Kreis Paderborn sieht unhaltbare Verhältnisse und gravierende Mängel im Herz-Jesu-Haus
Paderborn. Herz-Jesu-Haus - wer den Namen liest, der denkt zuerst an Nächstenliebe. Doch in dem Seniorenzentrum an der Neuhäuser Straße in Paderborn soll es damit nicht weit her gewesen sein. Immer wieder wurden hier offenbar die Rechte und Bedürfnisse der Bewohner mit Füßen getreten. Nach Erkenntnissen der Heimaufsicht des Kreises Paderborn hat es im Heim über Jahre hinweg so unhaltbare Zustände gegeben, dass es nun zwangsweise geschlossen werden soll.
"Dort geht es nur ums Geld", sagt auch eine amtliche Betreuerin, die die Zustände im Herz-Jesu-Heim sehr gut kennt, aber namentlich nicht genannt werden möchte. Die Betreuerin spricht von einer "unsäglichen Situation". Dort seien "vor allem sozial schwache Menschen untergebracht", die sich kaum wehren könnten. "Das Pflegepersonal war bemüht", sagt die Betreuerin. Die Misere liege "eindeutig in der mangelnden Führung" begründet. So habe es auch beim Personal "einen ständigen Wechsel" gegeben.
Sowohl der private Träger der Einrichtung als auch die Pflegedienstleitung weisen die schweren Vorwürfe entschieden zurück. "Wir werden kämpfen", verspricht Rechtsanwalt Rolf-Dieter Prahl, der die Interessen des Herz-Jesu-Hauses vertritt. Prahl verweist dabei unter anderem auf den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), der das Herz-Jesu-Haus immerhin "mit der Note 3,2 bewertet" habe.
Unterlagen, die der Neuen Westfälischen vorliegen, weisen allerdings aus, dass dem Herz-Jesu-Haus mindestens sei 1998 immer wieder gravierende Mängel attestiert wurden. Doch trotz zahlreicher Hinweise von Heimaufsicht und MDK wurden sie offenbar nicht abgestellt. "Eine adäquate Körperpflege der Bewohner konnte nicht festgestellt werden", heißt es in einem aktuellen Bericht. Mehrere Heimbewohner hätten nicht genug zu trinken bekommen, bei dreien habe man "unerklärliche Gewichtsverluste" festgestellt. "Der sachgerechte Umgang mit Medikamenten war zum Zeitpunkt der Nachprüfung nicht gewährleistet", heißt es wörtlich.
Es fehle an individuellen Pflegeplanungen, den Bewohnern werde "keinerlei Wertschätzung" entgegengebracht. Man habe die "grundlegenden und selbstverständlichen Rechte und Bedürfnisse eines Menschen" missachtet, glaubt die Heimaufsicht des Kreises Paderborn. Rechtsanwalt Prahl will das "von einem unabhängigen Gutachter" prüfen lassen.