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30.06.2011
BÜNDE
Ende des Barfuß-Streits
Schüler Mike Rahlmeyer zieht wieder Schuhe an
VON PATRICK MENZEL UND LENNART KRAUSE

Nicht mehr Barfuß | FOTO: PATRICK MENZEL

Bünde. Mike Rahlmeyer läuft gerne barfuß, auch zur Schule (die NW berichtete). Horst Selle, Leiter der Realschule Bünde Mitte (Kreis Herford), sieht darin ein Problem. Aus hygienischen und sicherheitsrelevanten Gründen verbot er Rahlmeyer das Barfußlaufen. Der Schüler verzichtet weiterhin auf Schuhe. Eine Entscheidung mit Folgen. Rahlmeyer durfte nicht an einem Ausflug seiner Jahrgangsstufe teilnehmen.

Fünf Tage Paris für 140 Euro. Der 17-jährige Schüler Mike Rahlmeyer hatte sich lange auf diese Reise gefreut. Auch seine Mutter Antje Rahlmeyer war begeistert von dem Angebot: "Mit vielen Mitschülern für so wenig Geld nach Paris, das Angebot der Schule war super." Am 21. Juni öffnete sie einen Brief der Realschule Mitte. In diesem erklärt Schulleiter Horst Selle, dass ihr Sohn vom 22. bis 26. Juni von allen schulischen Veranstaltungen ausgeschlossen ist. Weiter steht in dem Schreiben: "Das bezieht sich insbesondere auf die Paris-Fahrt."

Info

Schulgesetz-Paragraphen als Argument

Der von Horst Selle genannte Paragraph 59 Absatz 8 des Schulgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen besagt: Die Schulleiterin oder der Schulleiter ist für die Unfallverhütung sowie eine wirksame Erste Hilfe und für den Arbeits- und Gesundheitsschutz verantwortlich.

´In einem anderen Brief weist Selle Antje Rahlmeyer auf ihren Pflichten nach Paragraph 42 Absatz 4 hin: Eltern wirken im Rahmen dieses Gesetzes an der Gestaltung der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule mit. Sie sorgen dafür, dass ihr Kind seine schulischen Pflichten erfüllt.

Mike Rahlmeyer habe sich mehrere Tage geweigert, in der Schule Schuhwerk zu tragen und "widersetzt sich damit einer klaren Anweisung", steht im Brief von Horst Selle. Weiter erklärt er, dass diese Anweisung auf dem Paragraphen 59 Absatz 8 des Schulgesetzes NRW (siehe Info) basiere. Für Antje Rahlmeyer und ihren Sohn ist die Entscheidung Selles nicht nachvollziehbar. "Mein Sohn tut doch niemanden was, er läuft nur barfuß", sagt Rahlmeyer. Sie ist verärgert, dass ihrem Sohn die Chance genommen wurde, die französische Hauptstadt kennenzulernen.

Entscheidung ohne Klassen- oder Schulkonferenz

Besonders wütend macht sie aber die Tatsache, dass Selle seine Entscheidung fällte, ohne eine Klassen- oder Schulkonferenz einzuberufen. Der Schulleiter hingegen erklärt, dass er zu seiner Entscheidung auch ohne Konferenz befähigt sei. "Mike Rahlmeyer hat sich meinen Anweisungen mehrfach widersetzt. Da war der Ausschluss von allen schulischen Veranstaltungen in der Zeit vom 22. bis 26. Juni die logische Konsequenz", so Selle gegenüber der NW. Dass die Paris-Fahrt in diesen Zeitraum gefallen ist, sei laut des Schulleiters "reiner Zufall". Für ihn stehe der Schutz des Schülers an erster Stelle. Bereits im Mai sagte Selle, dass die Gefahr einer Verletzung zu groß sei. Etwa wenn Mike in eine Reißzwecke trete, die auf den Boden fallen könnte.

Mit einer Drohung möchte Selle seinem Verbot anscheinend Nachdruck verleihen. Mike Rahlmeyer sagt: "Wenn ich von nun an nicht mit Schuhen in die Schule komme, darf ich an meiner eigenen Abschlussfeier nicht teilnehmen." Horst Selle hofft indessen auf Einsicht seines Schülers. "Wenn Mike Rahlmeyer künftig mit Schuhen erscheint, ist die Sache für mich aus der Welt", sagt er und macht deutlich, dass es sich nicht um eine persönliche Angelegenheit handele. Damit dürfte der Barfuß-Streit vorerst vorbei sein. Mike Rahlmeyer sagte gegenüber der NW: "Ich will es zwar nicht, aber ab sofort gehe ich wieder mit Schuhen in die Schule."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Das ist mal wieder Spießigkeit im Reinformat seitens des Hernn Direktors. Daß der Ausflug nach Paris "rein zufällig" in die Zeit des Schulverbots fiel, ist (...). Völlig überraschend ist das allerdings nicht. Ich selber laufe auch gerne barfuß - in meiner Freizeit, nicht am Arbeitsplatz. Trotzdem wurde ich deswegen ins Büro des Personalchefs zitiert. Er meinte, es würde dem Ruf des Unternehmens schaden, wenn ein leitender Angestellter in der Stadt, in der sich das Unternehmen befindet, barfuß angetroffen wird. Unter Androhung der Kündigung durfte ich nicht mehr barfuß oder in kurzen Hosen die Stadt Zofingen betreten.

@ Ulrich S.
Nicht die Nacktheit, sondern der direkte Bodenkontakt ("Erdung") des menschlichen Körpers ist ein menschliches Grundbedürfnis.

Ich mag Loreley nicht.

Über all die Sachen, die hinter dieser Geschichte stecken, vorallem was zu allem geführt hat und was in der Zwischenzeit passiert ist, kann man als gut informierte person nen ganzes Enthüllungsinterview geben

"Ein letztes Mal, hier geht es nicht darum ob Barfuss laufen gesuender ist oder nicht, hier geht es darum sich anzupassen."

Genau, wo kämen wir da hin, wenn wir nicht alle angepasst wären. Erschreckend, was für Kleingeister sich hier zu Wort melden. Wer angepasst ist, hat es noch nie zu etwas gebracht. So einfach ist das.



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