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31.01.2011
PADERBORN
In OWL können junge Spiele-Entwickler ihr Handwerk lernen
Virtuelle Welten bauen
VON SAMUEL ACKER

Spiele-Entwickler | FOTO: GOOD GAMES / MONTAGE: ANDREAS FAHL

Paderborn. Statt Picasso oder Dali kann man in Berlin nun Tetris und Pong bewundern – dort wurde das weltweit erste Computerspiel-Museum eröffnet. Sogar der deutsche Kulturrat hat Videospiele als Kulturgut anerkannt. Die Branche boomt. In Ostwestfalen-Lippe können sich zukünftige Spiele-Entwickler das nötige Wissen für ihren Traumjob aneignen – denn gerne Zocken reicht für den Beruf lange nicht aus.

In der Region haben auch Robert Schmidt und Tim Schrader aus dem Kreis Soest ihr Handwerk gelernt. Die 23-Jährigen haben "Game Development" am privaten BIB College in Paderborn studiert. "Die Ausbildung war schon anstrengend", sagt Schmidt. In vier Semestern sollen die Spielebegeisterten die Grundlagen der Informatik erlernen sowie Computergrafiken und 3 D-Modellierung üben.

"Ich wusste immer, dass ich genau das machen will", betont Schrader. Vor allem der Spieleheld Super Mario hatte es ihm schon in der Kindheit angetan. Bald kritzelte er seine Schulhefte voll mit Skizzen und Designs für eigene Spiele-Ideen. Auch für Robert Schmidt ist Spiele-Entwickler mehr als ein Beruf. "Etwas komplett Neues zu erschaffen ist sehr aufregend."

"Man kriegt wenig Schlaf"
Screenshot aus dem Spiel "Goodgame Disco" | FOTO: GOOD GAME STUDIOS

Momentan arbeiten beide beim Hamburger Spiele-Studio "Goodgame Studios". Das Studio stellt sogenannte Browser-Spiele her: Kostenlose Spiele mit eher einfacher Grafik fürs Internet. "Dem Klischee nach müssten wir ja in dunklen Kellerräumen arbeiten", lacht Schmidt. Tatsächlich sitzen sie aber in hellen Büros – sogar einen Swimming Pool können die Entwickler nutzen. Die Einstiegsgehälter für fertig ausgebildete Spiele-Programmierer liegen bei etwa 30.000 Euro im Jahr. "Man kriegt beim Programmieren manchmal wenig Schlaf, aber das muss man in Kauf nehmen.", sagt Schrader. Momentan arbeiten die beiden am Design für das Aufbau-Spiel "Goodgame Disco". Dabei wird der Spieler in die Rolle eines Nachtclub-Besitzers versetzt, der seinen Tanzschuppen in die beste Disco der Stadt verwandeln will.

Ähnliche Projekte kennt auch Eckard Fischer. Er betreut den Studiengang "Game Development" am BIB College. Viele Studenten würden mit falschen Erwartungen das Studium beginnen. "Gerne Zocken reicht nicht", erzählt Fischer. "Wir erwarten auch gute Noten in Mathematik und Physik." Das Studium selbst sei ein "Full-Time-Job." Etwa 90 Prozent der gut 20 Studierenden pro Jahrgang seien Männer - "da ist einfach mehr Leidenschaft für Computerspiele vorhanden", sagt Fischer. Mit 425 Euro pro Monat ist die Ausbildung allerdings auch nicht gerade günstig.

Bastian Wendzinksi hat es als Quereinsteiger in die Branche geschafft. Der 29-Jährige hat an der Universität Paderborn Geschichte, Amerikanistik und Medienwissenschaften studiert. Mit so einer Ausbildung wird man eigentlich eher Lehrer oder Historiker. Dann besuchte er 2009 ein Seminar der Medienwissenschaften, für dass die Studenten selbst ein kleines Computerspiel entwickeln sollten. Heraus kam "Shah Mat" (persisch für "Schach Matt"), ein Schachspiel mit Kampfeinlagen. Für das Projekt habe er viele Nächte durchgemacht - doch er wurde mit einem Auftritt bei der "Gamescom", der größten deutschen Computerspielmesse in Köln, belohnt.

