Mittelalterfest "Anno 1280" lockt Tausende Besucher auf den Hof Kruse in Gütersloh
Gütersloh. "Seid gegrüßt", säuselt es aus dem Reiherbachbett hoch. Zwei irgendwie mittelalterlich gewandete junge Damen kühlen sich die Füße. Das ist nicht verkehrt "Anno 1280", das an drei Tagen auch 2011 wieder warm bis heiß ausfiel. "Das große Mittelalterfest" mit Ritterturnier und Marktgeschehen lockte viele Zeitreisefreunde auf den Hof Kruse in Gütersloh-Isselhorst.
Und etliche kamen nicht zum ersten Mal. "Wir freuen uns schon lange darauf", sagt der Gütersloher Jan Mosebach, der mit einer Gruppe von Bekannten zum Kartenhäuschen zieht, wo Veranstalter Norbert Morkes zeitweise persönlich das gelbe "Band der Glückseligkeit" aushändigt. Mosebach war schon voriges Jahr hier und weiß, was ihn hinter dem Brückenposten erwartet, nämlich "eine gute Alternative zum Sparrenburgfest".
Schon ist der Besucher im kurz nach Mittag sanft anschwellenden Treiben, lässt sich von den Angeboten der Händler von der einen zur nächsten Bude ziehen. Schmuck und allerlei Accessoires werden häufig betrachtet. Düfte wehen durch die warme Luft, Musikfetzen. Rainer und Sabrina Beile sind wie einige andere zeitgemäß gekleidet. Die Sachen "sollten schon authentisch sein", meint der Oelder und zeigt sein Schwert her. Sie kennen sich auf solchen Märkten aus, manche seien größer, aber dieser gefällt Sabrina Beile gerade, weil er eher "klein, gemütlich" ist.
Ungemütlich wird es, die Klänge der Gruppe "TrRollheimen" noch im Ohr, bei Lutz Lehmann. Der ist Bader, Medicus und Henker in einem. Erst bricht er Heike aus dem Publikum mit Riesenzange einen verfaulten Backenzahn heraus. Dann führt man einen gewissen Tobias vor, der unter anderem des Verbrechens beschuldigt und womöglich überführt ist, sein Zelt nicht aufgeräumt zu haben: Wasserguillotine!
Während der Bösewicht in ein Becken plumpst, tönt es schon vom Turnierplatz her. Auf dem Weg dahin kommt Ablassprediger Bruder Dickbert entgegen, der "Zucht, Ordnung und Moral" anmahnt und, wie er sagt, leicht heidnische Tendenzen nicht ganz übersehen kann. Dabei scheint es den Menschen, viele Familien darunter, doch - mit dem Titel einer feilgebotenen Fachzeitschrift - nur um "Pax et Gaudium", Frieden und Spaß, zu gehen, aber freilich für "Landsknechte heute". Auch das Turnier, das vier Ritter unter den Augen des Grafen Otto III. von Ravensberg austragen, ist ja ein Schaukampf, bei dem allerdings ein alter Zwist zwischen den Häusern Ravensberg und Lippe mitspielt.
Wolfhard von Eschenbach, Luitpold der Fromme, Simon zu Lippe und Heinrich von Isselhorst demonstrieren dem Volk ihr Können - bis Letzterer schließlich beim "hohen Gestech" Simon ins Gras schickt, wenn auch nicht hinein beißen lässt. Denn bei den Wettkämpfen der Recken wollte man den Gegner nicht töten, nur kampfunfähig machen, erklärt Heinrich Graf von Everstein im 20 Kilo schweren Kettenhemd. "Den Rest machte der Wundbrand."
Everstein hat mit der Hobbygruppe "Freyes Volk der Egge" Zelte aufgeschlagen. Sie wollen mit "Klischees aufräumen", die etwa "Hollywood" über jene Epochen verbreite. Vielleicht kommt auch "Anno 1280" nicht ganz ohne überkommene Vorstellungen aus. Aber Hollywood am Reiherbach? Da ließe sich der Ostwestfale nichts vormachen - und macht doch ganz gerne ein bisschen mit im Mittelalter.