Porta Westfalica. Die Ursache für den Großbrand im Lager eines Abfallentsorgers im ostwestfälischen Porta Westfalica am Freitag ist weiter unklar. Wie der Sprecher der Tönsmeier-Gruppe, Boris Ziegler, am Samstag sagte, sollen in den kommenden Tagen Sachverständige nach der Brandursache forschen. Auch die Schadenshöhe sei noch offen. Vier Feuerwehrleute wurden leicht verletzt.
Nach dem Löschen des Feuers in der Nacht zum Samstag wurden vorsorglich Brandwachen eingesetzt. Ein Auflodern neuer Nester blieb aber aus. Neben insgesamt 300 Feuerwehrleuten war auch die Bundeswehr im Einsatz mit zwei Hubschraubern im Einsatz.
Hunderte brennende Kunststoffballen hatten am Freitag für erhebliche Störungen im Bahn-Fernverkehr gesorgt, auch der Autoverkehr war eingeschränkt. In der Nacht waren alle Hauptverkehrsstrecken wie auch die Bahnstrecke wieder freigegeben, wie die Polizei in Minden mitteilte. Über dem Lager stand den ganzen Tag eine riesige schwarze Rauchwolke. Messungen von Luft und Löschwasser hätten aber keine Schadstoffbelastungen ergeben.
Die Pforte nach Westfalen war am Freitag stundenlang geschlossen. Der Großbrand beim Abfallentsorger Tönsmeier legte den Verkehr lahm: Staus auf der A 2, Weserauentunnel und B 482 gesperrt, Züge zwischen Hannover und Bielefeld umgeleitet und ein Schiff auf der Weser gestoppt.
Der Himmel brannte
Während Firmenchef Jürgen Tönsmeier in Polen ein neues Werk der 3.000 Mitarbeiter starken und an 60 Standorten europaweit vertretenen Unternehmensgruppe eröffnete, brannte der Himmel am Hauptsitz des 1927 gegründeten Dienstleisters für Müllabfuhr, Recycling und Verwertung.
Zeitweise schlugen die Flammen 20 Meter hoch; der gewaltige Rauchpilz war bis Bielefeld zu sehen und hüllte den Fernsehturm auf dem Jakobsberg an der Porta ein. Anwohner aus dem Ortsteil Lerbeck holten ihre Kinder aus Schulen und Kindergärten, zogen sich in die Häuser zurück, schlossen Fenster und Türen. Lokalradios sendeten Warnungen, und zwei Lautsprecherwagen fuhren durch die Straßen. Der Landrat des Kreises Minden-Lübbecke rief die Großschadenslage aus. Ein Konvent auf der Freilichtbühne wurde abgesagt, während der dunkle Rauch am Wesergebirge entlang nach Rinteln zog.
Hunderte Ballen standen in Flammen
Um 9.24 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden. Als sie zehn Minuten später anrückte, standen hunderte Ballen vor der Sortieranlage für Verpackungsmüll (gelbe Säcke) in Flammen.Gegen Mittag meldete ein Feuerwehrsprecher, das Außengelände sei verloren. Seine Kollegen kämpften mit Löschschaum und Weserwasser, um die Halle zu retten, während weitere Verstärkung aus der Luft anflog: Zwei Hubschrauber der Bundeswehr kreisten über dem Gelände und leerten Runde um Runde 5.000-Liter-Behälter aus. Experten rückten an, um die Schadstoffbelastung des aufgefangenen Löschwassers und der Luft zu messen. Da der Inhalt gelber Säcke bunt gemischt ist, wusste im Unternehmen niemand genau, was da eigentlich auf dem Gelände verbrannte. Etliche Anwohner klagten über brennende Augen und eingeatmeten Ruß.
Warum das Feuer ausbrach, wusste noch keiner zu sagen. Die Polizei ermittelt. Die Löscharbeiten liefen über Nacht weiter. Den Schaden schätzt das Unternehmen auf mehrere Hunderttausend Euro.
