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31.07.2010
HÖXTER
Der Lebensretter
Während ein junger Bäckermeister aus Nieheim Stammzellen spendet, entbindet seine Frau ein Baby
VON JOSEF KÖHNE

Seite an Seite | REPRO: JOSEF KÖHNE

Höxter. Bäcker Axel Drewes hat gewissermaßen Routine im Lebenretten. Schon zum zweiten Mal hat der Nieheimer Stammzellen gespendet, um einem leukämiekranken Briten zu helfen.

Im November 2001 bekam der kleine Moritz Saage aus Nieheim-Sommersell (Kreis Höxter) Leukämie. Um das Leben des Jungen zu retten, suchte die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) nach einem geeigneten Stammzellenspender. Das Foto mit den eindringlichen braunen Augen des kranken Dreijährigen rührte die Menschen so sehr, dass sie aus ganz OWL nach Steinheim und Blomberg strömten, um sich dort typisieren und als Stammzellenspender registrieren zu lassen.

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1.800 Kinder erkranken jährlich

Die Krankheit Leukämie bricht aus, wenn der normale Reifungsprozess der weißen Blutkörperchen im Knochenmark gestört ist. Das Blut wird infolgedessen mit unreifen weißen Blutkörperchen überschwemmt. Sie verhindern die übliche Blutbildung und beeinträchtigen Organe wie Leber und Milz in ihrer Funktion. Wegen der Blutarmut sind die Erkrankten sehr anfällig für Infektionen, sind häufig schwach und verletzen sich leicht. Leukämie wird auch als Blutkrebs oder Knochenmarkkrebs bezeichnet. In Deutschland erkranken jährlich rund 1.800 Kinder neu an Leukämie. Jeder Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren kommt als Spender in Frage. Bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) kann man sich typisieren lassen: Tel. (0 70 71) 94 30 oder im Internet unter www.dkms.de.                  
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Einer von ihnen war damals Bäckerlehrling Axel Drewes.
Sein Knochenmark passte nicht zu Moritz’ - aber vier Jahre später zu dem eines anonymen Patienten, dem er das Leben retten konnte. Und am Dienstag, 13. Juli 2010, liegt der 26-Jährige, inzwischen Bäckermeister, wieder im Kreiskrankenhaus Hameln und spendet Stammzellen. Dieses Mal ist alles ganz anders: Dieses Mal ist der Empfänger nicht anonym, sondern längst ein guter Freund.

Der Freund von Axel Drewes heißt Eric Evans. Er lebt in Saint Helier, der Hauptstadt der britischen Insel Jersey, ist heute 59 Jahre alt und im Immobiliengeschäft tätig. Kennen lernten sich die beiden so unterschiedlichen Menschen 2007 - über die DKMS, die weltweit dazu beiträgt, dass Menschen mit der tödlichen Leukämie einen geeigneten Stammzellenspender finden. 2004 hatte sie einen Kranken in der Datei, für den Drewes’ Stammzellen perfekt passten: Eric Evans.

Drewes unterzog sich der Spendeprozedur zum ersten Mal. Erst viel später aber durfte er erfahren, dass seine Spende dem britischen Geschäftsmann das Leben gerettet hatte. Ein als Spender in Frage kommender Amerikaner hatte kurz zuvor seine Hilfe versagt.

2007 lud Eric Evans seinen Lebensretter und dessen Ehefrau Stefanie zum ersten Mal nach Spanien ein und spendierte ihnen, so Axel Drewes, "einen Traumurlaub". Das junge Paar aus Nieheim und der Immobilienhändler wurden Freunde. Sie schrieben sich, tauschten Fotos aus, Axel und Stefanie Drewes lernten das Zuhause von Evans in Saint Helier kennen.

Evans schien geheilt. 2010 aber schlugen seine Ärzte erneut Alarm. Eine weitere Stammzellenspende war notwendig. Die Frage, ob er noch einmal spenden würde, stellte sich für Axel Drewes erst gar nicht. Von der DKMS begleitet, fuhr er am 13. Juli nach Hameln und ließ sich dort noch einmal Stammzellen für seinen Freund entnehmen.

Auf der Station angekommen, schaltet Drewes sein Handy aus und konzentriert sich auf die Entnahme. Er ahnt nicht, was währenddessen im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter vor sich geht. Ehefrau Stefanie, im siebten Monat schwanger, ist zur Kontrolluntersuchung beim Arzt. Der diagnostiziert eine Infektion, das Kind muss zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden.

Erst als Drewes wieder zu Hause ankommt - das Handy ausgeschaltet in der Tasche -, erfährt der Lebensretter, dass er Vater eines 1.900 Gramm schweren Mädchens geworden ist.

Zurzeit wird Töchterchen Lena noch auf der Kinderintensivstation des Krankenhauses in Höxter versorgt, aber Mutter Stefanie ist bei ihr, und Axel Drewes hat Urlaub und kann die beiden regelmäßig besuchen.

Für den jungen Bäckermeister aus Nieheim ist es "das größte vorstellbare Glück", dass seine kleine Tochter gesund ist und es seiner Frau gutgeht. Aber ganz zufrieden wird er erst dann sein, wenn er weiß, dass die gespendeten Stammzellen seinen Freund Eric Evans von seiner Krankheit geheilt haben.

Kommentare
Ich habe größtmögliche Hochachtung vor solchen Menschen und finde es sehr beruhigend, dass man
ab und zu in unserer Zeit, in der Egoismus und Nichtbeachtung anderer Menschen oft vorherrschen,
von Menschen hört, die alles dafür tun, um Mitmenschen zu helfen. Alles Gute für diesen Mann und seine Familie!


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