Geplante Buchverbrennung in USA am 11. September löst weltweit Sorge aus
Köln/Washington. Die Welt zittert vor einem Fundamentalisten, der auch schon in Köln jahrelang als christlicher Prediger tätig war. Dass Terry Jones (58) am 11. September, dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon, Koran-Exemplare verbrennen will, hat weltweit einen Proteststurm und große Besorgnis ausgelöst.
Aus Köln hatte sich Jones 2008 nach Florida abgesetzt, weil die Mitglieder der von ihm gegründeten "Christlichen Gemeinde Köln" (CGK) seinen autoritären Führungsstil nicht mehr hatten ertragen können. In der CGK habe es unter Jones "exorzismusähnliche Praktiken" gegeben, sagte der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, dieser Zeitung. Außerdem gebe es Hinweise, dass Kinder dort "mit der Rute gezüchtigt" wurden. Viele Mitglieder der CGK seien in der Sekte zerbrochen und hätten sich in therapeutische Behandlung begeben.
Unterdessen warnen die Vereinten Nationen vor den Folgen der für Samstag von Jones in Ganesville/Florida angekündigten Koran-Verbrennung. Auch der Vatikan protestierte. Die evangelische Kirche spricht von einer "unerträglichen Provokation". Erinnerungen an die Bücherverbrennungen der Nazis werden wach. US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnete das geplante Verbrennen des Korans als "respektlosen, schändlichen Akt". US-Justizminister Eric Holder nannte das Vorhaben "idiotisch und gefährlich".
Trotz Kritik und unabsehbarer Reaktionen aus der islamischen Welt: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Auszeichnung des Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard für eine energische Verteidigung der Pressefreiheit gegen religiöse Fanatiker genutzt. Unter massiven Polizeischutz wurde der 75-jährige Däne Westergaard in Potsdam mit dem Medienpreis M100 für seine Unbeugsamkeit für die Meinungsfreiheit geehrt. Merkel würdigte diesen Mut als Hauptrednerin der Veranstaltung. Das Geheimnis der Freiheit sei der Mut, so Merkel.
Dubiose Vereinigung mit 800 Mitgliedern
Doch Jones bleibt mit seiner Gemeinde "Dove World Out Reach Center" bei seinem Plan. "Wir sind entschlossen, es zu tun", sagte der Fundamentalist, ein früherer Hotelmanager. Er hatte die Christliche Gemeinde Köln in den 80er Jahren gegründet. Die dubiose fundamentalistische Vereinigung hatte zeitweise 800 Mitglieder. Die verbliebene CGK distanzierte sich gestern von Jones. Das Kölner Amtsgericht hatte ihn im Jahr 2002 wegen Führens eines falschen Doktortitels zu einer Geldbuße von 3.000 Euro verurteilt.
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