Paderborn/Hamburg/Bremen (dpa/nw). Judith Rakers trifft Ex-Greenpeace-Chef: Am morgigen Freitag, 22.45 Uhr, gibt die Paderbornerin ihren Einstand in der Traditions-Talkshow "3nach9" an der Seite von Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.
In dieser Ausgabe spricht die neue Moderatorin mit Thilo Bode, ehemals Chef von Greenpeace. Weitere Gäste sind der Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur und der Münsteraner Wolfgang Hölker, Chef des Coppenrath-Verlages. Die Talkshow wird zeitgleich in den dritten Fernsehprogrammen des Norddeutschen Rundfunks (NDR), des Hessischen Rundfunks (hr) und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ausgestrahlt.
Judith Rakers kann ganz anders als blond, brav und bieder: "Das nennst Du dann Sackwasser?", fragt Judith Rakers den Rapper Sido und wartet auch im weiteren Gesprächsverlauf mit einem Vokabular auf, das man dem "schönsten Gesicht der Tagesschau" nicht wirklich zugetraut hätte. Natürlich werden auch Worte wie "Arsch" von ihr sauber artikuliert, mit geschulter Stimme vorgetragen und bisweilen doch lieber noch mit einer Entschuldigung versehen.
Anti-Roche und Kaufanreiz
Es war ihr Gast-Auftritt als Moderatorin der Radio-Bremen-Talkshow "3nach9", die seit längerem eine "Neue" für Giovanni di Lorenzo suchte. Wirklich nur als Gastspiel geplant oder doch schon als Probe? Rakers hat den Job bekommen - am Freitag gibt sie ihren Einstand.
"Anti-Charlotte-Roche" musste sich die 34-Jährige bereits von der "taz" betiteln lassen. "Dass die Wahl auf Rakers fiel, zeigt, wie stark das gescheiterte Experiment mit der bei Viva bekanntgewordenen Roche nachwirkt", kommentierte die Zeitung den "kompletten Gegenentwurf" zu ihrer Vorgängerin.
Die "Feuchtgebiete"-Autorin Roche hatte fast auf den Tag genau vor einem Jahr mit großem Tamtam die Nachfolge von Amelie Fried als Moderationspartnerin des 51-jährigen di Lorenzo übernommen und sollte mit ihrer frech-flippigen Art der dienstältesten Talkshow im deutschen Fernsehen mehr jüngere Zuschauer bescheren. Die Einschaltquoten schnellten nicht in die Höhe, stattdessen verließ Roche die Sendung nach nur vier Monaten Anfang Januar wieder.
Es hat gefunkt
Die Trennung erfolgte nach Angaben des Senders in gegenseitigem Einvernehmen. Es gebe unterschiedliche Auffassungen über die Sendung, sagte Programmdirektor Dirk Hansen damals. "Wir wollen eine andere Sichtweise, die für alle Altersgruppen spannend ist", erklärte er.
Die Stammzuschauer sollten dabei aber nicht verprellt werden - es gehe vielmehr darum, das Publikum zu erweitern. Roche selbst antwortete erst jüngst in einem Interview mit der Zeitschrift "Emotion" auf die Frage, wie sie mit Niederlagen umgehe: "Wenn mich zum Beispiel jemand fürs Fernsehen einkauft und dann aber die ganze Zeit an mir herumdoktert, weil er eigentlich eine ganz andere haben will, gehe ich sofort wieder." In ihrer letzten "3nach9"-Sendung nahm sie noch auf dem Schoß eines Studiogastes Platz - danach war sie weg.
Seit bald 36 Jahren läuft "3nach9". Im Durchschnitt sehen nach Radio-Bremen-Angaben bundesweit etwa 1,5 Millionen Zuschauer die Talkshow.
Wie vor einem Jahr bei Charlotte Roche
Talkshow-Urgestein di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", ist seit 1989 dabei. Rakers spricht seit fünf Jahren die Nachrichten in der "Tagesschau" und stand schon für das "Hamburg Journal" des NDR Fernsehens vor der Kamera. Anfang 2010 gab die gebürtige Paderbornerin, die mit ihrem Ehemann in Hamburg lebt, diese Moderation aber ab. Ihr Gast-Auftritt bei "3nach9" im Juli sei nie als eine Art Casting geplant gewesen, betonte Redaktionsleiter Helge Haas. Doch dann habe es "gefunkt".
Journalistin Rakers, die auch immer wieder Vergleiche mit Eva Herman oder Susan Stahnke hinnehmen muss - beide einstige blonde "Tagesschau"-Aushängeschilder und nach Ausflügen in andere Gefilde abgestürzt -, gibt sich selbstbewusst: "Ich bin kein Kaufanreiz." Neben ihrem Kollegen di Lorenzo, mit dem sie am Freitag Gäste wie Hannelore Elsner, Moritz Bleibtreu und Ulrich Tukur empfängt, wolle sie eine gleichberechtigte Rolle einnehmen.
Dieser nannte sie bereits professionell, konzentriert und charmant. Auch Programmdirektor Hansen ist voll des Lobes: "Judith Rakers kann und wird zeigen, dass ihre Spannweite bis zu hemmungsloser Subjektivität reicht - und da ist sie bei "3nach9" genau an der richtigen Stelle." Jede Menge Vorschusslorbeeren wie vor einem Jahr für Roche - die Anti-Rakers.