Brandkatastrophe legt stundenlang Verkehr lahm
Die Erleichterung war der Stimme des Bahnsprechers anzuhören: "Wir fahren wieder", sagte er um exakt 16.33 Uhr am Freitagnachmittag. Stundenlang war der Fernverkehr auf der Bahnstrecke von Dortmund Richtung Berlin im Raum Porta Westfalica gesperrt. Der ICE-Bahnhof Bielefeld wurde in dieser Zeit von Fernzügen nicht angefahren. Es war nicht das einzige Chaos, das der außergewöhnliche Großbrand auf dem Gelände des Müllentsorgers Tönsmeier verursacht hat. Ein Überblick:
"Das Wochenende kann ich jetzt wohl knicken", sagt Jannis (18) auf dem Bahnhof in Bad Oeynhausen. Denn der Zug, mit dem er und seine Mitschüler des Internats Vahrenholz Richtung Hamburg nach Hause aufbrechen wollten, fiel wegen des Brandes aus. Marion Wirner zeigt sich ebenfalls ratlos. Die Pendlerin, die in Bad Oeynhausen arbeitet, stellt ihren Pkw immer am Bahnhof Porta ab. "Jetzt weiß ich gar nicht, wie ich an meinen Wagen komme." Gerade hat sie erfahren, dass die zum Bahnhof Porta führende Bundesstraße gesperrt ist.
Kraftverkehr durfte wegen des Brandes in unmittelbarer Nähe nicht mehr durch den Weserauentunnel in Porta Westfalica fahren. Giftige Rauchgase hätten durch die Belüftungsanlage in den Tunnel gesogen werden können, befürchtete die Polizei. So war auch der Pendelbusverkehr, der die Bahnreisenden aus Bielefeld nach Minden bringen sollte, jäh gestoppt. Kein Durchkommen.
Gewaltige schwarze Rauchwolke
Auch der Verkehr am Flugplatz in Porta Westfalica war von der Brandkatastrophe betroffen. Wegen der Rauchentwicklung und der im Einsatz befindlichen Bundeswehrhubschrauber durften am Freitag zeitweilig keine Maschinen starten, bestätigte ein Sprecher.
Die gewaltige schwarze Rauchwolke, die sich über der Brandstelle entwickelt hatte, war selbst im rund 45 Kilometer entfernten Bielefeld noch zu sehen. Bilder der Webkamera, die auf dem Turm der Sparrenburg montiert ist, dokumentierten das außergewöhnliche Ereignis.
Selbst der Schiffsverkehr auf der Weser musste eingestellt werden. Die Fahrten der Weißen Flotte Richtung Vlotho wurden zwischenzeitlich ausgesetzt.
Achselzuckende Bahnfahrer standen am Nachmittag vor der großen Anzeigetafel in der Eingangshalle des Bielefelder Hauptbahnhofs. "Großbrand in Porta. Strecke Löhne bis Minden gesperrt. Fernverkehr wird umgeleitet" war dort zu lesen. Aus diesem Grund fuhren die ICE-Züge während der Brandbekämpfung, an der mehr als 500 Helfer beteiligt waren, über Paderborn. Zur Freude vieler Bahnfans, die sich zum Eisenbahnfest am Viadukt Altenbeken eingefunden hatten und nun unerwartet dort ICE-Züge ablichten konnten.
"So ein Quatsch"
Auch wenn bei den leidgeprüften Bahnreisenden in Bielefeld offensichtlich zwar längst keine Panik ausbrach, kämpften doch einige mit den zum Teil fragwürdigen Empfehlungen des Bahn-Servicepersonals: "Mir hat man geraten, nach Osnabrück zu fahren, um von dort nach Hannover zu kommen. So ein Quatsch", ruft ein Fahrgast, als er Richtung Bus eilt. Dass der empfohlene Zug zwar Bielefeld nicht anfährt, aber eben genauso über Löhne und Minden rollt, war den gestressten Servicekräften der Bahn zunächst nicht aufgefallen. Immerhin: Gegen 18 Uhr fuhr der erste ICE wieder Bielefeld an.
