Bielefeld. "Wir möchten die Briten in guter Erinnerung behalten", sagt Karsten Otte, Sprecher der Umweltverbände in Ostwestfalen-Lippe. Die Ankündigung, dass deren Streitkräfte Deutschland vorzeitig verlassen, hat bei Otte eine kaum überhörbare Sorge um den Truppenübungsplatz Senne ausgelöst.
Wie mehrfach berichtet, wollen die Umweltschutzverbände und die rot-grüne Landesregierung dort möglichst bald einen Nationalpark errichten. Bei einem Abzug der Briten sei es wünschenswert, dass diese zuvor ihre militärisch genutzten Anlagen renaturierten, sagt Otte. Auch die Heide-, Trockenrasen- und Dünenflächen, die zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen und die Senne zu einem einzigartigen Biotop machen, müssten weiter freigeschnitten werden.
Mike Whitehurst, Sprecher der Briten, sichert zu, dass diese Aufgaben weiter erfüllt werden. "Wir hauen hier nicht einfach ab", verspricht er. Vor einer Übergabe des Truppenübungsplatzes werde man sehr eng mit der Forstverwaltung, der Bezirksregierung und den Umweltverbänden zusammenarbeiten.
Whitehurst erinnert daran, dass die britischen Streitkräfte vor einiger Zeit ein Trainingsgelände in der Lüneburger Heide aufgegeben hätten - für die vorbildliche Renaturierung seien sie sogar mit einem Preis bedacht worden. Bei einem Abzug aus der Senne würden dort auch die umstrittenen neuen Kampfdörfer wieder entfernt, sagt Whitehurst. Vorläufig würden diese aber noch gebraucht.
Dass Flora und Fauna wegen der Präsenz der britischen Militärs in der Senne bislang relativ ungestört gedeihen konnten, gilt als unbestritten. Auch der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge ist sich dessen bewusst. Nach einem Abzug der Briten würde "eine unkontrollierte Begehbarkeit aller Flächen im Verein mit anderen Nutzungsintensivierungen die wertvollen Lebensräume sehr schnell zerstören", sagt die Fördervereinsvorsitzende Ute Röder. Deshalb müsse nun ein Beschluss des NRW-Landtages aus dem Jahr 1991 möglichst bald umgesetzt werden.
Der Landtag hatte damals entschieden, dass nach der Beendigung der militärischen Nutzung in der Senne "unverzüglich ein Nationalpark geschaffen" werden soll. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Eigentümerin des Truppenübungsplatzes ist, will davon aber noch nichts wissen. Ihr liegen angeblich "noch keine konkreten Planungen der Britischen Streitkräfte vor".