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09.06.2011
BÜNDE
Schulverbot wegen nackter Füße
Bünder seit zwei Wochen barfuß unterwegs
VON GERALD DUNKEL

Fühlt sich barfuß wohler | FOTO: PATRICH MENZEL

Bünde. Die einen tragen Piercings, andere wiederum eine Haartracht, die aufgrund ihrer Ausdehnung ihresgleichen sucht. Wieder andere versuchen, sich über eine besondere Art der Bekleidung zu definieren. Mike Rahlmeyer geht seit zwei Wochen barfuß zur Schule, weil es ihm gefällt - am Mittwoch wollte ihn sein Schulleiter deswegen verweisen.

Es sind die letzten Tage für Mike Rahlmeyer an der Realschule Bünde-Mitte. Heute steht für ihn seine vorletzte Prüfung an - im Fach Englisch. Doch daran darf er - geht es nach dem Willen seines Schulleiters Horst Selle - nur teilnehmen, wenn er Schuhe trägt.

Info

Barfuß: Medizinisch empfohlen

"Aus medizinischer Sicht ist barfuß zu laufen äußerst begrüßenswert", sagte Dr. Bernd Bär, Oberarzt und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Lukas-Krankenhaus. "Durch den direkten Kontakt der Fußsohle zu Unebenheiten wie beispielsweise kleinen Steinchen werden besonders die kleinen Fußmuskeln angeregt", so Bär. Menschen, die jahrelang barfuß gingen, hätten deswegen einen wesentlich stabileren Fußaufbau. "Wer barfuß läuft, muss zwar in Kauf nehmen, dass es schmerzhafter ist, wenn ihm mal jemand auf die Füße tritt, aber grundsätzlich ist es gesünder." Patienten mit statischen Problemen in den Füßen empfiehlt Bär, sich z. B. im Urlaub barfuß am Strand zu bewegen. Nach einiger Zeit seien die Schmerzen verschwunden.
"Fußpilz", so der Mediziner, "entsteht nur an Füßen, die zu wenig Luft bekommen."

"Seit zwei Wochen bin ich den ganzen Tag barfuß unterwegs", erzählt der 16-Jährige. "Ich fühle mich dabei einfach besser und lockerer. Gerade jetzt, wo es zwischendurch schon richtig warm war." Als dies Horst Selle gestern Morgen auffiel, sah dieser nur zwei Möglichkeiten: Entweder Mike geht sofort nach Hause, oder seine Mutter bringt ihm ein Paar Schuhe in die Schule.

Verstehen kann sie die Aufregung nicht

Um den Forderungen des Schulleiters auf die Schnelle nachzukommen, und dem Verweis, den er aufgrund des Hausrechts aussprechen kann, entgegenzuwirken, brachte Mikes Mutter Antje ihrem Sohn die Schuhe. Verstehen kann sie die Aufregung allerdings nicht. "Ich habe da überhaupt nichts gegen, dass mein Sohn barfuß unterwegs ist", sagt sie. Sie sieht es als jugendliche Marotte, gegen die nichts einzuwenden ist. "Jeder braucht doch irgendwo ein Ventil, oder etwas, über das er sich definieren kann. Bei Mike ist das jetzt nun einmal, dass er barfuß läuft."

Das sieht Schulleiter Horst Selle anders. "Als Schulleiter habe ich die Pflicht, unter anderem auf die Gesundheit meiner Schüler und Mitarbeiter zu achten und alles zu tun, damit diese keinen Gefährdungen auf dem Schulgelände ausgesetzt sind. Und da lässt mir das Gesetz auch keinerlei Handlungsspielraum", erklärte Horst Selle gestern gegenüber der Neuen Westfälischen.

Eine besondere Gefahr sieht Selle dabei bei Verletzungen. "Wir haben im Gebäude viele Plakate oder Aushänge, die mit Reißzwecken angebracht sind. Liegt so eine Reißzwecke irgendwo auf dem Boden, weil sie sich aus einer Übersichtstafel gelöst hat und Mike tritt da hinein und holt sich unter Umständen noch eine Blutvergiftung, bin ich als Schulleiter dafür verantwortlich." Ferner sei es auch aus hygienischer Sicht problematisch, weil sich beispielsweise Fußpilz ausbreiten könne - zumindest, wenn es mehrere Schüler gebe, die sich plötzlich nur noch barfuß bewegen würden. "Und gerade im Sportunterricht geht das überhaupt nicht", so Selle weiter, "sei es wegen erhöhter Verletzungsgefahr oder auch aus hygienischen Gründen".

"In manchen Kulturen nur barfuß unterwegs"

Mikes Mutter Antje Rahlmeyer hat Horst Selle angeboten, ein Schriftstück aufzusetzen, in dem sie erklärt, dass sie ihn gegenüber Mike von jeglicher Verantwortung im Falle einer Verletzung entbindet. "Das wollte Herr Selle nicht", sagt Antje Rahlmeyer und fügt scherzhaft an: "Solange die Füße zu Hause nicht auf dem Tisch liegen, habe ich nichts gegen Barfüßigkeit."

