Herford. Raus aus der Kasse, rein in die Brötchen. "Die fassen mit bloßen Händen das Geld an, das vorher schon Tausende von Menschen in der Hand hatten – und danach packen sie mir mit den gleichen Händen die Brötchen in die Tüte", beschwert sich ein NW-Leser über die seiner Meinung nach mangelhaften Hygiene-Zustände in einer Herforder Bäckerei, in der er bislang immer seine Brötchen kaufte.
"Ich bin auf dem Gebiet wirklich kein Fanatiker", sagt der Mann, der lieber ungenannt bleiben möchte und auch die Bäckerei nicht nennt, "aber das geht mir dann doch etwas zu weit."
Thomas Brinkmann, Geschäftsführer der Bäckerinnung Wittekindsland: "So etwas ist völlig unüblich. Eigentlich weisen die Bäcker ihr Personal an, die Ware mit einer Gebäckzange, mit Handschuhen oder mit der Brottüte anzufassen." Ob es in den seitenlangen Hygiene-Vorschriften für Bäcker auch einen Part gibt, der das Tragen von Handschuhen vorschreibt, weiß Brinkmann indes nicht.
Eine Empfehlung, keine Vorschrift
"Gibt es nicht", sagt Christof Nolte, technischer Betriebsberater beim Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe und zuständig für Hygienefragen. Die Gewerbeaufsichtsämter, so Nolte, könnten sich offenbar nicht darauf einigen, ob es besser ist, die Hände zwischendurch zu waschen, oder Handschuhe zu tragen. "Wenn die mehrmals benutzt werden, können da ja auch Bakterien drauf sein", so Nolte. Er selbst empfiehlt folgende Variante: "Bei Brötchen eine Zange, bei Brot einfach die auf links gezogene Plastiktüte drüberstülpen – aber das ist halt nur eine Empfehlung, keine Vorschrift."
In der Herforder Bäckerei Hensel wird diese Empfehlung beherzigt. "Solange ich hier arbeite, packen wir Brötchen und Brote mit einer dünnen Plastiktüte an", sagt Verkäuferin Yasmine Cakmak. Die 24-Jährige ist immerhin schon zwei Jahre dabei. Kollegin Sabrina Cakar ergänzt: "Für feine Backwaren benutzen alle Kolleginnen eine Zange, für Kuchen den Tortenheber – und wenn wir Brötchen belegen, tragen wir immer zwei Handschuhe." Die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen, so Cakar, schrieben das zwar nicht vor, "aber für die Psyche des Kunden ist das wohl besser so".
Yasmine Cakmak gibt ehrlicherweise zu, dass es in den meisten anderen Bäckereien ebenfalls nach diesen Prinzipien laufe. "Ich habe bisher erst einmal gesehen, dass Geld und Backware mit bloßen Händen angefasst werden", sagt sie.
Spezieller Folienhandschuh
In der Herforder Bäckerei Schnarre gibt es sogar einen speziellen Folienhandschuh, mit dem die Verkäuferinnen die Backware anfassen. "Zum Herausgeben von Wechselgeld ziehen die Frauen ihn aus", erklärt Daniel Schnarre. "Wenn sie ihn dann wieder anziehen müssen, brauchen sie ihn nicht mal anzufassen, durch eine Klammer im hinteren Bereich wird er offen gehalten."
In einer Sache geht das Personal von Hensel aber noch einen Schritt weiter, als viele andere Bäckereien: Der Teller mit den "Probierstückchen" steht hier nicht auf dem Tresen, sondern dahinter. "Die Kunden müssen da ja nicht unbedingt hinein niesen", erklärt Cakmak. Das sieht der eingangs erwähnte NW-Leser sicher ähnlich.