Bundeskriminalamt fahndet wegen versuchten Sprengstoffanschlags in Berlin
VON JOBST LÜDEKING
Herford. Ein Mann aus dem Kreis Herford wird auf der Liste der meistgesuchten Personen Deutschlands geführt. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden fahndet nach dem mittlerweile 50-jährigen Bernhard Heidbreder. Gesucht werden auch seine mutmaßlichen Mittäter Peter Wendelin Krauth und Thomas Robert Walter. Das Trio soll im April 1995 versucht haben, einen Bombenanschlag zu begehen.
"Im Wesentlichen geht es um die Vorwürfe der Mitgliedschaft in einer terroristischenVereinigung, Vorbereitung eines Explosionsverbrechens und Verabredung zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion", erklärt der Sprecher der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe.
Fahnder des Bundeskriminalamts suchen nach wie vor nach den Männern. Heidbreder wurde in Herford geboren und wuchs auch im Kreisgebiet auf.
Zunächst wollte der Mann sogar Polizeibeamter werden, musste dann aber aufgrund gesundheitlicher Probleme aus dem Dienst ausscheiden.
Das Trio, so die Ermittlungsergebnisse des Bundeskriminalamts, wollte in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1995 das Abschiebegefängnis in Berlin-Grünau mit etwa 120 Kilogramm Sprengstoff in die Luft sprengen. Das Gefängnis war leer, weil es damals umgebaut wurde. Den Sprengstoff hatten die Männer selbst hergestellt und in vier Gasflaschen abgefüllt. Die Bomben waren mit Zeitzündern versehen.
Der Plan ging jedoch schief: Als das Trio am späten Abend in einem Waldstück beim Umladen der Sprengsätze in einen Transporter war, kam zufällig ein Streifenwagen vorbei. Die Männer hatten offenbar Angst, gefasst zu werden. Neben dem Kleinbus mit den Sprengsätzen, so die Fahnder, ließ das Trio auch einen weiteren Pkw - der ausgerechnet der Schwester eines der Gesuchten gehörte - am Umladeort stehen. Die Ermittler konnten das Material auswerten und schließlich das Trio identifizieren. Die Männer wollten den Anschlag unter dem Namen "DAS K.O.M.I.T.E.E." verüben. Am Umladeort fanden die Beamten auch Flugblätter, die auf die so genannte "Knastsprengung" hinweisen sollten. Das Trio hatte auch einen Warnhinweis an den Sprengsätzen angebracht. Neben der Tat in Grünau werden den Männern noch weitere Straftaten zur Last gelegt, die aber weniger gravierend sind.
Die Ermittler haben zahlreiche Details aus dem Leben der Gesuchten zusammengetragen. Bernhard Heidbreder war noch während seiner Zeit in Köln aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Er wechselte von dort nach Berlin, wo er ein paar Semester Psychologie studierte. In der Stadt fand er nach Angaben der Ermittler auch Kontakt zu linksextremistischen Kreisen - darunter lernte er auch seine mutmaßlichen Mittäter kennen. Das Trio lebte gemeinsam in Kreuzberg.
Nach dem misslungenen Anschlag tauchten die Männer ab. Sie sind seit mittlerweile 16 Jahren auf der Flucht. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, nach denen sie sich in Frankreich oder in Südamerika verstecken könnten. So hatte 2008 die Berliner Morgenpost darüber berichtet, dass einer der Männer in Südfrankreich gesehen wurde. Zu einer Festnahmen führten die Meldungen nicht.
Die Männer könnten auf die Verjährung der Taten setzen. Dabei verjährt der Vorwurf "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung deutlich früher als die "Vorbereitung eines Explosionsverbrechens und Verabredung zu einer Sprengstoffexplosion. "Die Verjährungszeit liegt bei diesen Vorwürfen bei 20 Jahren. Sie kann sich aber verlängern", so der Sprecher der Bundesanwaltschaft. Dann wären es bis zu 40 Jahre.
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