Für Mike ist es eine Grundsatzfrage. "In manchen Kulturkreisen sind die Menschen nur barfuß unterwegs. Wenn die hierher kämen, würde man ihnen das doch wohl auch nicht verbieten."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Ich erinnere mich an unsere Schulklasse in den ausgehenden 70ern. Es liefen im Sommer mindestens 4-5 Schüler/innen barfuss und ausser gelegentlichen wenn auch drastischen Warnkommentaren einzelner Lehrer wars das dann auch.
Ich selbst laufe erst als Erwachsener öfter mal barfuss und ist zwar müssig, den vielen positiven Kommentaren hier nochmal zuzustimmen, aber der mutige Mike hat das echt verdient!
Auf dich sollte man stolz sein, wenn man die Freiheit wertschätzt!

Mike geht jetzt schon seid einer Woche immer mit FlipFlops zur Schule - Mitschüler sind geteilter Meinung- die eine findes unglablich peinlich und ekelig. Nen par Leute ist es egal und manche (so wie ich) ffinden es einfach nur geil :D Neben bei gesagt ist eine aus m einer Klasse (ich bin auf der selben Schule ;)) letztes Jahr den ganzen Sommer barfuß zur Schule gekommen. Hatt es Herrn Selle da gestört ? Nein ! Ich glaube sowieso der hat Mike gefressen ! Die Lehrer dürfen ihre Meinugn finde ich nicht wirklich sagen :D Da ist es eher genauso die einen sagen das ist dumm von Herrn Selle und die anderen stehen vol hinter ihm, kommt so rüber (er ist aber deren Chef ;))

Ich finde ja sowieso das ist quatsch aber gut :D Ich meine ich hab letztens ne Party bei mir gemacht und zu Mike gesagt hey es wäre echt besser wenn du hier Schuhe anziehst weil da sicher was runter fallen wird, es kleben wird und hier Scherben liegen werden ! Mike hat natürlich gesagt ja kein Ding und hatte Chucks an ;) So einfach kannn es gehen wenn man erklärt warum man etwas für besser hält ohne gleich so feindselig zu sein !^^

Da man den Artikel zu "Ende" des Streits offenbar nicht kommentieren kann, an dieser Stelle:
Der Schulleiter hätte spätestens aus dem Feedback zu seiner Entscheidung (u.a. aus diesen Kommentaren) erkennen müssen, dass er "Omas alten Weisheiten" aufgesessen ist. Die Erfahrungen derjenigen, die ohne Verbot barfuss laufen können, macht doch deutlich, dass man sich eher ohne Mundschutz eine Erkältung holt als sich durch Barfußlaufen ernsthaft verletzt.
Das Argument der Fürsorge bzw. die Vorschriften bleiben vorgeschoben. Beim Anlegen gleicher Maßstäbe müsste man sonst sofort Absatzschuhe (man kann umknicken, Piercings (man kann dran hängen bleiben) und natürlich den Sportunterricht mit seinem Verletzungsrisiko weitestgehend verbieten.
Aber der Herr hat sich durchgesetzt und seine Macht ausgespielt. Bleibt nur zu hoffen, dass sein "Opfer" selbstbewusst genug ist, das wegzustecken. Ansonsten hat er seinen Hauptauftrag, Kinder zu selbstbewussten, eigenverantwortlchen und mündigen Bürger zu erziehen, deutlich verfehlt und Mike wird zukünftig seine Meinungen für sich behalten.

es ist der schiere wahnsinn.... wie aus so ner kleinen geschichte ein aufhebens gemacht wird !
mal abgesehen von einigen "vollpfosten" die erkenntnisse aus dem letzten jahrhundert zum besten geben sind ja durchaus sinnvolle kommentare dabei
mein rat wäre: mike soll sich flip-flops in die tasche stecken und diese im schulgang nutzen - er ist wohl eh bald fertig und damit hat sich die sache dann erledigt

ich finde es sehr verwunderlich, wenn Menschen, die gerne Barfuß laufen und damit keinem anderen Menschen schaden, sehrwohl aber ihrer Gesundheit nützen, derart angefeindet werden. Da sieht man leider, wie stark der gesellschaftliche Druck auf jene ist, die Individualität lieben. Ich bin selber schon beim Barfußlaufen im Wald oder in der Stadt beschimpft worden. Mir wurde unterstellt, ich wolle einen Krankenschein provozieren. Dabei ist es ein Klischee, daß Barfüßer an jeder Ecke in Scherben oder Hundehaufen treten. Der Schuldirektor sollte mal dran denken, was wirklich gesund ist. Schuhe oder Barfuß.



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