Hövelhof. Es sei ganz unerträglich. Hartwig Porsch (65) sieht nicht aus wie jemand, der leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Aber seit einem Jahr gellen Kommandos durch sein Haus. Detonationen lassen seine vier Wände erzittern. Der Lärm des Kampfdorfes, sagt er.
An diesem Karsamstag ist es genau umgekehrt. Heute macht er auf sich aufmerksam. 120 Ostermarschierer aus Ostwestfalen sind zum zentralen Ostermarsch in Hövelhof angetreten, um gegen Kriegsübungen in der Senne und gegen militärische Gewalt zu demonstrieren. Zu der Veranstaltung aufgerufen haben Friedensgruppen und Mitglieder von Gewerkschaften, DKP und Die Linke.
"Wir sind hier, weil wir meinen, dass es wichtig ist, an den Ort zu gehen, an dem für Krieg geübt wird", erklärt Hartmut Linne, Sprecher der Paderborner Initiative gegen den Krieg. Durch große Lautsprecher dudelt Musik: "Give Peace a Chance."
Unterstützer für das Militär
An der geschlossenen Schranke zur Panzerringstraße, mit Blick direkt auf ein britisches Kampfdorf, legen die Demonstranten Buchsbaumzweige nieder - als Friedenszeichen. Norbert Renger aus Espelkamp steht hinter einem Tapeziertisch und knüpft kleine Friedenszeichen in die Äste. Ein gemeinsames Gebet für den Frieden, dann marschiert der Pulk ins Hövelhofer Zentrum.
Auf dem Weg dorthin, direkt auf einem Parkplatz, werden sie erwartet. Eine Gruppe steht am Straßenrand, hält ein Transparent in die Luft: "Wir üben Solidarität." Udo Neisens, Ratsmitglied der CDU in Hövelhof, erklärt sich: "Wir wollen ein deutliches Zeichen für die militärische Nutzung der Senne setzen." Das Plakat drücke Solidarität mit den Angehörigen der Bundeswehr und der britischen Streitkräfte aus. Die Ostermarschierer beachten es kaum.
Erst auf der zentralen Kundgebung auf dem Hövelmarktplatz geht Helmut Adolf (53) direkt auf die Gegendemonstranten ein. Er ist Mitglied der Bürgerinitiative "Offene Heide" in Sachsen-Anhalt. Die kämpft gegen die militärische Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide und macht für einen Naturpark.
Hövelhofer Appell
Adolf betont, dass er sehr wohl Solidarität mit den Soldaten zeige. Nur denke er dabei ein Stück weiter: Man müsse nach zivilen Lösungen für Konflikte suchen. Hubert Kniesburges ergänzt: "Wer glaubt, durch das Festhalten an Kriegsübungen Solidarität mit den Soldaten zu zeigen, handelt zynisch."
Dr. Angelika Claußen, Psychotherapeutin aus Bielefeld, ist Mitglied im Verein "Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges". Sie erinnert an die Folgen militärischer Gewalt, fordert, dass das Militär aus der Senne abzieht und ein Nationalpark errichtet wird.
Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock", verliest anschließend den Hövelhofer Appell: Darin fassen die Osterdemonstranten ihre Forderungen zusammen. Das ist erstens die sofortige Einstellung der Kriegsübungen und der sofortige Abbau der Kampfdörfer. Zweitens fordern sie ein Ende des Krieges in Afghanistan. Drittens sprechen sie sich für eine zivile Nutzung der Senne aus. Und viertens verlangen sie, dass Mensch und Natur geschützt werden.