Vilsendorf. In einer grünen Weinflasche entdeckt Henning Sedlak aus Vilsendorf das Gesicht des amerikanischen Präsidenten George Washington. Aus vielen anderen Flaschen, Muscheln und Algen am Texeler Strand hat Henning Sedlak genau diese Flasche mit der amerikanischen Dollarnote herausgepickt, um sie näher zu betrachten. Keine gewöhnliche Flasche – sondern eine Flaschenpost.
Sofort nach der Entdeckung rief Henning Sedlak seine Kinder zu sich. Die neunjährige Emily und der siebenjährige Bennet waren von dem geheimnisvollen Fund am Strand der niederländischen Urlaubsinsel genauso fasziniert wie ihre Eltern Henning und Heike.
Die Flaschenpost weckte Erinnerungen an Abenteuergeschichten wie die von Pippi Langstrumpf, deren Vater aus der Gefangenschaft eine Flaschenpost mit einem Hilferuf ins Meer warf. "Wir fragten uns, was wohl in unserer Flaschenpost stehen würde. Es war total spannend", sagt Heike Sedlak.
Korken fest in der Flasche
Das Öffnen der Flasche erwies sich allerdings als schwieriger als gedacht. Um die Flaschenpost vor Meerwasser zu schützen, war der Korken fest in den Flaschenhals gepresst. Selbst als die Sedlaks die Flasche mit Hilfe eines Korkenziehers geöffnet hatten, konnten sie mit einem Kochlöffel nur den Dollarschein herausziehen.
Aber beim Schütteln der Flasche klackerte noch ein Gegenstand im Innern, der nicht durch den schmalen Flaschenhals passte. Henning Sedlak musste die Flasche erst zerbrechen, um den Inhalt ans Tageslicht zu bringen: den besagten Dollarschein, eine kleine Lampe und eine Visitenkarte mit dem Namen Robert Seibt, einer Post- und einer E-Mail-Adresse.
Auf der Rückseite stand: "We would be happy if you send us a message", also übersetzt: Wir würden uns freuen, wenn Sie uns eine Nachricht schicken würden.
E-Mail als Antwort auf die Flaschenpost
Diese Bitte erfüllten die Sedlaks nur allzu gerne. Schließlich waren sie gespannt, wo die Flaschenpost wohl herkam. Da ihr Urlaub kurz nach dem Fund beendet war, schrieb Henning Sedlak von Vilsendorf aus eine E-Mail an die angegebene Adresse.
Dann mussten die Sedlaks fünf Tage warten, bis die Antwort kam: Die Flaschenpost hatte die Familie Seibt aus Sachsen während ihrer Ostsee-Kreuzfahrt mit der "Norwegian Sun" irgendwo zwischen Dänemark und Norwegen über Bord geworfen. Bis zum Fund durch die Bielefelder Familie muss die Flasche 16 Tage lang durch die Nord- und Ostsee getrieben sein.
Den ungefähren Einwurfsort markierte der Flaschenpost-Absender Robert Seibt in einer Karte, die er an die E-Mail anhängte, und erklärte auch den sonderbaren Inhalt der weit gereisten Weinflasche: "Durch die Lichtelektrik eines zerlegten Feuerzeugs, die Sie in der Flasche gefunden haben, konnten wir sie mit dem Fernglas noch fast zehn Minuten auf dem Wasser in südöstliche Richtung treiben sehen".
Glücksbringer für den Finder
Der Dollar war beigefügt, weil das Kreuzfahrtschiff einer amerikanischen Reederei gehörte und deshalb an Bord mit Dollar bezahlt wurde – ihn hat Familie Seibt als Glücksbringer für den Finder beigelegt.
Für Familie Sedlak war der Fund der Flaschenpost ein großes Abenteuer. Denn "wann findet man sowas schon mal?", wie Heike Sedlak sagt. Im nächsten Urlaub, das haben sich Henning, Heike, Bennet und Emily Sedlak fest vorgenommen, wollen sie selber eine Flaschenpost verschicken. Emily weiß auch schon wie: "Von einem Boot – sonst wird die Flaschenpost von den Wellen ja wieder zurückgetrieben."
Die Geschichte der Flaschenpost
In früheren Zeiten wurde die Flaschenpost als Hilferuf von Schiffsbrüchigen verwendet. Beim Fund einer solchen Flaschenpost wurde sie bei den lokalen Behörden abgegeben. Diese leiteten das Schriftstück nach Angaben bei Wikipedia dann an den zuständigen Konsul des Landes weiter.
Auf langen Schiffsreisen schlossen auch Auswanderer ihre Briefe an die Daheimgebliebenen in Flaschen ein – in der Hoffnung, dass die Nachricht gefunden und vom Finder per Brief zugestellt würde.
Die als "unmöglichste Flaschenpost" ins Guiness-Buch der Rekorde eingetragene Flasche wurde in Hennef bei Köln in die Sieg geworfen und bei Falmouth an der Ostküste der USA gefunden.