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16.09.2010
OWL
Maus-Attacke auf wehrlose Frau
Nagetier verletzt im Klinikum Herford das Gesicht einer Schwerkranken
VON DIRK WINDMÖLLER

Nach den Biss-Attacken | FOTO: NW

Löhne. Allein der Gedanke sorgt schon für Panik. Eine Maus verletzt einen wehrlosen Menschen im Gesicht. So ist es Behinaz T. im Klinikum Herford widerfahren.

Die 81-Jährige Türkin, die in Löhne lebt, leidet an Demenz und Parkinson und war zur Behandlung in einem Herforder Krankenhaus. "An dem Tag, als meine Mutter entlassen werden sollte, bekamen wir einen Anruf aus der Klinik", erinnert sich Sohn Yüksel. Die Entlassung verschiebe sich und er solle so schnell wie möglich kommen.

Dass es zu Komplikationen gekommen war, das war ihm in diesem Moment klar. Die Geschichte, die ihm Pflegepersonal und Ärzte dann erzählten, "die konnte ich erst gar nicht glauben", sagt Yüksel T.

Attacke in der Nacht vor der Entlassung

In der Nacht vor der ursprünglich geplanten Entlassung seiner Mutter kam es zu der Maus-Attacke. "Eine Schwester war auf dem Flur unterwegs, als sie aus dem Zimmer meiner Mutter ein leises Wimmern hörte." Die schwerkranke Behinaz T. war zu schwach, sich zu artikulieren. "Als die Schwester die Tür aufmachte, saß das Tier im Gesicht meiner Mutter."

Gesunde Menschen hätten in einer solchen Situation die Maus vom Gesicht geschlagen. "Meine Mutter war zu krank dazu. Sie konnte ihre Hände nicht bewegen", sagt T. Wehrlos musste die kranke Frau den Nager-Angriff über sich ergehen lassen. Die Schwester habe das Tier zwar verscheuchen aber nicht fangen können. Als sie nach ein paar Minuten wieder im Zimmer von Behinaz T. war, habe die Maus wieder auf dem Gesicht gesessen. Erneut habe das Tier reiß aus genommen. Später gelang es dann Mitarbeitern des Krankenhauses, das Tier zu fangen und zu töten.

Info
"Geleckt und zugebissen"
     
Für Willa Bohnet von der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist das Verhalten der Maus nicht ungewöhnlich. "Mäuse sind wie alle Tiere neugierig. Wenn sich in einem Raum nichts bewegt erkunden sie die Umgebung", sagt die Tiermedizinerin. Weil die Patientin sich nicht bewegt habe, sei die Maus aufs Gesicht gekrabbelt. "Da wird dann zuerst geleckt und auch mal zugebissen." (indi)

Die Maus hatte keine Probleme in das Zimmer der Kranken zu kommen, dass im Erdgeschoss lag. Die Schiebetür stand einen Spalt offen. Der Nager hat das Gesicht erheblich verletzt. Noch Tage nach dem Angriff sind die Wunden gut zu erkennen. Die Verletzungen wurden umgehend chirurgisch behandelt, die Wunden ausgewaschen und Behinaz T. vorsorglich geimpft.

Auf mögliche Krankheitserreger untersucht

Das tote Tier wurde in der tierärztlichen Hochschule Hannover auf mögliche Krankheitserreger untersucht, die Menschen gefährlich werden können. Die Patientin hatte Glück: Es wurde nichts bedrohliches festgestellt.

"Das Verhalten des Pflegepersonals und der Ärzte war völlig in Ordnung. Die haben sich sehr bemüht und sich vielmals entschuldigt", betont Yüksel T. Überhaupt nicht in Ordnung war aus Sicht von Familie T. das Verhalten der Klinikleitung. "Die haben nicht ein Wort der Entschuldigung für uns gehabt. Und das ist ja wohl das mindeste, dass wir erwarten können, dass sich der Chef persönlich an uns wendet."

