Minden (mt). Als Hubert Meier* auf ein Feld in der Nähe des Todtenhauser Friedhofs in Minden guckt, bietet sich ihm ein makaberer Anblick: Eine tote Krähe hängt an einem Holzgalgen. "Pervers", findet Meier das. Er ruft die Polizei. Die erklärt ihm, sie hätte mit dem Jagdpächter des Grundstücks gesprochen, alles habe seine Ordnung.
Irgendwann später am Tag ist der Vogel verschwunden, offenbar hat ein Tierfreund ihn beerdigt. Am Abend hält ein Auto auf dem Grundstück von Meier. Aus dem steigt Josef Hanz* (*Namen von der Redaktion geändert).
Er ist der Jagdpächter des Feldes und hat die Krähe dort platziert. Das Tier hat er aufgehängt, um andere Vögel davon abzuhalten, seine ausgesäte Sommergerste zu fressen, sagt er. Er verdächtigt Meier, die Krähe abgenommen zu haben und stellt ihn zur Rede. Jetzt ist Meier sauer. Er fragt sich, warum Hanz weiß, dass er die Beamten informiert hat. "Es kann doch nicht sein, dass die Polizei einfach den Namen rausgibt", sagt Meier.
Werner Wojahn von der Polizei im Kreis Minden-Lübbecke erklärt dazu gegenüber dem Mindener Tageblatt: "Die Polizei darf keine Daten von Bürgern, die Hinweise geben, herausgeben." In diesem Fall sei das etwas anderes gewesen, weil die Beamten Hanz in seiner Eigenschaft als Jagdpächter informiert hätten. "Wir wussten nicht, dass er den Galgen aufgestellt hatte." Jagdpächter Hanz fragt sich, warum die Leute sich überhaupt in seine Angelegenheiten einmischen. Er sagt, die Krähe – eine Rabenkrähe – habe er im vergangenen Winter geschossen. Also ganz legal, während der Jagdzeit. Er habe sie dann eingefroren.
Experten halten Methode für Aberglauben
Jetzt habe er sie wieder aus der Tiefkühltruhe genommen, um sie aufs Feld zu hängen. Bis zu 400 Saatkrähen hätten sich auf seinem kleinen Feld getummelt. Zunächst habe er versucht, sie mit Händeklatschen zu vertreiben. Das habe nichts genutzt. "Als ich die tote Rabenkrähe aufgehängt habe, sind sie verschwunden." Jemand vom Kreisumweltamt habe sich den Galgen angesehen: Das Gestell dürfe bleiben.
Vogelexperten halten die Methode von Hanz für unnütz. Es handele sich bei dem Jahrhunderte alten Brauch bestenfalls um Aberglauben.
So ähnlich sieht das auch Alexander Heyd. Er ist Geschäftsführer vom "Komitee gegen den Vogelmord". Heyd rät zu beweglichen Vogelscheuchen oder Fahnen, um die Saatkrähen fernzuhalten. An toten Artgenossen würden sich die Vögel nicht stören. Er ist der Ansicht, dass Saatkrähen in den meisten Fällen ohnehin keinen großen Schaden anrichten. "Sie picken in der Regel nicht die Saat aus dem Feld, sondern Schnecken und Regenwürmer."
Er glaubt auch nicht, dass man die Rabenkrähe einfach so aufhängen darf, das verbiete die EU-Vogelschutzrichtlinie. Das zuständige Kreisumweltamt war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Eine tote Krähe so die "letzte Ehre" zu erweisen macht nur eines deutlich: Jäger sind psychisch krank.