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18.02.2011
ESPELKAMP
Automatenkönig Gauselmann weist Vorwürfe zurück
Konzern soll dubiose Parteispenden geleistet haben
VON HUBERTUS GÄRTNER

Münze rein | FOTO: DPA

Espelkamp/Berlin. Die Freiheit sei "immer in Gefahr, von rechten oder linken Ideologen beschnitten zu werden". Wer die Freiheit brauche, um zu spielen oder Spiele anzubieten, sollte die freiheitlichen Kräfte in Deutschland stärken, schreibt der Gauselmann-Konzern in einer aktuellen Erklärung. Damit sollen offenbar umfangreiche Spenden an politische Parteien und Abgeordnete gerechtfertigt werden.

Der Unternehmer Paul Gauselmann (76) ist ein Patriarch alter Schule. Er hat ein großes Herz für den Sport und den Handballbundesligisten TuS N-Lübbecke sowie seinen Tennisverein TV Espelkamp im Laufe der Jahre mit Millionensummen unterstützt. Manchmal setzt Gauselmann sein Geld auch für caritative Zwecke ein. Aber nicht nur das. Der wortmächtige Anführer der deutschen Spielautomatenindustrie soll über viele Jahre hinweg eine anrüchige politische "Landschaftspflege" betrieben haben, um die Interessen seines Konzerns und seiner Branche durchzusetzen.

Info

,,Vollständig verbucht"

Die CDU im Kreis Minden-Lübbecke hat Gauselmann-Spenden erhalten. Sie seien "vollständig im Rechnungswesen der Partei nach den Maßgaben des Parteiengesetzes vereinnahmt und verbucht" worden, teilte der Mindener Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter (CDU) mit. Die Bielefelder Landtagsabgeordneten Günter Garbrecht (SPD) und Matthi Bolte (Grüne) fordern mehr Transparenz. Das Parteispendengesetz sei unzureichend, die Grenze für die Anzeigepflicht müsse gesenkt werden, sagte Bolte. Der Fall zeige, dass "Unternehmen Landschaftspflege betreiben", so Garbrecht. Die FDP-Bezirksvorsitzende Gudrun Kopp forderte eine Prüfung im Fall Gauselmann. (gär)

"Bingo", so titelte am Freitag die Süddeutsche Zeitung einen ganzseitigen Bericht über Gauselmanns umfangreiche Spendenaktivitäten. Nach Information des Blattes soll der größte deutschen Spielautomatenkonzern aus Espelkamp seit 1990 zusammengerechnet mehr als eine Million Euro an Politiker von CDU, SPD, FDP und Grünen gezahlt haben. Angeblich hielt Paul Gauselmann in Rundschreiben seine Manager an, jeweils Spendenschecks von mehreren tausend Euro an von ihm selbst ausgewählte Abgeordnete zu schicken, um bei diesen ein besonderes Verständnis für die Interessen der Spielautomatenbranche zu wecken. In Jahren mit Bundestagswahlen seien bis zu 70.000 Euro geflossen, auch Gauselmann und seine Familie hätten Politiker und Parteien mit Tausenden von Euro unterstützt.

"Spielen braucht Freiheit"

Senior Gauselmann will keinen Druck auf seine Manager ausgeübt haben. Es bleibe aber der Verdacht einer "Strohmann-Konstruktion", heißt es in dem Zeitungsbericht. Besonders trickreich an diesem "bislang einmaligen Parteienfinanzierungsmodell" sei gewesen, dass die Spenden offenbar "auf viele Schultern verteilt" wurden: Weil die Zuwendungen die Grenze von 10.000 Euro im Jahr nicht überschritten, mussten sie auch nicht in den Rechenschaftsberichten der Parteien aufgeführt werden.

Gauselmann weist alle Vorwürfe zurück. Er fühle sich "ungerechtfertigt angegriffen" – insbesondere deswegen, weil er "gerade durch seine politischen Initiativen in erster Linie für die Interessen der Branche mit ihren mehr als 70.000 Mitarbeitern" kämpfe, teilte Gauselmann am Freitag mit. Die Spendentätigkeit habe niemals verdeckt, "sondern ganz offen und nachvollziehbar" stattgefunden, heißt es in einer Presseerklärung. Für die Parteien sei "immer ganz klar" gewesen, "dass der Spender in der Automatenwirtschaft tätig" sei. Die Zuwendungen seien zudem "nicht geeignet" gewesen, um politischen Einfluss zu nehmen. Sie seien auch niemandem aufgezwungen worden. Im Gegenteil: Sein Unternehmen und er selbst würden ständig von "Parteien und Politikern aller Couleurs" um Spenden angegangen. "Sofern es möglich war, wurde diesen Wünschen entsprochen. Wenn dieses grundsätzlich positive staatsbürgerliche Engagement jetzt in ein schlechtes Licht gerückt wird, dann liegt der Gedanke nahe, dass dies mit der Diskussion um das staatliche Glücksspielmonopol der Länder zusammenhängt", schreibt Gauselmann."Spielen braucht Freiheit", fordert der Patriarch. In der Tat soll die Spielautomatenindustrie aber beschnitten werden. Erst unlängst hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), gefordert, Glücksspielautomaten in Gaststätten den Saft abzudrehen. Der Fachverband Glücksspielsucht (Herford) hat eine Petition gestartet, um den Deutschen Bundestag zu bewegen, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Das Automatenspiel habe "das höchste Suchtpotenzial", sagt Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbandes.

