Lippstadt/Paderborn. Die Fahndung der Polizei läuft nach dem Doppelmord von Störmede auf Hochtouren. Polizeistreifen suchten Mittwoch auch im Raum Paderborn sowie im Kreis Soest nach einem dunkelblauen Golf oder VW Polo, der möglicherweise als Tatfahrzeug benutzt worden ist. Mittlerweile seien die beiden Opfer "zweifelsfrei identifiziert", sagte Mittwoch der Paderborner Staatsanwalt Dietmar Sauerland.
Bei den Opfern handele es sich zum einen um einen 45 Jahre alten Deutschen aus dem Raum Lippstadt. Er habe zwei Kinder und habe zuletzt von seiner Frau getrennt gelebt, sagte Sauerland. Gegen diesen Mann sei bereits einmal wegen eines Rauschgiftdeliktes ermittelt worden – man habe das Verfahren jedoch eingestellt. Das andere Mordopfer sei ein 41 Jahre alter Russe. Von ihm seien bislang "weder der Familienstand noch der Beruf" bekannt, sagte Sauerland. Zum Wohnort dieses Mannes wollte er keine Angaben machen.
Wie berichtet, waren die beiden Opfer am Dienstagnachmittag auf der winzigen Ringstraße in dem kleinen Dorf Störmede erschossen worden. Die beiden Männer waren in einem 5er-BMW mit einem Soester Kennzeichen unterwegs. Möglicherweise wurde ihnen eine Falle gestellt, eventuell wurden sie auch verfolgt.
Vieles spricht für eine Hinrichtung nach Mafia-Manier: Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei starben die beiden Opfer durch mehrere Kugeln in den Kopf. Dies habe die Obduktion ergeben. Die Schüsse seien aus einer Pistole abgefeuert worden, sagte Staatsanwalt Sauerland.
Die beiden Opfer, die sich offenbar gut kannten und bereits in der Vergangenheit zusammen im Raum Lippstadt gesehen worden waren, lagen in unmittelbarer Nähe ihres Fahrzeuges in ihrem Blut. Einige Anwohner hatten am Dienstagnachmittag die tödlichen Schüsse gehört. Unmittelbare Tatzeugen, die das Geschehen beobachten konnten, seien allerdings bislang nicht bekannt. Zeugen hätten lediglich einen dunkelblauen VW Golf oder Polo gesehen, der nach den Schüssen davongerast sei. Wer für den Zeitraum von Dienstag, 14.45 bis 15.15 Uhr Angaben zu diesem Fahrzeug machen kann, solle sich bei der Mordkommission, Telefon (02941) 9 1000, oder jeder anderen Polizeidienststelle melden, sagte Sauerland.
Etliche Nachfragen wollten weder er noch der Leiter der 18-köpfigen Mordkommission, Kai Oldenburg, beantworten. Aus "ermittlungstaktischen Gründen" sei es geboten, zum jetzigen Zeitpunkt weitere Details nicht zu nennen, hieß es. Die Mordkommission untersuche mit Hilfe des Landeskriminalamtes zahlreiche Spuren, teilte Sauerland lediglich mit. Angaben darüber, ob in dem BMW, in dem die beiden Opfer gesessen hatten, Drogen oder Waffen sichergestellt wurden, wollte er nicht machen.
Nach Informationen der Neuen Westfälischen wurden von einem der beiden Opfer Mittwoch bei der Obduktion in Paderborn Fingerabdrücke genommen. Die Ermittler schickten sie ins Landeskriminalamt nach Düsseldorf, um den Mann zu identifizieren. In den Datenbanken gab es offenbar einen Treffer – eines der Opfer war bereits früher erkennungsdienstlich behandelt worden.
Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Paderborn und der Mordkommission Dortmund
Die am gestrigen Nachmittag in Geseke-Störmede erschossen aufgefundenen zwei Personen konnten inzwischen zweifelsfrei identifiziert werden. Bei der einen Person handelt es sich tatsächlich um den Halter des am Tatort vorgefundenen Pkw BMW. Dieser 45 Jahre alte Mann ist verheiratet, lebt aber von seiner Ehefrau getrennt und hat zwei Kinder. Er ist deutscher Staatsangehöriger, der in der Ukraine geboren ist und ging einer beruflichen Tätigkeit nach den bisherigen Erkenntnissen nicht nach.
Die heute durchgeführte Obduktion hat ergeben, dass dieser Mann in Folge mehrerer Schussverletzungen verstorben ist. Schon beim Eintreffen der Polizeibeamten und des Notarztes waren keine Lebenszeichen mehr festzustellen gewesen.
Bei der zweiten Person handelt es sich um einen 41 Jahre alten russischen Staatsangehörigen, zu dem bislang weder der Familienstand noch der Beruf ermittelt werden konnte. Er war mit dem Halter des BMW bekannt und wurde wiederholt in seiner Begleitung gesehen. Auch diese Person ist durch mehrere Schüsse in den Kopf getötet worden.
Die von der Kriminalhauptstelle Dortmund und der Kreispolizeibehörde Soest eingerichtete Mordkommission untersucht mit Hilfe des Landeskriminalamtes die umfangreichen am Tatort gesicherten Spuren.
Zu dem Motiv für die Tat und dem oder den möglichen Tätern können nähere Angaben derzeit noch nicht gemacht werden.
Die Ermittlungen erstrecken sich weiterhin auf einen dunkelfarbenen Pkw, der unmittelbar nach der Tat in der Ringstraße beobachtet wurde.
Ob dieses Fahrzeug von einem Tatbeteiligten oder einem Zeugen geführt wurde, steht noch nicht fest.
Die Mordkommission bittet daher Zeugen, die am 24.08.2010 in der Zeit zwischen 14.45 und 15.15 Uhr in Geseke-Störmede auffällige Beobachtungen zu einem dunkelfarbenen Pkw, insbesondere einem dunkelblauen VW-Golf oder VW-Polo wahrgenommen haben, ihre Beobachtungen der Mordkommission unter Telefon 02941-91000 oder nächst gelegenen Polizeidienststelle mitzuteilen.