Bielefeld. Ein halbes Dutzend Parkbuchten geräumt – und abends trotzdem keinen Stellplatz gefunden. Viele Autofahrer sind von den Schneebergen auf den Straßen genervt. Die Räumdienste schaffen es oft nur, eine schmale Fahrspur freizuhalten. Parkflächen bleiben auf der Strecke. Die Parknot trifft auch Weihnachtseinkäufer. Einige von ihnen wiederum behindern Winterdienst und Stadtbahnen.
Um ein Chaos wie am Montagabend, als ein Falschparker die Linie 3 blockiert hatte, zu vermeiden, hat das Amt für Verkehr gestern Absperrgitter und Baken an den Parkbuchten an Schildescher und Nikolaus-Dürkopp-Straße aufgestellt. Bereits am Dienstagabend hatte es an der Hauptstraße in Brackwede Schilder mit absolutem Halteverbot angebracht. "Doch als gestern der Umweltbetrieb versuchte, dort Schnee zu räumen, hatte sich kaum ein Autofahrer an das Verbot gehalten", so Martina Hülsmann vom Amt für Verkehr: "Der Umweltbetrieb will heute Morgen vor Geschäftsbeginn einen neuen Versuch starten. Wir möchten möglichst schnell den Schnee beseitigen, bevor wieder neuer fällt."
Im Internet bei nw-news.de kritisieren Leser, dass Anwohner kaum ihren Räumpflichten nachkommen und die Stadt Bielefeld wie viele andere auch den "Winterdienst systematisch kaputtgespart" habe. Die Brackweder Geschäftsleute sollten ihre Parkbuchten selbst räumen, dann gebe es keine Probleme mit der Stadtbahn mehr. Die Kritik an "Dumm-Parkern" und "Schlecht-Schnee-Räumern" paart sich aber auch mit einem gewissen Verständnis. Einer fragt: "Wohin soll man den Schnee denn schieben?"
Ein Problem, vor dem auch der Umweltbetrieb steht. In den engen Straßen, gerade, wenn auf beiden Seiten geparkt wird, haben Räumfahrzeuge Mühe, wenigstens eine Spur freizuhalten. Rainer Hempelmann von der Stadtreinigung: "Da ist es oft heftig." Um einzelne Parkflächen freizuräumen, schütten Anlieger teils Meter hohe Haufen auf. Hempelmann: "Der Schnee ist nicht mehr fortzuschaffen." Da hilft nur: Warten, bis es taut. Anlieger sollten, wenn genug Platz vorhanden ist, den Schnee in die Gärten schaufeln.
In mancher Straße versperren haltende Autos den Räumfahrzeugen den Weg. "Dann versuchen wir es später noch einmal", erklärt Hempelmann. Den Abschleppwagen zu holen, sei zu aufwändig. Trotzdem habe es der Winterdienst bis gestern geschafft, auch alle Wohn- und Anliegerstraßen zu räumen. Salz komme aber nur auf Haupt-, Berg- und Gefahrenstrecken.
Große Probleme hat weiter die Müllabfuhr. Etwa zehn Prozent der Behälter konnten nicht geleert werden. Für die härtesten Tage 17., 20. und 21. Dezember gebe es Ersatztermine am 31. Dezember, 3. und 4. Januar. Am schwierigsten sei es an Wohnanlagen, wo die Großbehälter im Schnee nicht zu bewegen seien.
Wo es Mangel gibt, lassen Beschwerden nicht auf sich warten. Am Dienstag, als die Probleme besonders groß waren, riefen hunderte Bürger bei der Stadt an, weil nicht geräumt oder Müll nicht abgefahren war. "Manche reagieren sachlich, andere aber beschimpfen uns aufs Übelste", so Hempelmann. Die Grünunterhaltung verstärke mittlerweile den Winterdienst. Und die Kanalunterhalter schaufeln Gullys frei, damit bei Tauwetter das Wasser abfließt.
Pfützen und Matsch ärgern nicht nur Fußgänger und Radfahrer. Auch in Tiefgaragen und Parkhäusern bilden sich kleine Seen. Taut ein dick mit Schnee bedecktes Auto ab, fließen über 200 Liter ab. Das Parkhaus Am Zwinger hat das oberste, offene Deck gesperrt, weil der Schnee nicht mehr fortzuschaffen ist.
Trotzdem ist der Einzelhandel relativ gelassen. "In Bielefeld klappt das Parken trotz Eis und Schnee ganz gut", sagt Jörg Beyer vom Einzelhandelsverband: "Keiner muss fürchten, sein Auto nicht loszuwerden." Die Parkhausdichte in Bielefeld sei hoch. Schwieriger ist es beim Kurzparken in den Straßen. Beyer: "Aber das ist bei gutem Wetter auch nicht anders."