Verwaltungsdirektor Manfred Pietras räumt den Vorfall ein. "Was Frau T. passiert ist, ist sehr bedauerlich. Eigentlich ist es unvorstellbar, dass so etwas ausgerechnet in einem Krankenhaus geschieht." Aber zu 100 Prozent auszuschließen sei es nicht, dass eine Maus den Weg ins Klinikum findet. "Das passiert ja auch in Privathäusern oft genug. Im Klinikum Herford ist das jedoch der erste Fall in 40 Jahren", betont Pietras. "Wir haben hier kein Mäuseproblem."

Schiebetüren nicht gegen Nager gesichert

Dass die Schiebetür offen stand, sei nötig gewesen, weil die Patientin frische Luft brauchte. Pietras hält es nach der Maus-Attacke nicht für erforderlich, die Schiebetüren im Erdgeschoss gegen Nager zu sichern. "Mit Mäusedraht kommen sie da nicht weit.

Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Mäuse die Wände hochgehen." Nach seiner Überzeugung wird der Fall von Behinaz T. eine absolute Ausnahme bleiben. Nur wenige Patienten seien in einem Zustand, der es ihnen unmöglich mache, ihre Arme zu bewegen.

Den Vorwurf, dass sich das Klinikum gegenüber der Familie falsch verhalten hat, lässt er nicht gelten: "Es sind etliche Gespräche von Ärzten und Oberärzten sowie dem Pflegepersonal mit der Familie geführt worden. Es wurde auch ein Gespräch mit dem Chefarzt angeboten. Von diesem Angebot wurde nicht Gebrauch gemacht."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Ehrlich gesagt glaube ich dem Krankenhaus die Geschichte mit der Maus nicht. Wieso soll eine Maus an einem Menschen knabbern. Wie soll eine Maus das Krankenbett hochkommen, das ist aus sehr rutschigem Stahlgestänge gebaut. Weshalb sollte eine Maus sich überhaupt die Mühe machen und ein Bett mühevoll hochkrabbeln, wenn da keine riechbare Nahrung oben war, es lag ein Mensch im Bett und die riechen für Mäuse nicht nach Nahrung. Fakt ist dass es eine Frau gibt die verletzt aufgefunden worden ist und man dem Sohn eine Erklärung geben muss warum das so ist. Aber die Frage sei erlaubt wieso diese Maus so anders ist als alle anderen Mäuse dieser Welt... also naja, die Geschichte die das Krankenhaus erzählt klingt für mich sehr sehr sehr merkwürdig.

@Thomas: Gut so, nur immer auf die Krankenkassen meckern. Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: KEINE Krankenkasse kann es sich leisten, hauseigene Kontrolleure loszuschicken um den Standard in JEDER Klinik zu prüfen und zu egwährleisten. Wenn Sie aber statt der momentan schon völlig überzogenen 14,9% (ab 01.01.2011 sogar 15,5%) lieber 35% Ihres Bruttoeinkommens zahlen möchten, dann kann auch solch eine Kontrolle bestimmt finanziert werden.

Und wieder Hetzerei gegen das Klinikum...Ich denke auch das es nicht passieren darf aber passieren kann!
Und was manche hier für Äußerungen abgeben ist wohl auch fehl am Platz.
Was würde es ändern wenn der Klinikchef sich persönlich entschuldigen würde?
Denke eher das die NW mal etwas weniger aufbauschend reagieren sollte!
Ich kenne viele Leute die mit der hervorragenden Pflege und Kompetenz des Klinikums mehr als zufrieden sind!
Und ich würde immer wieder ins KLINIKUM gehen!!!

Wir Versicherten zahlen immer mehr in die Kassen ein und wo bleibt die Gegenleistung? Einfach unfassbar was bei unserem überfinanzierten Gesundheitssystem alles möglich ist.

Dieser Vorfall sollte als das bewertet und ggf. auch kommentiert werden, was er wirklich ist : ein sehr bedauerliches Ereignis, das einem alten und kranken Menschen widerfahren ist. Nationalität und Herkunft eines Betroffenen dürfen nicht unser Mitgefühl und Anteilnahme beeinflussen. Zynismus und spöttische Kommentare sind immer fehl am Platz, wenn Menschen etwas Schlimmes widerfahren ist.



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