Löhne. Doris Witte steht verzweifelt in ihrem Elternhaus. Das Badezimmer hat keine Innenwand mehr, Leitungen ragen aus der Decke, Fußböden wurden entfernt. "Ich weiß gar nicht, wie es es weitergehen soll", sagt sie traurig. Die Löhnerin ist Opfer eines krassen und zugleich ungewöhnlichen Falls von Mietnomadentum geworden. "Ich habe viel Erfahrung mit Problemen dieser Art. Einen solchen Fall habe ich aber noch nicht erlebt", sagt ihr Anwalt Kai Oelgeklaus.
Es fing alles ganz vielversprechend im Frühjahr 2009 an. Ein junges Paar mit einen kleinen Kind stellte sich bei Doris Witte vor. Sie wollten ihr Elternhaus mieten, das neben ihrem eigenen Wohnhaus liegt. "Die machten einen guten Eindruck. Der Mann sagte, er sei gelernter Heizungsbauer und jetzt ein gut verdienender Angestellter. Er wirkte handwerklich sehr rührig." Großes handwerkliches Geschick sei im Haus eigentlich nicht gefragt gewesen. "Da war gerade renoviert worden. Es hätten ein paar Malerarbeiten ausgeführt werden müssen", sagt Doris Witte.
Am 1. Juni 2009 kam die junge Familie, um den Mietvertrag zu unterschreiben. "Die kamen mit ihren Eltern, das hat mich beruhigt", erinnert sich Witte. Klar war, dass die neuen Mieter das Haus ein wenig verändern wollten.
Da wurde die Eigentümerin etwas stutzig
Neue Farbe an die Wände, die Zimmerdecken neu verkleiden. Etwas stutzig wurde die Eigentümerin, als die neuen Mieter das kleine Badezimmer vergrößern wollten. "Die haben angesprochen, dass sie vielleicht eine Wand rausreißen wollten."
Nach diesem Gespräch war Doris Witte für wenige Wochen krank und konnte sich nicht um die Arbeiten in ihrem Haus kümmern. "Als ich nach der Erkrankung wieder im Haus war, war die Wand weg. Die hätte wenigstens Bescheid sagen können."
Nachdem die neuen Mieter schwungvoll mit den Renovierungsarbeiten gestartet waren, ermattete plötzlich ihr Elan. Nur noch gelegentlich seien sie zum Renovieren gekommen. Schließlich war die junge Familie dann doch so weit, dass sie einziehen konnte.
"Da hätten wir vor Gericht keine Chance"
"Wegen der Arbeiten im Haus habe ich den Beginn des Mietvertrages erst auf den 1. Januar 2010 datiert", sagt Doris Witte. Im Frühjahr 2010 verlor der Mieter seine Arbeit und im Sommer war die Beiziehung zwischen dem Paar so kaputt, dass der Mann auszog. Im Haus blieben nicht nur Frau und Kind sonde
rn auch das Chaos. "Der hat in jedem Raum was angefangen."
Als der Mann ausgezogen war, schloss Doris Witte mit der Frau einen neuen Mietvertrag ab und machte damit einen großen Fehler, den auch viele andere Nichtjuristen gemacht hätten. "Weil Frau Witte mit der Frau einen Mietvertrag abgeschlossen hat, kann sie keine Ansprüche mehr gegen den Mann geltend machen", erklärt ihr Rechtsanwalt Kai Oelgeklaus.
Weil sie den Mietvertrag abgeschlossen habe, habe sie den Zustand der Wohnung - ohne ihr Wissen - akzeptiert. "Da hätten wir vor Gericht keine Chance", sagt Oelgeklaus.
Die ehemalige Lebensgefährtin und jetzt neue Vertragspartnerin hatten jedoch weder die Kraft noch das Geld, das Haus fertig zu renovieren.
Das Haus sieht immer noch aus wie eine Baustelle
Sie zog am 1. Dezember vergangenen Jahres aus, mit dem Versprechen, das Haus in Ordnung zu bringen und auch den Schaden sowie die ausstehende Miete zu bezahlen. "Daraus ist nichts geworden. Das Haus sieht immer noch aus wie eine Baustelle und die Miete wurde noch nicht einmal zur Hälfte gezahlt".
Die Mietschulden und die Schäden summieren sich nach Schätzungen von Doris Witte auf mindestens 15.000 Euro. "Die Schäden muss ich auf eigene Kosten in Ordnung bringen lassen. Geld werde ich von denen nicht sehen", fürchtet Doris Witte sagt sie und schließt frustriert die Haustür. Das Chaos kann sie nicht mehr sehen.
Ich bin selber Mieter und werde es auch wohl mein Leben kang bleiben. Ich finde es unmöglich dass Mieter nur all zu oft durch den Kakao gezogen werden. Wir sind (wie gesagt) vor einem Jahr selber umgezogen und so mit einer Unzahl an potentielen Vermietern in Kontakt gekommen. Unglaublich was da stellenweise abgeht. Die Kalt-Mieten (also abgesehen von eh gestiegenen Nebenkosten) sind sehr hoch geworden, die Substanz vieler Wohnungen und Häuser jedoch weniger. Da werden Preise verlangt für Bruchbuden ... mir fehlen die Worte. Und dann gilt oft noch der Grundsatz "Nur gucken blos nichts anfasen". Ein Mieter ist kein Mensch 2. Klasse - leider herrscht dieses Denken nur all zu oft vor. An vielen Wohnungen wurde seit Jahrzehnten(!) nichts oder so gut wie nichts vom Besitzer gemacht. Mangelhafte Isolierung, uralte Bäder, uralte Heizungen, total verwohnte Räume, bröckelnde Substanz, mangelhafte Fenster und wenn es hart auf hart kommt auch noch feuchtigkeit und Schimmel. ABER was der Mieter früher in DM an Miete bezahlt hat, soll er heute in € entrichten. Ja ne is klar!
Ein dickes Lob hingegen auf unsere neue Vermieterin - eine echte Ausname! Freie Hand, sehr vernünftiger Preis (Auch bei Arbeitslosigkeit haltbar!) und die Bude ist trotz ihres Alters sehr gut un Schuss - da wurde halt in den letzten Jahrzehnten immer was dran gemacht. Zudem haben wir ein sehr ehrliches und freundschaftliches Verhältniss und helfen uns gegenseitig. Ich würde mir mehr solche Vermieter wünschen.