Info
Infotext: Größerer Umsatz als Kinofilme

In der deutschen Computer- und Videospiel-Branche sind nach Angaben des Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) etwa 10.000 Personen beschäftigt. Der Umsatz der ersten drei Quartale 2010 lag bei 894 Millionen Euro. "Damit wird in der Spiele-Branche mehr Geld verdient als durch Kinofilme", so BIU-Sprecher Andreas Leisdon. Der Trend gehe zu Browser-Spielen und tragbaren Spiele-Konsolen. Gerade in der Sparte der kostenlosen Browser-Spiele würden händeringend neue Kräfte gesucht. "Für Programmierer, die sich mit Game-Design und Internet-Applikationen auskennen, sind bis zu 1.000 Stellen frei", so Leisdon.



Videospiele als Kunst

Mittlerweile arbeitet Wendzinski als Praktikant bei "Blue Byte". Das Düsseldorfer Spiele-Studio erfand die Strategie- und Aufbau-Reihe "Die Siedler" - einer der größten deutschen Spiele-Hits aller Zeiten. "Ich fühle mich im Projektmanagement am wohlsten", sagt Wendzinski. Programmieren können müsse man dafür fast gar nicht.

Er selbst spielt gerne Strategiespiele wie Starcraft. Computerspiele gleich mit Gewalt und Verrohung zu verbinden, sei falsch: Gerade Aufbau- oder Wirtschaftsspiele hätten einen großen Lerneffekt. "Piloten oder Rennfahrer könnten ohne virtuelle Simulatoren kaum arbeiten." Für Wendzinski können Videospiele ebenso Kunst sein wie Musik oder Filme.

Und wer weiß – vielleicht kann man im Berliner Computerspielmuseum bald auch Werke von Wendzinski, Robert Schmidt oder Tim Schrader sehen. Videospiel-Kunst mit ostwestfälischem Know-How.





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Kommentare
Klar, zocken gehört auch jetzt noch zu unseren liebsten Hobbies, das ändert sich nicht so schnell ;)
Zocken und Spiele programmieren ist ja nicht das gleiche, das Eine verdirbt einem nicht die Lust auf das Andere.

Also ich finde den Artikel ganz spannend. Sonst werden Computerspiele in Deutschland ja eher belächelt. Ein Freund von mir hat öfters mal Counterstrike-Karten gebastelt, sah ganz cool aus. @ Robert und Tim: Zockt ihr denn noch privat gerne? Oder verleidet einem der Job das Hobby etwas?

Ich arbeite jetzt schon seit '99 in der Spielindustrie in England, und hier (und in Amerika) haben private Schulen fuer Spielentwicklung einen eher schlechten Ruf, selbst wenn es in Europa auch verschiedene sehr gute Schulen gibt. Ich empfehle deshalb mit ehemaligen Schuelern und mit moeglichen Arbeitgebern zu sprechen bevor man sich mit einer Ausbildung festlegt. Generell ist es auch zu empfehlen eine traditionelle Ausbildung als Programmierer oder Grafiker zu machen und sich das zusätzliche Spielewissen privat anzueignen. Da hat man dann auch was wenn man mal von Spielen die Schnauze voll hat (Was im Augenblick hier in der Gegend oft passiert.)

Hey!
Finde den Artikel sehr informativ und aufschlussreich. Ich kenne zufällig die männliche Pappfigur im Hintergrund persönlich und er bestätigt alles was in dem Artikel steht. Thomas und Robert sind sehr nette Burschen, die irgendwann mal ihren Traum Programmierer zu sein verwirklichen wollen. Viel Glück Jungs! Mit viel Arbeit und Durchsetzungsvermögen könnt ihr es schaffen. Und vielleicht sitzt ihr sogar eines Tages im Arts-Bereich.

Wendzinsky wird am Ende mit y geschrieben.



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