Gütersloh. Deutliche Abfuhr für Tönnies: Einstimmig hat der Gütersloher Planungsausschuss Donnerstagabend die Erweiterung der Schlachtzahlen in Avenwedde-Bahnhof abgelehnt. Daran konnte auch ein Telefonat von Clemens Tönnies nichts mehr ändern.
Der Unternehmer hatte sich erstmals in die Angelegenheit eingeschaltet. Stadtbaurat Josef E. Löhr, der die Empfehlung gegeben hatte, die Erweiterung abzulehnen, hatte am Nachmittag mit Clemens Tönnies telefoniert. Tönnies habe deutlich gemacht, dass er die Rinderschlachtung am Kanarienweg derzeit brauche. Er beabsichtige, in Rheda einen Schlachthof für Großvieh zu bauen, aber noch sei es nicht so weit. Bei Gelingen des Vorhabens in Rheda, so habe Clemens Tönnies versichert, werde der Betrieb in Avenwedde-Bahnhof aufgegeben und abgerissen.
Die Gütersloher Politiker beeinduckte diese Aussage indes wenig. Vertreter aller Fraktionen legten sich gegen die Erhöhung der Schlachtzahlen fest. "Hier ist etwas zusammengewachsen, was nicht zusammengehört", bezog sich SPD-Ratsherr Clemens Offel auf die Nähe des Schlachthofes zu den Wohnhäusern. Als die Stadt den Betrieb 1976 genehmigt habe, sei von einem kleinen ländlichen Schlachthof die Rede gewesen. "Nun soll daraus ein industrieller Schlachtbetrieb werden", sagte Offel. "Das können wir nur ablehnen. Es ist unsere Aufgabe, die Anwohner zu schützen."
"Klare Furche"
"Wir haben uns von Anfang an gegen die Erweiterung ausgesprochen", sagte Silva Schröder (CDU). Ihr Fraktionskollege Gerhard Feldhans wies den Tönnies-Vorwurf, die Stadt offenbare mit ihrem Vorgehen einen schlechten Stil, vehement zurück. "Das ist kein schlechter Stil, sondern ein klarer", sagte Feldhans. "Wir haben immer eine klare Furche gezogen."
Auch Norbert Bohlmann (UWG) sagte, die Beschlusslage sei immer eindeutig gewesen. "Der Betrieb ist hier an der falschen Stelle, am falschen Standort." Norbert Morkes (BfGT) und Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) pflichteten ihm bei.
Das letzte Votum über die nötige Satzungsänderung für den Bebauungsplan samt Veränderungssperre hat der Stadtrat am 26. November. Bis dahin, so Löhr, werde die Stadt eine externe Beurteilung einholen, ob eine etwaige Tönnies-Forderung auf Schadensersatz berechtigt sei oder nicht. Tönnies droht, sich 250.000 Euro Planungskosten von der Stadt zurückholen zu wollen, plus, wie Löhr gestern sagte, entgangenen Gewinn.