftig verurteilter Sexualstraftäter lebte in Verl trotz sechsjähriger Haftstrafe in der Nachbarschaft seines heute 14-jährigen Opfers - auf freiem Fuß. Aus gesundheitlichen Gründen hatte der 64-Jährige Haftaufschub beantragt, der zunächst bis Ende des Jahres verlängert wurde. Haftuntauglich wegen Diabetes, Bluthochdruck und fortschreitender Demenz, so die Diagnose.
Das Landgericht Bielefeld hatte den Mann im Juni 2009 wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Frührentner hatte die Taten gestanden. Trotzdem stand eine Unterbringung hinter Gittern für den Sexualstraftäter in weiter Ferne. Polizei und Politik beteuerten, nichts von dem Sexualstraftäter auf freiem Fuß gewusst zu haben.
Erst nach Bekanntwerden des Skandals durch die Medien lenkte das Justizministerium ein: Das Justizkrankenhaus Fröndenberg nimmt den Straftäter zunächst auf. Binnen einer Woche muss der 64-Jährige der Ladung der Staatsanwaltschaft Bielefeld nachkommen. Zunächst hatte die Leitung des bekannten Gefängniskrankenhauses eine Aufnahme des Mannes abgelehnt. Als Begründung wurden fehlende Kapazitäten angegeben. Weil die psychatrische Abteilung aber seit April dieses Jahres auf 60 Betten verdoppelt wurde, sei nun doch eine Unterbringung möglich, heißt es. Die ist allerdings nur kurzfristig: solange bis eine eindeutige Krankheitsdiagnose gestellt ist. Dann wird der Mann einer Haftanstalt zugeführt. Das könnte die Justizvollzugsanstalt Hövelhof (offener Vollzug) oder Bochum sein.














