Paderborn. Statt Picasso oder Dali kann man in Berlin nun Tetris und Pong bewundern – dort wurde das weltweit erste Computerspiel-Museum eröffnet. Sogar der deutsche Kulturrat hat Videospiele als Kulturgut anerkannt. Die Branche boomt. In Ostwestfalen-Lippe können sich zukünftige Spiele-Entwickler das nötige Wissen für ihren Traumjob aneignen – denn gerne Zocken reicht für den Beruf lange nicht aus.
In der Region haben auch Robert Schmidt und Tim Schrader aus dem Kreis Soest ihr Handwerk gelernt. Die 23-Jährigen haben "Game Development" am privaten BIB College in Paderborn studiert. "Die Ausbildung war schon anstrengend", sagt Schmidt. In vier Semestern sollen die Spielebegeisterten die Grundlagen der Informatik erlernen sowie Computergrafiken und 3 D-Modellierung üben.
"Ich wusste immer, dass ich genau das machen will", betont Schrader. Vor allem der Spieleheld Super Mario hatte es ihm schon in der Kindheit angetan. Bald kritzelte er seine Schulhefte voll mit Skizzen und Designs für eigene Spiele-Ideen. Auch für Robert Schmidt ist Spiele-Entwickler mehr als ein Beruf. "Etwas komplett Neues zu erschaffen ist sehr aufregend."
Momentan arbeiten beide beim Hamburger Spiele-Studio "Goodgame Studios". Das Studio stellt sogenannte Browser-Spiele her: Kostenlose Spiele mit eher einfacher Grafik fürs Internet. "Dem Klischee nach müssten wir ja in dunklen Kellerräumen arbeiten", lacht Schmidt. Tatsächlich sitzen sie aber in hellen Büros – sogar einen Swimming Pool können die Entwickler nutzen. Die Einstiegsgehälter für fertig ausgebildete Spiele-Programmierer liegen bei etwa 30.000 Euro im Jahr. "Man kriegt beim Programmieren manchmal wenig Schlaf, aber das muss man in Kauf nehmen.", sagt Schrader. Momentan arbeiten die beiden am Design für das Aufbau-Spiel "Goodgame Disco". Dabei wird der Spieler in die Rolle eines Nachtclub-Besitzers versetzt, der seinen Tanzschuppen in die beste Disco der Stadt verwandeln will.
Ähnliche Projekte kennt auch Eckard Fischer. Er betreut den Studiengang "Game Development" am BIB College. Viele Studenten würden mit falschen Erwartungen das Studium beginnen. "Gerne Zocken reicht nicht", erzählt Fischer. "Wir erwarten auch gute Noten in Mathematik und Physik." Das Studium selbst sei ein "Full-Time-Job." Etwa 90 Prozent der gut 20 Studierenden pro Jahrgang seien Männer - "da ist einfach mehr Leidenschaft für Computerspiele vorhanden", sagt Fischer. Mit 425 Euro pro Monat ist die Ausbildung allerdings auch nicht gerade günstig.
In der deutschen Computer- und Videospiel-Branche sind nach Angaben des Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) etwa 10.000 Personen beschäftigt. Der Umsatz der ersten drei Quartale 2010 lag bei 894 Millionen Euro. "Damit wird in der Spiele-Branche mehr Geld verdient als durch Kinofilme", so BIU-Sprecher Andreas Leisdon. Der Trend gehe zu Browser-Spielen und tragbaren Spiele-Konsolen. Gerade in der Sparte der kostenlosen Browser-Spiele würden händeringend neue Kräfte gesucht. "Für Programmierer, die sich mit Game-Design und Internet-Applikationen auskennen, sind bis zu 1.000 Stellen frei", so Leisdon.

Mittlerweile arbeitet Wendzinski als Praktikant bei "Blue Byte". Das Düsseldorfer Spiele-Studio erfand die Strategie- und Aufbau-Reihe "Die Siedler" - einer der größten deutschen Spiele-Hits aller Zeiten. "Ich fühle mich im Projektmanagement am wohlsten", sagt Wendzinski. Programmieren können müsse man dafür fast gar nicht.
Er selbst spielt gerne Strategiespiele wie Starcraft. Computerspiele gleich mit Gewalt und Verrohung zu verbinden, sei falsch: Gerade Aufbau- oder Wirtschaftsspiele hätten einen großen Lerneffekt. "Piloten oder Rennfahrer könnten ohne virtuelle Simulatoren kaum arbeiten." Für Wendzinski können Videospiele ebenso Kunst sein wie Musik oder Filme.
Und wer weiß – vielleicht kann man im Berliner Computerspielmuseum bald auch Werke von Wendzinski, Robert Schmidt oder Tim Schrader sehen. Videospiel-Kunst mit ostwestfälischem Know-How.








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Zocken und Spiele programmieren ist ja nicht das gleiche, das Eine verdirbt einem nicht die Lust auf das Andere.