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19.10.2010
OWL
Briten ziehen Rheinarmee schneller aus OWL ab
Truppen sollen Standorte bis 2020 verlassen / Betroffene Reaktionen in der Region
VON UNSEREN LOKALREDAKTIONEN

Bielefeld/London. Das hochverschuldete Großbritannien streicht seinen Verteidigungsetat massiv zusammen und beschleunigt den Abzug der Rheinarmee aus OWL. Die britischen Truppen würden Deutschland bis 2020 verlassen, kündigte Premierminister David Cameron in London an.

Die Hälfte der Soldaten soll bis 2015 abgezogen werden, der Rest bis 2020 folgen. Ursprünglich war der Abzug bis 2035 geplant.

"Wir haben zwar Gerüchte gehört, wurden von der Nachricht aber selbst überrascht", sagte Rheinarmee-Sprecherin Helga Heine auf Nachfrage der Neuen Westfälischen. Zu welchem Zeitpunkt die Einheiten aus Ostwestfalen-Lippe abgezogen werden, könne sie frühestens März 2011 sagen.

"Für uns wird das Leben erst mal so weitergehen wie gehabt", sagte Heine – auch Projekte wie die umstrittenen Kampfdörfer in der Senne. "Die Truppen werden auch weiterhin nach Afghanistan verlegt und müssen für den Einsatz ausgebildet werden. Das bleibt Priorität."
Info

Britische Soldaten in Deutschland

  • In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind 20.200 Soldaten der "British Forces Germany" stationiert. Mit Familienangehörigen und Zivilangestellten sind es 43.300 Personen. Größter Standort ist Gütersloh mit insgesamt 14.200 Personen, es folgen Paderborn mit 11.200 und Bergen-Hohne mit 10.400 Personen.
  • Die Liegenschaften wie Truppenübungsplätze und Kasernen gehören dem Bund. Für den Unterhalt mussten die Briten sorgen und auch Neubauten selbst finanzieren. Beim Abzug fallen alle Liegenschaften wieder dem Bund zu.
  • Das britische Verteidigungsministerium investiert jedes Jahr 1,5 Milliarden Euro in NRW und Niedersachsen.
  • Die British Forces beschäftigen 4.500 vor allem deutsche Zivilangestellte.
  • Standorte: Garnison Gütersloh: Bielefeld, Gütersloh, Herford, Münster; Garnison Hohne: Bergen-Hohne, Celle, Bad Fallingbostel; Garnison Paderborn: Hameln, Paderborn, Sennelager; Garnison Rhein: Dülmen, Niederkrüchten-Elmpt, Mönchengladbach, Wulfen. (Quelle: British Forces)


"Das ist wirklich heftig"

Die Nachricht von dem schnellen Abzug löste Betroffenheit in Politik und Verwaltung aus. "Das wäre eine mittlere Katastrophe für Stadt und Kreis. Die Wirtschaft verliert viel Kaufkraft. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das ist wirklich heftig", sagte der Gütersloher Landrat Sven Georg Adenauer. "Die Briten waren immer verlässliche Partner und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das wäre ein harter Schlag. Außerdem verlieren wir, wenn das stimmt, gute Freunde", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus.

Alarmstimmung auch in Paderborn: Noch vor wenigen Monaten, so Bürgermeister Heinz Paus, habe es Signale der Briten gegeben, die für Paderborn in eine andere Richtung gedeutet hätten. "Gerüchteweise" habe er in den letzten Tagen erfahren, dass es anders kommen soll. Es sei eine "sehr massive und schockierende Nachricht für die Stadt, damit haben wir nicht gerechnet", sagte Paus. Jetzt müsse in Ruhe über die Konsequenzen für Paderborn nachgedacht werden.

Angesichts tausender in Paderborn lebender Soldaten und ihrer Familienangehörigen gehe es nicht zuletzt auch um einen erheblichen Wirtschaftsfaktor. "Ihre Kaufkraft wird nicht mehr in diese Stadt fließen, ihre Wohnungen werden am Markt nicht mehr nachgefragt werden", Paus hat in den 90er Jahren den Abzug der Briten aus Detmold hautnah miterlebt. "Dort stehen noch heute Kasernen leer. Dort gibt es noch heute Probleme auf dem Wohnungsmarkt."

Auswirkungen auf fast alle Branchen

"Der Abzug der britischen Streitkräfte wird Spuren in der Region hinterlassen", betonte auch der Paderborner CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann. Durch den Kaufkraftverlust von 300 Millionen Euro im Jahr sieht er Auswirkungen auf fast alle Branchen.

