Bad Salzuflen. Der Tag der Musterung sollte für Heiko Schormann ein ganz besonderer werden. Warendorf war als Standort auserkoren. In der dort beheimateten Sportkompanie wollte der angehende Soldat seinen reiterlichen Feinschliff erhalten. Aus dem Wunsch wurde keine Wirklichkeit. Am Ende der Untersuchung von 2001 stand die niederschmetternde Diagnose des Arztes: Niereninsuffizienz.
"Da denkst du, endlich einen weiteren großen Schritt nach vorn in der Welt des Springsports machen zu können, und dann so etwas", erinnert sich der 27-Jährige. Seine Nieren brachten nur noch eine Leistung von 40 Prozent, Tendenz fallend.
Aus war’s mit der fest eingeplanten Förderung beim Bund, stattdessen mehr Arztbesuche, als ihm lieb waren. Geholfen haben sie nicht. Es gab und gibt für die Erkrankung keine Erklärung. Bis zur Diagnose hatte eine der besten ostwestfälischen Nachwuchshoffnungen im Springsattel nie etwas von der Fehlfunktion seiner Nieren bemerkt. "Ich war beschwerdefrei", sagt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann aus Bad Salzuflen.
Erinnerung an dunkle Momente
Seit Oktober 2006 hängt er nun an der Dialyse – dreimal die Woche je fünf Stunden. Zunächst war der junge Mann in ein tiefes seelisches Loch gefallen, inzwischen hat er sein Schicksal angenommen: "Ich muss doch froh sein, dass es die Dialyse gibt, sonst würde es mich ja nicht mehr geben."
Seine schwere Krankheit hielt Schormann nicht davon ab, eine zweite Lehre als Pferdewirt zu beginnen. Zwei Jahre hielt er durch, die Zwischenprüfung absolvierte er, dann musste er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. "Dialyse, die schwere körperliche Arbeit – das konnte ich nicht mehr unter einen Hut bringen", sagt der Springreiter, "manchmal fühlte ich mich so kaputt wie nach einem Marathon." Mit Vater Wilfried, der Präsident des Reitervereins Bad Oeynhausen ist und als Parcoursbauer im Team von Frank Rothenberger (Herford) mitarbeitet, zog er die Notbremse. "Heiko war kräftemäßig am Ende", erinnert sich "Schorli" senior an die dunklen Momente im Jahr 2008, "da haben wir unseren Pferdebestand verringert und ihm eine längere schöpferische Pause gegönnt."
Inzwischen hat sich der Junior etwas erholt. Er reitet nach wie vor Turniere – und ist mit seiner in Holland gezogenen Fuchsstute Wimona sehr erfolgreich. Ende des Monats wird er mit der springfreudigen Pferdedame, die schon international gewonnen hat, im belgischen Lanaken bei der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde antreten.
Blut waschen während der Turniertage
Trotz seiner Krankheit bereitet Heiko Schormann der Reitsport noch immer Freude. "In Maßen betrieben tut er mir sogar gut. Er macht den Kopf frei und bringt dich auf andere Gedanken." Die Krankheit freilich sitzt immer mit im Sattel, doch Dialysezentren schreibt er vor Reisen an und hat auch im Ausland keine Schwierigkeiten, während der Turniertage sein Blut "waschen" zu lassen.
Schormann befolgt akribisch auf ärztlichen Rat. Seine Disziplin ist auch der Grund dafür, dass er, so wurde ihm mitgeteilt, wohl noch zwei Jahre auf eine Spenderniere warten muss. "Heikos Werte sind noch zu gut. Er wird sich gedulden müssen", erklärt Vater Wilfried. Viel Verständnis hat er dafür nicht: "Im Prinzip wird mein Sohn für sein diszipliniertes Verhalten bestraft." Heiko sehnt den Tag herbei, an dem er eine neue Niere bekommt. Vielleicht sogar aus der eigenen Familie. Doch Mutter Margret (Raucherin) fällt als Spenderin ebenso aus wie Tochter Sabrina (zu jung).
Bliebe also Vater Wilfried. Der hat zwar schon viele Operationen hinter sich und muss jede Menge Tabletten schlucken, hat aber mit seinem Filius zumindest die Blutgruppe gemein. Demnächst sollen in Hannover Gewebeproben entnommen werden, damit die Leidenszeit von Heiko endlich vorbei ist und er endlich wieder sein größtes Ziel in Angriff nehmen kann: Beim Nationenpreis für Deutschland anzutreten.