"Wir beobachten die Lobby-Arbeit seit Jahrzehnten"

"Wir beobachten Gauselmanns politische Lobbyarbeit schon seit Jahrzehnten mit Argusaugen", sagt sie. Man spüre "Gauselmanns Absicht" und sei "verstimmt". Zu fragen sei auch, warum in der Vergangenheit "mit jeder Novellierung der Spieleverordnung auf Bundesebene die Bedingungen für die Automatenbranche verbessert wurden". Professor Gerhard Meyer, Psychologe an der Universität Bremen, bestätigt dies. Die Politik habe bislang "mitgespielt" und der Automatenindustrie, die mit 235.000 Geräten in Deutschland im letzten Jahr 3,94 Milliarden Euro eingenommen habe, immer mehr Freiräume ermöglicht, kritisiert der Experte.

Das könnte bald ein Ende haben: Im Herbst 2010 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass das staatliche Glücksspielmonopol in Deutschland allenfalls Bestand haben darf, wenn der gewerbliche Bereich (Spielhallen) besser kontrolliert und eingedämmt wird. Die Länder arbeiten derzeit an einem neuen Glücksspielstaatsvertrag. Gauselmann, dessen Gruppe im Jahr 2009 1,26 Milliarden Umsatz erzielte, packt das Grausen. Er fürchtet, dass sich die Länder das bislang nach Bundesrecht geregelte gewerbliche Automatenspiel "einverleiben" wollen, um Verhältnisse wie in der Schweiz zu schaffen, wo es keine privaten Spielhallen mehr gibt.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
@christian: und daran ist immer der Hersteller schuld? Sollten wir dann nicht auch Autos und Schokolade verbieten? Möchte nicht wissen wie viele Leute an Herzinfakt in Folge von zu viel Fett sterben. Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Nicht die Politik und auch nicht der Staat....

Ich kann es nicht mehr hören, jeder, der noch nie eine Spielhalle betreten hat, meint, ermüsse hier mitreden. Nach der letzten Studie entfallen auf die Spielhallen 34000 "Süchtige" die restlichen 180000 verteilen sich auf Casino und andere Spielangebote, die nicht reglementiert sind vom Staat. Warum lernt ihr nicht aus der Geschichte, ....Verbote führen zum Illegalen Gückspiel. so wie in Moment in den Teestuben und Wettbüros dieser Republik. Wollt ihr etwa das? Und was ist mit den 800.000 Kaufsüchtigen und 2 Mio. Alkoholikern?

Auf den Kommentar zu Oliver:Ohne die Gauselmann-Firmen wären Lübbecke und Espelkamp existentiell bedrohte Armenhäuser!"

Das tut mir ja schwer leid für die Umgebung wenn sie keine andere Infrastruktur haben als Suchtautomaten für Spielhöllen herzustellen.
Ich wünsche mir ihr die Verantworlichen für den Spielwahn im Casino-Feeling der letzten Jahre mal erkennt wie es ist gtanz unten zu sein!
Hunderdtausende Menschen verlieren alles, ihr Haus, ihre Familien, ihre Freunde durch so eine Nutzlose scheiße! Tut mir so leid ich muss es so drastisch ausdrücken,
Schaut euch doch selbst um geht in eine Spielhalle seht die Leute da wie sie aus Zwang und ungesteuert ihr letztes Geld dahin bringen!
Ich freue mich wenn am Anfang nächsten Jahres damit Schluss ist und nur noch mit Karte und Selbstsperrung und Maximaleinsatz spielen kann!
Dieses unkontrollierte zocken und das bereichern an den ärmsten hat bald ein Ende es wurde Zeit das die Politik das endlich begriffen hat!
"

Dieses thema wird schon lange diskutiert, ohne dies beweisen zu können. Mal ehrlich 70 000 Beschäftigten der Fa. Gauselmann stehen 460 000 Glücksspielsüchtige gegenüber. Nicht mitgerechnet sind 750 000 problematische Spieler und 3000 000 gefährdete, was eine seriöse Studie letzte Woche bestätigte. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, dass Gelder flossen. Wichtig ist der Schutz der betroffenen Glücksspieler, Fa. Gauselmann wird dabei nur weniger Gewinne einstreichen müssen, nicht mehr und nicht weniger. Gewinnmaximierung geht doch nur auf Kosten der Sucht. Oder gehen normale Bürger regelmässig an die Automaten?
Gameover Bielefeld
Selbsthilfegruppe für Gllücksspieler und deren angehörige.
Info´s auf unserer Homepage
Link unterdrückt
dieter
ehrenamtlicher Gruppensprecher

Anstatt zu meckern, würde ich mal überlegen, wie Lübbecke, Espelkamp usw. ohne die Unterstützung von Leuten wir Hr. Gauselmann aussehen würden... Das Bild wäre wirklich traurig...



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