Wie bewerten Sie den Rückzug der britischen Truppen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung und nutzen Sie dafür das unten stehende Kommentarfeld.


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Kommentare
OH NEEEEIIIIN!!! BITTE NICHT!!! Es wird doch alles immer bescheidener... Ich arbeite in einem der, sehr gut von engländern besuchten, Läden und dass sind wohl die nettesten Menschen, die es gibt!
Das Klischee " die (...) säufer, die sich immer prügeln" ist absoluter BULLSHIT!
Schon mal was von Schubladendenken gehört??? Nennt mir mal einer, EINE "brave" Nation???

(...)

Mein Mann arbeitet für die Brittischen Armee in Bergen Hohne.
Wir sind sehr überrascht das es doch so schnell geht, und das meiste aus die Zeitungen erfahren habe.
Gleichzeitig Traurig, weil wir betroffen sind und nicht wissen wie es weiter mit uns geht.
Ihm fehlen noch einige Jahren.
Wir sind beide Holländer, und nicht gerade jung.
Jetzt aus die Zeitungsberichten kann es Deutschalnd auf einmal nicht schnell genug gehen das die Britten gehen.
Aber gelebt haben die aber sehr gut.
Ihr wird es nicht glauben, ich fühle mich wie abgestempelt im Dorf.
Mir fehlen im Moment die Worten.

Hier in Osnabrück trauern auch viele noch den Briten nach, die im letzten Jahr die letzte Kaserne geschlossen haben. Mir sind die Briten in guter Erinnerung geblieben. Die Stadt Osnabrück ist sehr bemüht die Kasernenflächen zu vermarkten. Das klappt erstaunlicher Weise sehr gut. Trotzdem würde ich gerne noch britische Soldaten hier sehen! Ein paar sind geblieben, da sie hier noch wohnen und deutsche Frauen haben.

Hmm, ich finde es schon erschreckend was für Kommentare hier zum Teil abgelassen werden. Also, ich fühle mich schon sehr betroffen von der Nachricht das meine liebgewordenen Nachbarn bald das Land verlassen sollen. Ich bin auch echt mal gespannt was dann mit den leerstehenden Häusern wie z.B in Sennelager Am Heilandsfrieden usw passiert. Ich denke mal das wir dann ganz andere Nachbarn bekommen die vielleicht nicht ganz so nett sein werden. (Habe ich schon in Dortmund erlebt). Es ist aber nicht nur der Einzelhandel und der Gastromie Bereich betroffen. Was ist z.B mit den Banken. Ein Führungsmitglied einer Schloß Neuhäuser Bank hat mir gesagt sollten die Briten wirklich abgezogen werden würden in seiner Filiale alleine 3 Stellen wegfallen. Was ist mit dem Golfplatz in Bad Lippspringe dem ganzem Sennelager Einzelhandel, Stuckenbruck Safaripark, Paderborner Hotels usw usw. Die Senne zum Nationalpark machen. Sehr guter Gedanke und wer finanziert das langfristig. Der Paderborner Steuerzahler (das ist der der Steuern zahlt). Aber vielleicht übernehmen die Kosten ja die zukünftigen Bewohner der leerstehenden Wohnungen. Bezüglich der betrunkenen britischen Raufbolde, dass ist doch echt lachhaft solche Kommentare abzugeben. Es laufen in Paderborn genügend deutsche, angehöhrige anderer Nationalitäten sowie britische Raufbolde rum. Aber an alle Beführworter vom Abziehen der britischen Armee in Paderborn fahrt doch mal am Wochende und schaut euch Osnabrück oder Menden oder manche Teile von Dortmund (Wambel/Brackel) usw an. Dann seht Ihr mal wie gut es Ihnen dort geht ohne die zahlungkräftigen "Besatzer" und wie super Sie das Defizit ausgleichen konnten.

Kenne viele stationierte Briten hier in Gütersloh, fast alle davon kaufen bei Marktkauf oder Real ein, besuchen deutsche Friseure, Restaurants, Kneipen, Bäckereien u.s.w und sofort. Meine Bekannten sind ganz normale Durchschnittsfamilien, keine saufenden Pöbler, die git es in jeder Bevölkerungsschicht. Oft sind englische Soldaten mit deutschen Frauen verheiratet und in der Klasse meiner Tochter sind 5 Kinder mit englischen Daddys.
Es ist echt schade, ich finde in Gütersloh gehören sie einfach dazu und sie liegen keinen einzigen deutschen braven Steuerzahler auf der Tasche, wer kommt immer auf so einen Unsinn??
Habe die Briten nie als "Besatzer" gesehen und ich denke so sehen sie sich selber auch nicht.



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