LANUV gibt Entwarnung
- Nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) wurden nach dem Brand erhöhte Kohlenmonoxid- und Kohlenwasserstoffkonzentrationen in der Luft gemessen.
- Es habe aber keine Gesundheitsgefährdung gegeben.
- Zwar sei der Kunstoff PVC verbrannt und Salzsäure freigesetzt worden. Die Werte seien aber unter der Nachweisgrenze geblieben. (gär)
Beim Verbrennen von Kunststoff kann Blausäure entstehen
Was passiert, wenn Kunststoffe verbrennen und als Rauchwolke in die Luft ziehen? Patrick Oßwald, Wissenschaftler für Verbrennungschemie an der Universität Bielefeld, erklärt im Gespräch mit Nina Könemann, wann das Verbrennen von Kunststoffen gefährlich wird.
Welcher Vorgang wird in Bewegung gesetzt, wenn Kunststoffe verbrennen?PATRICK OßWALD: Kunststoffe werden in der Chemie Polymere genannt, das heißt, sie sind aus vielen gleichen Teilen aufgebaut. Bei einem Brand entstehen Nebenprodukte, weil der Kunststoff zersetzt wird. Ein Beispiel: Verbrennt reiner Kohlenwasserstoff, so verbrennt er zu Kohlendioxid und Wasser. Das ist aber unproblematisch.
Wann wird es problematisch?OßWALD: Bei Bränden von Kunststoffen sind häufig die Beiprodukte giftig, die durch die Hitze entstehen. Außerdem gibt es Teile im Kunststoff, die bei der Verbrennung übrig bleiben. Sie steigen mit der Rauchwolke in die Luft auf und verteilen sich dort. Wenn es regnet, kommen die giftigen Teilchen wieder herunter.
Welche Schadstoffe können dabei auftreten?OßWALD: Das kommt ganz auf die Art des Kunststoffs an und die Bedingungen, unter denen er verbrennt. Bei manchen Polymeren entstehen kaum Schadstoffe. Brennt aber zum Beispiel ein sogenanntes Polyamid, ein Kunststoff, der aus Stickstoffverbindungen besteht wie etwa eine Nylon-Strumpfhose, dann kann Blausäure entstehen. Die ist hochgiftig. Kunststoffe wie PVC setzen Salzsäure frei. Die ist nicht nur giftig, sondern auf der Haut auch ätzend.
bezüglich der Gefährlichkeit der Kunststoffverbrennung
richtig wiedergegeben wurden, dann ist die Tragweite dieser
für Veröffentlichenungen für die deutsche Abfallbranche,
sowie für die ganze Energiewirtschaft im Prinzip unabsehbar.
Natürlich können wir alle Kunststoffe in den heimischen
Specksteinofen stopfen, anstatt in den gelben Sack.
Die Luftbelastung wird bei einem so kleinen Feuer nicht mehr
nachweisbar sein.
Ein Abfallproblem ist gelöst, das Energieproblem ist verringert,
die CO2 Bilanz wird durch das gesparte Öl bzw. Erdgas verbessert
und die Haushaltskasse wird deutlich geschont.
Nur die Abfallwirtschaft wird sich etwas gesundschrupfen müssen.
Wie konnten wir uns nur all die Jahre so hinters Licht führen
lassen ?!!
20 Jahre habe ich zentnerweise Kunststoffe gesammelt, gewaschen und
sortiert und behutsam in die minderwertigen Gelben Säcke gefüllt und
nach der Abfuhr die Reste wieder von der Straße gelesen, und nun
wird klar - Es war nicht nur alles umsonst, sondern hat auch noch
richtig Geld gekostet !
Man darf garnicht darüber nachdenken...