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09.09.2010
NRW
Kraft: Atomkonsens kostet Länder und Gemeinden drei Milliarden Euro
NRW-Ministerpräsidentin im NW-Interview
VON UNSEREN KORRESPONDENTEN PETER JANSEN UND ALEXANDRA JACOBSON

Gespräch in Düsseldorf | FOTO: SONDERMANN

Düsseldorf/Berlin. Der von der schwarz-gelben Koalition mit den vier großen Energiekonzernen ausgehandelte Atomkonsens kostet Länder und Gemeinden mehr als drei Milliarden Euro in den nächsten sechs Jahren. Für Empörung bei SPD und Grünen sorgte darüber hinaus das Bekanntwerden massiver Schutzklauseln im Atomkonsens der Bundesregierung zugunsten der Kraftwerksbetreiber.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte in einem Interview mit unserer Zeitung, da die Energiekonzerne die neue Brennelementesteuer bei der Körperschafts- und Gewerbesteuer absetzen könnten, gingen den Ländern jährlich 170 Millionen Euro und den Kommunen 360 Millionen Euro verloren. "Diese Milliardenausfälle sind nicht zu verkraften", sagte Kraft. Die Koalition im Bund "ist vor der Atomlobby eingeknickt".

Die Atomkonzerne haben sich in dem Vertrag mit der Bundesregierung weitreichende Schutzklauseln zusichern lassen. Nach vorliegenden Informationen sind die Kosten für die mögliche Nachrüstung auf 500 Millionen Euro je Kernkraftwerk begrenzt. Auch würden sich die Zahlungen der Konzerne für den neuen Ökostrom-Fonds reduzieren, wenn eine künftige Regierung die 2016 auslaufende Atomsteuer verlängert oder erhöht. Hier haben die schwarz-gelbe Koalition und die Atombetreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall eine Sperre eingebaut, um Rot-Grün bei einem möglichen Wahlsieg Änderungen an längeren Laufzeiten zu erschweren.

Als bislang einmaligen Vorgang hat SPD-Chef Sigmar Gabriel diese Zusicherungen der Koalition an die Energiekonzerne kritisiert. "Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Regierung die Sicherheit der Bevölkerung so dreist verkauft", sagte er. Wer alte Atomkraftwerke länger laufen lassen, die erforderliche Nachrüstung bei der Sicherheitstechnik aber nicht bezahlen wolle, verstoße gegen Recht, Gesetz und Verfassung. "Diese Bundesregierung ist ein Sicherheitsrisiko", sagte der frühere Umweltminister weiter.
Auch die Grünen reagierten empört. "Das sieht nach einem verdammt schmutzigen Deal aus", sagte die Vize-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn in Berlin.


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Kommentare
Reine Heuchelei, was kosten den Bürger die abstrusen Einspeisevergütungen (auch mit Vorbedacht langsfristige garantiert) und die Ökosteuer.
Lügenkanzlers Helfer machen dem Namen Schwindler plünernd Deutschland für dessen Partei wirklich wahr.

@Micha: Echter Ökostrom kommt nie aus irgendwelchen Reaktoren! Wichtig ist nur, dass man keinen "Alibi-Ökostrom" von den großen Versorgern nimmt. Die erwähnten vier Unternehmen bieten 100% sauberen Strom an.

Mit Sicherheit bin auch ich kein Fan der ohne Zweifel risikobehafteten Atomtechnik. Aber ich persönlich muss sagen, lieber Atommeiler hier im Land weierlaufen lassen, als den angeblichen Ökostrom zu kaufen, der in völlig maroden und desolaten Meilern in Frankreich und dem Ostblock produziert wird. Bevor jemand fragt: NEIN, ich bin kein Arbeitnehmer eines Stromkonzerns, im Gegenteil, ich lebe davon, PV-Technik herzustellen.

Nicht meckern, einfach machen! Nichts ist einfacher und problemloser zu erledigen, als wie ein Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter. Derer gibt es vier. Wenn es denn überhaupt ein wenig teurer werden sollte, ist einem das nicht wert? Diese Lumpen kriegt man nur mit ihren eigenen Waffen und das ist nun mal das liebe Geld. Jeder der wechselt, ist einer weniger bei denen.

@ Caro: Na wer sagts denn ... ich naiver Wicht hatte doch tatsächlich gedacht, dass die eine Schamfrist einhalten ... Da gibt es eigentlich doch nur eins: Die Stromkonzerne zerschlagen und vergesellschaften, damit nicht der Profit von ein paar wenigen, sondern eine sichere, saubere und zuverlässige Energieversorgung das Ziel wird



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